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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,1

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Aufstandgegen Ludwig. Der überraschte Kaiser wird nach dreitägiger tapferer Gegenwehr (Ann. Bertin.) mit Gemahlin und Tochter von Fürst Adelchis (von Benevent) gefangengenommen; sein Schatz wird geplündert und seine in der Umgebung verstreuten Truppen werden vertrieben.

Überlieferung/Literatur

Erchempert c. 34, ed. Waitz, S. 247; Andreas v. Bergamo c. 16, ed. Waitz, S. 228f. (mit dem Datum Id. Aug.), Ann. Bertin. a. 871, ed. Grat, S. 182f.; Iohannes diac., Gesta epp. Neap. c. 65, ed. Waitz, S. 435; Vita Athanasii c. 8, ed. Waitz, S. 448; Cat. com. Capuae, ed. Cilento 2, S. 300; Cat. reg. Langob. et Italic. a. 871, ed. Waitz, S. 502; Carm. de Lud. imp., ed. Traube, S. 404; Ann. Bertin. a. 871, ed. Grat, S. 183; Regino v. Prüm a. 871, ed. Kurze, S. 102f. (konfus); Lupus Protospat. a. 868, ed. Pertz, SS V, S. 52; Ann. Benev. a. 871, ed. Bertolini, S. 116; Chron. Salern. c. 109, ed. Westerbergh, S. 121f. (mit sagenhaften Details); Chron. Casin. I, 36, ed. Hoffmann, S. 102. - Reg.: M2 1251a.

Kommentar

Über die Ursachen des Aufstands, als dessen Führer Adelchis von Benevent erscheint, in den aber weitere Große verwickelt waren, liegen unterschiedliche Äußerungen vor. Erchempert verweist auf die harte Bedrückung der Beneventaner durch die Franken (ähnlich auch das Carmen de Lud. imp. 3). Die Kaiserin Angilberga und ihr habgieriges Regiment werden vom Chron. Salern. angeführt. Nach den Ann. Bertin. (Hinkmar) soll Ludwig auf Betreiben seiner Gemahlin geplant haben, Adelchis in die Verbannung zu schicken, was zum Aufstand geführt habe. - Nach Iohannes diac. soll Herzog Sergius II. von Neapel seine Hand im Spiel gehabt haben. Inwieweit Lambert von Spoleto beteiligt war, wie gleich mehrere Berichte vermuten lassen (vgl. Reg. 332), ist umstritten (vgl. Hlawitschka, Widonen, S. 52ff.), doch war zumindest der Kaiser selbst von seiner Mitschuld zutiefst überzeugt; vgl. Reg. 401. Regino v. Prüm verweist auf byzantinische Machenschaften, was ebenfalls möglich erscheint. In den griechischen Quellen schließlich (vgl. Reg. 314) spielt der gefangene Emir von Bari eine Schlüsselrolle. - Iohannes diac. Venetus, ed. Monticolo, S. 120, sowie besonders dem Carmen de Lud. imp. ist noch zu entnehmen, daß Ludwig während des Aufstands in Lebensgefahr geschwebt hat. - Jenseits der Alpen kam sofort das Gerücht auf, der Kaiser sei zu Tode gekommen. Karl d. Kahle rückte daraufhin bis Besançon vor und schickte Boten nach Italien, die ihm aber meldeten, daß Ludwig noch lebe. Ludwig von Ostfranken ließ seinen Sohn Karl in das tranjuranische Gebiet des Kaisers ziehen, wo ihm die Großen huldigten: Ann. Bertin. a.a.O.; vgl. Ann. Fuld. a. 871, ed. Kurze, S. 74. - Vgl. Dümmler II2, S. 272f.; Gay, L'Italie méridionale, S. 101ff.; Hartmann III/1, S. 290ff.; Musca, Bari2, S. 126f.; Enzensberger, Unteritalien, S. 792; Hlawitschka, Widonen, S. 50ff.; Bund, Thronsturz, S. 443f.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,1 n. 328, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0871-08-13_2_0_1_3_1_4545_328
(Abgerufen am 08.12.2016).