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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,1

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Die Kaiserin, Angilberga trifft sich mit König Ludwig (von Ostfranken) und schließt mit diesem - in Gegenwart der päpstlichen Legaten Formosus (Kardinalbischof von Porto) und Gauderich (Kardinalbischof von Velletri) - ein eidlich bekräftigtes (gegen Karl d. Kahlen gerichtetes) Bündnis. Dabei tritt Ludwig (von Ostfranken) seinen Anteil am Reich des verstorbenen Königs Lothar (II.) heimlich (an Ludwig II.) ab (clam reddidit).

Überlieferung/Literatur

Ann. Bertin. a. 872, ed. Grat, S. 185f. Die Gegenwart der päpstlichen Legaten - Formosus von Porto ist der spätere Papst (gewählt 891) - wird erwähnt in den Aufzeichnungen über den Hoftag Karls d. Kahlen in Gondreville am 9. September 872, Capit. II, Nr. 277 S. 341f. ("Sacramenta apud Gundulfi villam facta"), bes. S. 342 Z. 2ff. - Vgl. c. 4 des Capitulare Carisiniacense a. 877 Juni 14, Capit. II, Nr. 281 S. 355ff., bes. S. 356. - Regg.: M2 1254a, 1490f.

Kommentar

Wie wir bei Hinkmar weiter erfahren, hatte Angilberga für die Zeit nach Ostern (30. März) auch Karl d. Kahlen zu einer Zusammenkunft in St. Maurice d'Agaune eingeladen, doch war dieser, als er auf dem Weg dahin von dem geplanten Treffen zwischen der Kaiserin und Ludwig von Ostfranken erfuhr, wieder umgekehrt. Obwohl die Kaiserin von Trient aus ihre Einladung an Karl d. Kahlen erneuerte und abermals Boten an ihn schickte, kam das Treffen mit jenem nicht mehr zustande (vgl. auch c. 4 des genannten Capit. Carisiniacense, S. 356 Z. 40: missatico domni apostolici Hadriani et missatico Hludowici nepotis vestri, womit wohl die Gesandtschaftstätigkeit der Angilberga gemeint ist). - Nur vermuten läßt sich, worin die - von Hinkmar wohlweislich verschwiegene - Gegenleistung des Kaisers für die Landabtretung seines Oheims bestand. Wahrscheinlich wurde in Trient dem Sohn Ludwigs von Ostfranken, Karlmann, die Nachfolge in Italien zugesichert, auf die sich Karlmann später ausdrücklich berufen hat. Daß der Kaiser nach seiner Freilassung aus der Gefangenschaft des Adelchis (Reg. 330) daran ging, sein Haus zu bestellen, zeigen auch die gleichzeitigen Vorgänge um die Gründung des Klosters Casauria; vgl. Zielinski, Gründungsurkunden, S. 70. Die späteren Ansprüche Ludwigs von Ostfranken und seiner Söhne auf das Reich Ludwigs II. stützen sich jedenfalls auf die in Trient eingeleitete und 874 bei einem Treffen der beiden Ludwige erneuerte Bündnispolitik (Reg. 391). Die Vorgänge von Trient stellten in den Augen Karls aber einen Bruch der entsprechenden Abkommen zwischen ihm und Ludwig von Ostfranken dar (neben dem Vertrag von Meerssen ist in diesem Zusammenhang auch das Abkommen von Metz 867 zu nennen). - Bei der angeblichen Abtretung des Ludwigs von Ostfranken in Meerssen 870 zugefallenen Reichsteils Lothars II. kann es sich nur um eine entsprechende Willenserklärung gehandelt haben; jedenfalls hat Ludwig II. in der Folgezeit dort keinerlei Herrschaftsrechte ausgeübt. - Zu Gauderich von Velletri (ca. 867-879) s. schon Reg. 285. Zu Formosus von Porto vgl. Riesenberger, S. 247-253; s. auch Reg. 477. - Vgl. noch Dümmler II2, S. 340f.; Parisot, Lorraine, S. 399-402; Hartmann III/1, S. 281f.; Odegaard, Engelberge, S. 84-86; Schneider, Brüdergemeine, S. 123, 165, 183; Grotz, Hadrian II, S. 300; Hees, S. 12; Voss, Herrschertreffen, S. 44, 95, 212.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,1 n. 351, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0872-05-00_1_0_1_3_1_4568_351
(Abgerufen am 24.07.2017).