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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,1

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Ludwig schenkt seiner Gemahlin Angilberga (Angilberga dilectissima coniux nostra et consors inperii) für den von ihr geplanten Bau eines Klosters in Piacenza (S. Sisto) einen Kanal mit fließendem Wasser (canalle unum aque vive fluentis), der von der Trebbia entlang der Basilika S. Brigide (S. Brigida in Piacenza) durch den Klostergarten bis zum Kaisergraben (fossa augusta) führt, und gewährt ihr das Recht, innerhalb Piacenzas die öffentlichen Straßen, wo immer sie will, bis zu den Grenzen des Klosters fortzuführen (wie M2 1268). - Pön 12 Pfund Gold und Dei omnipotentis ira. - Bullenankündigung. - Ohne Rekognition. - M. - a. imp. 35 (!), Ind. 9. - "Habens pre".

Überlieferung/Literatur

Kopien: Parma, Arch. di Stato, Diplomatico, Dipl. imp., cass. II, n. 23, Einzelkopie 14. Jh. (D). - Drucke: Fanta, Unedirte Diplome II, Nr. 14 S. 396-397 (mit idus oct., also zum 15. Okt.); Benassi, CD Parmense, Nr. 19 S. 140-141; D Lu.II.†87. - Reg.: M1 1236 = M2 1271.

Kommentar

Bei dem von Mühlbacher und Fanta noch nicht beanstandeten Stuck (vgl. aber Solmi, Proprietà fondiaria, S. 139 Anm. 1) handelt es sich zweifellos um ein auf der Grundlage von M2 1268 (Reg. 397) hergestelltes Spurium, das wohl zu jener Gruppe von Fälschungen der ersten Hälfte des 12. Jh. gehört, mit denen das Kloster alte Wasserrechte geltend machen wollte; vgl. schon Regg. †356 u. †360. Neu hinzugekommen im Vergleich zu M2 1268 und daher als Produkt des Fälschers anzusehen ist neben der knappen einleitenden Formel: Habens pre occulis iudicii examen divini, cognitum fieri volumus, bei der sich der Falsarius an D Kn. 16 (Reg. 555) orientiert haben dürfte (vgl. auch Hausmann/Gawlik, Nr. 910-911), nur der Passus donamus et tradimus ei canalle unum aque vive fluentis a Trevia iusta bassilicam Sancte Brigide et per viridarium eiusdem cenobii usque in fossam augustam. Auch die Datierungsangaben sind M2 1268 entnommen, wenngleich in verderbter (a. imp. 35 statt 25, Ind. 9 statt 8) und leicht abgewandelter (14. statt 13. Oktober) Form. Der angebliche Ausstellort ad Cōlona corte imperiali dürfte aus act. Olonna coorte imperiali der Vorlage verderbt sein. Vielleicht sind diese Ungereimtheiten im Eschatokoll auch dem Kopisten des 14. Jh. anzulasten. Überhaupt ist das Verhältnis von M2 1271 und D Kn. 16 neu zu bestimmen; vgl. Kehr, Vorbemerkung. - Zur angeblich 869 gegründeten Kirche S. Brigida vgl. Kehr, IP V, S. 486.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,1 n. F400, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0874-10-14_1_0_1_3_1_4617_F400
(Abgerufen am 24.01.2017).