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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,1

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Ludwig überträgt der Kirche S. Zeno (in Verona) (ecclesia, que est in honore S. Zenonis constructa), der der Veroneser Bischof Adelhard vorsteht (cui ipse episcopus preesse dinoscitur), auf die durch seinen dapifer vorgetragene Bitte des genannten Bischofs hin, zur Vervollständigung des kirchlichen Amtsbezirkes (ad supplementum ecclesiastici ministerii) den Königshof Ripa am Gardasee (Riva del Garda, Prov. Trento) mit allen Pertinentien. - Pön 1000 Mankusen Gold. - Sigifredus clericus ex iussu imp. - M. - a. imp. 7, Ind. 8, 〈a. inc. 836〉. - "Si erga loca".

Überlieferung/Literatur

Kopien: München, Hauptstaatsarchiv, Hochstift Freising, Lit. 4: Freisinger Kopialbuch, 2. Hälfte 12. Jh., fol. 10v-11r (C); ebd., Lit. 2: Liber Ruber, 2. Hälfte 13. Jh., fol. 100v-101r, aus C (C1). - Drucke: Monumenta Boica, Mon. Boica 31/1, Nr. 44 S. 96-98, aus C (zu 860); Gerola, II diploma carolingio di Riva, S. 8-9, aus C; Mommsen, Freisinger Urkundenüberlieferung II, S. 427-428, aus C C1 (zu 874 oder 875); D Lu.II.†89. - Reg.: Cipolla, Fonti edite, Nr. 75 S. 52 (zu 860); Fainelli, CD Veronese I, Nr. 209 S. 316 (zu 860).

Kommentar

Die Datierungsmerkmale dieses in den formelhaften Teilen fraglos überarbeiten Stückes sind völlig verderbt. Während das Regierungsjahr auf 856 führt, weist die Indiktion auf 860 oder 875. Wegen der stilistischen Eigenart von Rekognitionsformel und Signum-Zeile ist eine Datierung in die Spätzeit des Kaisers anzunehmen, wozu überdies auch das, allerdings von dem späteren Bearbeiter hinzugefügte, Inkarnationsjahr paßt. Auch hat Bischof Adelhard von Verona sein Amt nicht vor 872 angetreten; vgl. Keller, Struktur, S. 207. Sowohl zu 875 als auch zu 874 ließe sich ein Aufenthalt des Kaisers in Pavia im Itinerar unterbringen. - Während Gerola, a.a.O., das Stück noch für eine Fälschung aus der 2. Hälfte des 10. Jh. unter Benutzung einer echten Urkunde Ludwigs II. und Karlmanns gehalten hat, hat Mommsen, a.a.O., gewichtige Gründe für seine prinzipielle Echtheit - ungeachtet mehrerer auch von ihm eingeräumter Interpolationen - angeführt. Riva wurde gegen Ende des 10. Jh. tatsächlich als Besitz des Bistums Verona bestätigt (vgl. Cipolla, Fonti edite, Nr. 220 S. 98); ein materieller Fälschungsgrund ist somit nicht recht erkennbar. - Empfänger der Schenkung ist nicht primär das Bistum (die Veroneser Bischofskirche hat ein Marienpatrozinium), sondern S. Zeno, dem damals, wie es ausdrücklich heißt, Bischof Adelhard von Verona vorstand. Schon Lothar L hatte das Kloster Bischof Ratold von Verona ad regendum übertragen (vgl. Reg. 373), und bereits M2 1261 (Reg. 373) war gemeinsam für Bistum und S. Zeno ausgestellt. Noch gegen Ende des 10. Jahrhunderts war S. Zeno Sitz der Veroneser Bischöfe ( DD O.III.46 u. 199). - Zu den Korruptelen gehört neben dem unmöglichen Titel Ludwigs als Romanorum imperator augustus (der vielleicht dem Kopisten des 12. Jh. anzulasten ist) und Modernisierungen in der Pertinenzformel wahrscheinlich auch die Interventionsformel, in der ein nicht namentlich genannter Truchseß begegnet. Zwar war dieses Hofamt damals, wie Mommsen, a.a.O., S. 424, geltend macht, von einem Grafen Eberhard (Everardus) bekleidet (vgl. Hlawitschka, Franken, S. 180), doch sollte man zumindest dessen namentliche Nennung erwarten. Der Rekognoszent, ein Sigifredus clericus, ist nicht weiter nachweisbar; vgl. Mommsen, a.a.O., S. 418 Anm. 7. - Zu den Gründen für die auffällige Überlieferung des Stückes im Freisinger Chartular vgl. Mommsen, a.a.O., S. 417. - Zu Bischof Adelhard von Verona (etwa 875 bis 910) vgl. neben Dümmler, Gesta, S. 62-65, auch Hlawitschka, Franken, passim; Keller, Struktur, S. 207. Vgl auch Kehr, IP VII/1, S. 268.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,1 n. †418, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0875-07-31_1_0_1_3_1_4635_F418
(Abgerufen am 29.03.2017).