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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,1

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Ludwig überträgt der bischöflichen Kirche von Reggio nell'Emilia, in der die Gebeine des Hl. Prosper ruhen (sancta Regiensis ecclesia, in qua beati Prosperi confessoris Christi corpus humatum iacet), auf die durch den Grafen Wifrid, seinen Getreuen (Wifredus inclitus comes et dilectus fidelis noster), hin vorgetragene Bitte des Bischofs Rotfred aus Königsgut (iuris regni nostri Ytalici) die insula Sugçaria (Suzzara, Prov. Mantua) in der Grafschaft Brescia (auch: Reggio) zwischen (den Flüssen) Po und Zara (Zara, Nebenfluß des Po s. Mantua) mit allen Pertinentien, darunter dem Gebiet, das von den Bewohnern Pullicini (Polesine, Com. Pegognaga, Prov. Mantua) genannt wird, zu freiem Eigen. - Pön 130 Pfund Gold, insuper etiam infamia publica notatus tanquam sacrilegus habeatur ab omnibus. - Adelbertus not. iussu regis. - M. - a. inc. 872, a. imp. 21, Ind. 4. - "Si nostra augustalis".

Überlieferung/Literatur

Kopien: Reggio nell'Emilia, Arch. Capitolare, Custodia I, a. 870 IX 8, Transsumpt von 1271; ebd., Arch. vescovile, Reparto pergamene, zwei Transsumpte von 1271; ebd., Kopien 13. u. 14. Jh.; Mantua, Arch. di Stato, Arch. Gonzaga. Ms. B.XXXII.15, 15. Jh. - Drucke: Ughelli, Italia sacra V1, Append., Sp. 1568-1570 (zu 871) = II2, Sp. 249-250 (zu 871/72); Tiraboschi, Mem. stor. modenesi I, Cod. diplom., Nr. 35 S. 46-47 (zu 872) = CD Langob., Nr. 254 Sp. 429-430 (zu 872); Torelli, Le carte degli archivi reggiani, Nr. 14 S. 39-42 (zu 870); D Lu.II.52. Erwähnt auch von Muratori, Antiq. Ital. I, Sp. 364, angeblich "ex autographo eiusdem privilegii". - Regg.: Torelli, Reg. Mantovano I, Nr. 8 S. 8 (zu 870); M1 1212 = M2 1246.

Kommentar

Wie schon Mühlbacher betont hat, kann M2 1246 in der überlieferten Fassung schwerlich authentisch sein. Allerdings hat es wahrscheinlich eine echte Urkunde Ludwigs für Reggio mit vergleichbarem Rechtsinhalt gegeben, die der NU Karls III. als Vorlage diente ( D Ka.III. 16 = Reg. 603); ein materieller Anlaß für eine Ganzfälschung ist also nicht erkennbar; vgl. Kehr, Vorbemerkung zu D Ka.III. 16 (Reg. 603); s. noch D Ka.III.78 (Reg. 707) u. D Lu.III.4. Speziell für die Originalität des D Ka.III. 16 ist Kehr zuletzt in seiner Einleitung zur Edition (S. XLVIf.) energisch eingetreten. - Unzweifelhaft verfälscht ist hier in M2 1246 das Eschatokoll mit seinen hoffnungslos widersprüchlichen Datierungsangaben. Das unkanzleigemäße Inkarnationsjahr 872 widerspricht dem Regierungsjahr und der Indiktion, die beide auf 870 weisen. Sowohl 870 als auch 872 September ist aber actum Mantua ganz unmöglich. Es kommt hinzu, daß im Titel Ludwigs Kaiser Lothar mitaufgeführt ist, was nur bis 855 der Fall gewesen ist. Für eine Frühdatierung der echten Vorlage spricht auch der Name des Rekognoszenten Adalbert, der nur bis 865 nachweisbar ist; daß er iussu regis (!) tätig geworden sein soll, kann wieder nur dem Überarbeiter angelastet werden. Angesichts dieser vielen Ungereimtheiten und Widersprüche kann die formale Einordnung des Stückes an dieser Stelle keinesfalls als gesichert gelten. - Zu den Örtlichkeiten im noch nicht regulierten Potal vgl. Tiraboschi, Dizionario II, S. 230, 368f. Das Toponym insula meint hier wie auch sonst gelegentlich keine Insel im eigentlichen Wortsinn; vgl. Darmstädter, Reichsgut, S. 151; Zielinski, Gründungsurkunden, S. 91; s. auch Reg. 365. - Bischof Rotfred von Reggio begegnet auch noch in einer Urkunde Berengars von 898 ( D Be.I.20); vgl. Saccani, Vescovi2, S. 41. Zu Graf Wifrid I. von Piacenza, der hier zum letzten Mal vorkommt, vgl. Reg. 26 (Kommentar).

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,1 n. F310, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0870-09-08_1_0_1_3_1_4527_F310
(Abgerufen am 13.12.2017).