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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,1

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Ludwig gestattet dem Bischof Paulus von Piacenza (Paulus sanctae Placentinae ecclesiae episcopus) auf Fürsprache seiner Gemahlin Angilberga (Angilberga coniux nostra et consors imperii nostri) die von Bischof Seufred, dem Oheim des Paulus, begonnene Kanonie (canonica sacerdotum et reliquorum ordinum) mit einer Mauer zu umgeben, falls erforderlich unter Einbeziehung der alten Stadtmauer. Ferner überträgt er der Kirche von Piacenza die innerhalb des ummauerten Bezirks eventuell liegenden öffentlichen Wege, bestätigt ihr neben dem bereits von seinen Vorgängern bewilligten Markt am Fest des Hl. Antoninus drei weitere Jahrmärkte mit Abgabenfreiheit und verleiht ihr die Immunität mit der Maßgabe, daß die freien Kirchenleute (liberi et arimanni prefate ecclesie) nur durch den advocatus, die unfreien Kirchenleute (in eiusdem diocesis commanentes massarii et coloni) nur durch ihren Herrn vor Gericht geführt werden dürfen. - Pön 12 Pfund Gold und immunitatis semel promulgata poena 30 Pfund Silber. - Giselbertus proctonot. (lies: presb. et not.) ex iussu imperiali. - M. - a. imp. 28 (!), Ind. 5. - "Cum petitionibus".

Überlieferung/Literatur

Keine handschriftl. Überlieferung. - Drucke: Campi, Dell'historia di Piacenza I, S. 460-461 Nr. 12, angebl. "in Archiv. Cathed. Placen." (zu 872); vgl. auch ebd. S. 218; D Lu.II.56. - Reg.: M1 1217 = M2 1252.

Kommentar

Die Datierungsangaben sind, wie das unmögliche Regierungsjahr Ludwigs anzeigt, offensichtlich verderbt. Die 5. Indiktion führte auf 872, doch ist es ganz unwahrscheinlich, daß sich der Kaiser damals so weit im Westen der Poebene aufgehalten haben sollte (zu Marengo bei Alessandria vgl. schon M2 1183 u. 1217 [Regg. 191 u. 192]). Auch 873 oder 874 Januar ist ein Aufenthalt dort nicht im Itinerar unterzubringen. Andererseits legt die Rekognition des hier erstmals begegnenden Giselbert, dessen überlieferter Titel offensichtlich verderbt ist (vgl. Bresslau, Urkundenlehre I3, S. 390 Anm. 6), es nahe, daß M2 1252 in die letzten Jahre Ludwigs gehört. Unter dieser Voraussetzung bleibt eigentlich nur der Januar 875. Der Druck durch Campi ist auch sonst fehler- und lückenhaft, was darauf schließen läßt, daß seine Vorlage schon nicht mehr gut lesbar war. - Ludwig hatte schon 852 für Bischof Seufred geurkundet: M2 1188 (Reg. 95). Zu Bischof Paulus s. schon Reg. 392; vgl. Riesenberger, S. 172-176. Eine umfassende Besitzbestätigung Ludwigs für die Kirche von Piacenza, erschließbar aus D Ka.III.35 (Reg. 660), ist nicht erhalten; vgl. Schieffer, Vorbemerkung zu Dep. Lo.I.182 u. Reg. 460. Vgl. auch schon das große Bestätigungsprivileg Ludwigs d. Fr. M2 690. - Zum Rechtsinhalt vgl. das Kapitular Ludwigs d. Fr. von 819, Capit. I, Nr. 141 S. 288f., bes. c. 7; s. auch Schneider, Burg u. Landgemeinde, S. 169; Fischer, Adel u. Kirche, S. 132; Dilcher, Bischof u. Stadtverfassung, S. 238 Anm. 51; Dilcher, Stadtkommune, S. 53 Anm. 61; Racine, Cité et seigneur, S. 99; Racine, Plaisance I, S. 22 u.ö.; Settia, Castelli, S. 48f.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,1 n. 410, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0875-01-06_1_0_1_3_1_4627_410
(Abgerufen am 21.01.2017).