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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,1

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Ludwig schenkt der dem Bischof Aio von Benevent unterstehenden Kirche S. Michele am Monte Gargano (ecclesia Sancti Michaelis que Deo auctore sita est in Monte Gargano), die er verödet und zerstört vorgefunden hat (vidissemus deserta et ruinosa seu dissipata), zu seinem, seiner Gemahlin Angilberga, seiner Tochter und aller seiner Verwandten Seelenheil sowie für die Festigkeit seines Reiches (pro Dei et Sancti Michaelis amore nostreque dilectissime coniugis Angilberge ac prolis omnisque parentele nostre necnon salute perpetua, pro nostri etiam statu imperii) das zugehörige Kastell mit den Bewohnern (gastaldiani), die fortan unbeschadet ihrer Freiheit unter dem Schutz dieser Kirche stehen (salva sua libertate sint sub defensione ipsius ecclesie), die bisherigen öffentlichen Leistungen und Abgaben an sie entrichten und anstelle des Heeresdienstes zum Wiederaufbau der Kirche und zu sonstigen Diensten gemäß dem Willen des Bischofs von Benevent herangezogen werden sollen, und untersagt den öffentlichen Amtsträgern, dort ein Placitum abzuhalten. - Detaillierte Aufzählung der zu leistenden Gebete pro nobis nostraque dilectissima coniuge ac prole omnique parentela. - Pön 30 Pfund Gold. - Bullenankündigung. - Gauginus sacerdos ac cappellanus iussu Serenissimi Augusti. - M. - a. imp. 22, Ind. 4. - "Dum pro variis".

Überlieferung/Literatur

Kopien: Benevent, Arch. Capitolare, Biblioteca, Transsumpt von 1464, heute wohl verloren (D); ebd., "Bullarium selectum sanctae Beneventanae ecclesiae" von 1694, S. 8-11 (mit a. imp. 20), aus D. - Drucke: Ughelli, Italia sacra VIII1, Sp. 64-65 (zu 875) = VIII2, Sp. 44-45 (mit a. imp. 21, Ind. 8, angebl. nach dem Or. in Benevent); Raccolta di diplomi e bolle della chiesa Sipontina, Nr. 1 S. 3-6; D Lu.II.54. - Regg.: B 665; M1 1215 = M2 1249.

Kommentar

In D, das schon Hagemann nicht mehr zur Verfügung stand, steht das Herrscherjahr undeutlich auf Rasur, wie der Transkription von v. Pölnitz-Kehr zu entnehmen ist; die Einordnung zu 871 ist aber aus historischen Gründen gesichert. - Mit dem Besuch auf dem Monte Gargano beim dortigen Michaelsheiligtum (vgl. Reg. 320) stellte sich Ludwig bewußt in die langobardische Tradition seines Königtums; vgl. Krüger, Königsgrabkirchen, bes. S. 441. In der ungewöhnlich ausführlichen Gebetsformel, in der ausnahmsweise auch der gesamten parentela des Kaisers gedacht wird, werden neben der Meßfeier (missa cantatur) noch folgende Gebete erwähnt: "Kyrie eleison", "Deus misereatur nostri" (PS. 66), "Deus in adiutorium meum" (PS. 69), "De profundis" (PS. 130). - Zur mutmaßlichen Vorlage des Transsumpts vgl. Tessier, D KdK.400, S. 390 Anm. 1. - Zum Hofkapellan Gauginus s. zuletzt M2 1248 (Reg. 319). Das genannte Kastell war von Bischof Ursus von Benevent (ca. 831-838) erbaut worden; s. Holtzmann, IP IX, S. 244. - Karl d. Kahle, Kaiser Lambert und Otto I. haben die Verfügung Ludwigs zugunsten der Beneventaner Kirche später bestätigt ( D KdK.400 [Reg. 487], Dep. Lt. 5, D O.I.338). Vgl. auch Palumbo, Honor Montis S. Angeli, S. 9f., 37. - Zu Aio v. Benevent, einem Bruder des Fürsten Adelchis von Benevent, vgl. Riesenberger, S. 213-215; s. noch Reg. 330 u. Reg. 487.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,1 n. 321, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0871-05-29_1_0_1_3_1_4538_321
(Abgerufen am 19.09.2017).