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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,1

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(I) Ludwig, der von dem Mönch und Propst Angelarius von Montecassino (Angelarius monachus et prepositus ex cenobio Sancti Benedicti) in Sant'Apollinare aufgesucht worden ist, verfügt auf dessen Bitte hin, daß der zur Zelle im Ort Maurini im Gau Penne (Prov. Pescara) gehörende Besitz - die Zelle hatte Herzog Hildeprand (von Spoleto) zur Zeit Pippins, des Sohns Karls d. Gr., dem Kloster auf Bitten des Mönchs Benjamin urkundlich geschenkt -, der von den Leuten des Kaisers in Besitz genommen worden ist (homines, qui ex nostra parte teneant aliquid ex rebus celle), dem Kloster restituiert wird, und beauftragt den Mönch und Propst Celsus von S. Trinità (Casauria) zusammen mit Bischof Grimoald (von Penne), den er brieflich unterrichtet hat (Reg. 387), Angelarius in den Besitz einzuweisen. - Pön 30 Pfund Silber. - Giselbertus presb. et not. ex iussione domni Ludouici serenissimi imp. aug. - a. imp. 24, Ind. 7. - "Omnium fidelium". (II) Ludwig, der von dem Propst Angelarius von Montecassino (Angelarius tunc prepositus Sancti Benedicti Casinensis cenobii) in Sant'Apollinare aufgesucht worden ist, verfügt auf dessen Bitte hin, daß der zur Marienzelle in Maurinis in der Grafschaft Penne (Prov. Pescara) gehörende Besitz - die Zelle hatte Herzog Hildeprand (von Spoleto) vor fast 100 Jahren zur Zeit Pippins, des Sohns Karls d. Gr., dem Kloster urkundlich geschenkt -, der von den Leuten des Kaisers entfremdet zu werden droht (aliqui, qui quasi ex parte nostra ipsas res ... vellent invadere), dem Kloster in den genannten Grenzen mitsamt seinem Hafen und dem Leuchtfeuer am Fluß Vomano (cum foce de Gomano) (bei Teramo) restituiert wird, und beauftragt den Mönch und Propst Celsus von S. Trinità (Casauria) zusammen mit Bischof Grimoald (von Penne), den er brieflich unterrichtet hat (Reg. 387), Angelarius in den Besitz einzuweisen. - Pön 30 Pfund Gold. - Giselbertus not. ex iussione Serenissimi imp. Ludoici aug. - 〈a. inc. 709〉, a. imp. 24, Ind. 7. - "Omnibus fidelibus".

Überlieferung/Literatur

(I) Kopien: Montecassino, Arch. abbaziale, Registrum Petri Diaconi, 1. Hälfte 12. Jh., fol. 50v, n. 114 (C); ebd., Cod. 620, Kopie des Registrum, Anf. 15. Jh., fol. 68v, aus C (C1). Erwähnt auch in der Klosterchronik des Leo von Ostia (um 1100), Chron. Casin. I, 39, ed. Hoffmann, S. 107, aus C. Die zahlreichen jüngeren Kopien aus C (vgl. Kehr, IP VIII, S. 114f.) bleiben unberücksichtigt. - Drucke: Gattola, Accessiones I, S. 41, aus C; D Lu.II.62. - Regg.: B 675; Mancone, Registrum, S. 107; Hoffmann, Chronik u. Urkunde, S. 105 Nr. 114; M1 1227 = M2 1262. (II) Kopien: Montecassino, Arch. abbaziale, Aula III, caps. XIII, n. 43, Einzelkopie 11. Jh. (B). - Druck: D Lu. II. †83. - Reg.: Leccisotti, Regesti II, Nr. 43 S. 120-121.

Kommentar

Im Unterschied zu den beiden Spuria M2 †1237 u. †1238 (Regg. †269 u. †270) für Montecassino ist an der substantiellen Echtheit des in zwei stark voneinander abweichenden Fassungen überlieferten und deshalb hier in zwei getrennten Kopfregesten mitgeteilten M2 1262 kaum zu zweifeln; vgl. Hoffmann, Abtslisten, S. 258 m. Anm. 112; Bloch, Monte Cassino I, S. 290. Dies gilt speziell für die Mühlbacher einzig bekannte Chartularversion des Petrus Diaconus (I, im folgenden C). Die Einzelabschrift (II, im folgenden B) stellt dagegen eine ältere verfälschte Version dar, wie sich nicht nur in den formelhaften Teilen wie Invocatio und Intitulatio zeigt, sondern auch durch das hinzugefügte abwegige Inkarnationsjahr, die Verkürzung des Schreibertitels und die Nennung von Gold anstelle von Silber in der Pönformel belegt wird. Vor allem aber ist der ganze erste Teil der Dispositio in B mit so unmöglichen Wendungen wie Mox ego predictus Lodoicus veritate cognita ... Machwerk des Fälschers; ob auch die detaillierte Grenzbeschreibung mit der Pertinenzliste in dieser Form aufsein Konto geht, ist kaum mit letzter Sicherheit zu klären. Daß schon die authentische Fassung eine Grenzbeschreibung enthielt, darauf könnte die Pönformel in C schließen lassen, wo von einem Hafen die Rede ist, obwohl ein solcher im Kontext garnicht genannt wird. - Beachtung verdient die Tatsache, daß Leo von Ostia (Marsicanus) in seiner Chronik nicht nur C, sondern, wie gerade die zitierte, von ihm übernommene Kontextformel und die gleichermaßen übernommene Grenzbeschreibung nahelegen, auch B (oder das verlorene Original, falls dieses tatsächlich schon eine Grenzbeschreibung enthielt) herangezogen hat, was für das Verhältnis von Chronik und Urkunde in Montecassino natürlich von Bedeutung ist; vgl. Hoffmann, Chronik u. Urkunde, S. 192. - Die jüngeren Urkunden, in denen S. Maria in Maurinis bestätigt wird, hat Bloch, a.a.O., II, S. 761 Nr. 38, verzeichnet. Die in B überlieferte Grenzbeschreibung hat mit Varianten auch Eingang gefunden in ein Placitum des Jahres 1022, in dem der Besitz neuerlich Montecassino zugesprochen wurde ( Manaresi, Placiti II, S. 633-635 Nr. 311). - Der genannte Propst Angelarius wurde 883 Nachfolger des Abtes Bertharius; vgl. Hoffmann, Abtslisten, S. 262-264. Die erwähnte Urkunde Herzog Hildeprands von Spoleto ist nicht erhalten; vgl. Brühl, CD Longob. IV/1, S. 66ff. Der in C genannte Mönch Benjamin wird in dem aus mehreren echten Urkunden, darunter wohl auch aus der vorliegenden Urkunde Ludwigs II., zusammengesetzten Spurium auf den Namen Karls d. Gr. ( DD Karol.I.†243) erwähnt. - Zu Bischof Grimoald von Penne, der mit Ludwig bei der Gründung Casaurias zusammengearbeitet hat, vgl. zuletzt Reg. 387, Der Propst Celsus von Casauria (vgl. schon Reg. 366 u.ö.) wird wenige Wochen später in Sant'Apollinare auch das Privileg Ludwigs für sein Kloster erworben haben; vgl. das folgende Reg. - Die Zelle S. Maria in Maurinis lag bei Atri, Prov. Teramo, unweit des Fiume Vomano; vgl. Hoffmann (ed.), Chron. Casin., S. 106 Anm. 2; sie war eine Dependenz von S. Liberatore, das seinerseits zu Montecassino gehörte; vgl. Bloch, a.a.O., S. 290f.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,1 n. 388, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0874-03-00_2_0_1_3_1_4605_388
(Abgerufen am 25.01.2017).