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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,1

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Ludwig, der kürzlich zusammen mit seiner Gemahlin Angilberga das Fest des Hl. Sixtus (beatissimi pape et martiris Sixti sollemnitatem) (6. August) in Piacenza gefeiert hat, schenkt dem (von seiner Gemahlin dort erbauten) Kloster des Hl. Sixtus (S. Sisto) auf Bitte seiner Gemahlin, die sich während der Überfahrt über den Po an ihn gewandt hat, den Hafen von Piacenza nahe der Stadt (portum Placentinum ab urbis vicinio) und fügt aus eigenem Antrieb den nahegelegenen Fluß Trebia (Trebbia) bis zur Via Claudia hinzu, mit allen Fähr-, Fischerei- und Wasserrechten (naulum ... et piscationem vel usum aquarum omnem), sowie alle Nutzungsrechte am Po, soweit er dem Hl. Sixtus gehört (aquam ipsam ... ripam vicinam, naulum, ripaticum, molituram, palifixuram et piscationem vel usum aquarum omnem). - Pön 300 Pfund Gold. - Bullenankündigung. - Giselbertus presb. et not. ex iussu imp. - M. SR. - a. imp. 22, Ind. 5. - "Longe opere".

Überlieferung/Literatur

Kopien: Cremona, Arch. di Stato, perg. segr. 314, Transsumpt von 1193 Mai (B); Piacenza, Bibl. Com., Mss. Pallast. n. 3 (I. Cereda, Carte dell'Arch. Cremonese), 19. Jh., fol. 31r-v, angeblich aus "C. Sancti Sixti B. 1". - Drucke: Fanta, Unedirte Diplome II, Nr. 12 S. 393-394, aus B; D Lu.II.†79. - Regg.: Robolotti, Repertorio I, S. 12, Nr. 96; M1 †1220 = M2 †1255.

Kommentar

Das Regierungsjahr Ludwigs ist eine Einheit zu niedrig, doch ist die Ortsangabe Piacenza sowohl 872 als auch 871 August ganz unmöglich. - M2 1255 wurde schon von Fanta und Mühlbacher für ein Spurium nach echter, allerdings im einzelnen nicht mehr nachweisbarer Vorlage gehalten. Für die Rekognitionsformel könnte M2 1267 (Reg. 396) aus dem Archiv von S. Sisto herangezogen worden sein. Arenga und Pönformel sind auffällig stilisiert, die genannten Rechte ( Mühlbacher faßt portus als "Überfuhr" auf) sind in der Folgezeit nie bestätigt worden. Das Kloster selbst ist erst seit 874 gegründet worden und hatte zunächst (wie auch die Gründung Ludwigs, Casauria) ein Herrenpatrozinium (Sancta Resurrectio). Solmi, Proprietà fondiaria, S. 139, nimmt eine Entstehung der Fälschung in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts an. - Das Transsumpt (vgl. die Unterfertigung bei Fanta, a.a.O.) enthielt ursprünglich auch noch M2 1226 (Reg. 224); vgl. dort. - Vgl. auch das nächste Spurium M2 †1256 (Reg. 1360) mit einer gleichfalls auffälligen Pön.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,1 n. †356, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0872-08-08_1_0_1_3_1_4573_F356
(Abgerufen am 23.01.2017).