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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,1

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Ludwig schenkt seinem Vasallen und Ratgeber Suppo (Suppo strenuus vassus dilectusque consiliarius noster) auf Bitten seiner Gemahlin Angilberga (Angelberga dilectissima coniunx et consors imperii nostri) zu freiem Eigen die Königshöfe Fellinas (Felina, Com. Castelnovo ne'Monti, Prov. Reggio nell'Emilia) und Malliaco in der Grafschaft Parma im Gastaldat Bismantino (heute Castelnovo ne'Monti) mit den Kapellen und allen Pertinentien, darunter dem Forst (gaium) in Monte Cervario (wohl Monte-Cervarola w. Sestola, Prov. Modena). - Pön 100 Pfund Gold. - Gauginus not. iussu imperiali. - M. SR. SI. - a. imp. 20, Ind. 11 (!). - "Si petitionibus fidelium".

Überlieferung/Literatur

Zweifelhaftes Or. Reggio nell'Emilia, Arch. capitolare, Cofano I, a. 870 IV 3, Ende 9. Jh. (A). - Faksimile: Arch. paleogr. ital. IX, Taf. 118 (mit Regest). - Drucke: Muratori, Antiq. Ital. I, Sp. 569-572 (mit a. imp. 10), zu 863 = Heumann, Commentarii de re diplom. imperatorum I, S. 495-496 Nr. 40 = Affò, Storia di Parma I, S. 287 Nr. 12 (Auszüge); Tiraboschi, Mem. stor. modenesi I, Cod. diplom., Nr. 30 S. 40f. (zu 863); Torelli, Le carte degli archivi reggiani, Nr. 13 S. 37-38; D Lu.II.50. - Regg.: B 659 (zu 863); M1 1209 = M2 1243.

Kommentar

Der Fälschungsverdacht, der sich gegen das in der Forschung bislang nicht beanstandete Stück richtet, entzündet sich in erster Linie an dem gut erhaltenen Siegel, bei dem es sich nämlich zweifellos um ein Siegel Ludwigs d. Fr. handelt, und zwar jenes Typs, der nur von 834 bis 836 bezeugt ist (Umschrift: † XPE PROTEGE HLVDOVVICVM IMP); vgl. die Abb. im Arch. paleogr. ital. IX, Taf. 114, mit Posse, Siegel I, Taf. 1 Nr. 7; dazu V, S. 6. Allgemein zu solchen Fällen von Siegelmißbrauch s. Ewald, Siegelkunde, S. 225-231; Ewald, Siegelmißbrauch, bes. S. 20-25, 100. Auch die für Ludwig II. singuläre, in den Urkunden Ludwigs d. Fr. aber ganz verbreitete ausführliche Invocatio: In nomine domini Dei et Salvatoris nostri Iesu Christi, zeigt die Benutzung einer Urkunde Ludwigs d. Fr. an. Anscheinend wurden auch die Datierungsangaben: a. imp. 20 und Indiktion 11, der Urkunde Ludwigs d. Fr. (s. M2 920-925) gedankenlos nachgeschrieben, was schon die Archivare im Kapitelarchiv zu Reggio veranlaßt hat, das Stück zu 833 einzuordnen. Schließlich scheint sich der Schreiber sogar bemüht zu haben, das SR der Vorlage nachzuzeichnen. Die Urkunde Ludwigs d. Fr. scheint nämlich von dem um 833 in der Kanzlei Ludwigs d. Fr. wirkenden Notar Hirminmaris rekognosziert worden zu sein, dessen unverwechselbares SR (vgl. Abb. seiner Urkunden in den Kaiserurkunden in Abb., bes. Lief. I, Taf. 6) offensichtlich Pate gestanden hat. Das übrige Formular der angeblichen Urkunde Ludwigs II., darunter Schreiberformel und Actum, entspricht dagegen den Kanzleigewohnheiten Ludwigs II., so daß sich insgesamt ein widersprüchliches Bild ergibt. Nicht undenkbar erscheint, daß es eine Urkunde Ludwigs d. Fr. für Suppo oder einen seiner Vorfahren gegeben hat; daß aber die Kanzlei Ludwigs II. das Siegel aus dieser Urkunde einfach übernommen haben sollte, scheint mir wenig wahrscheinlich. Falls wir es aber mit einem zeitgenössischen Machwerk zu tun haben, so muß dieses bald nach dem Tod des Kaisers, jedenfalls vor 890, als Berengar I. die Schenkung bestätigt hat ( D Be.I.8), fabriziert worden sein, wahrscheinlich um Graf Suppo (DI.) nach seinem Scheitern in Spoleto (vgl. Reg. 334) einen Rechtstitel für seine oberitalischen Besitzungen zu verschaffen. - Die Einordnung des Stückes zu 870 entspricht dem 20. Regierungsjahr, das unter Ludwig II. auf 870 April 3 führt, doch würde diesem Jahr die Indiktion 3 entsprechen. Venosa als Ausstellort wäre auch 868 oder 869 denkbar. Zum Notar Gauginus vgl. bereits M2 1235 (Reg. 258). - Suppo III., ein Vetter der Kaiserin Angilberga und Schwager Eberhards von Friaul aus einer in Oberitalien begüterten fränkischen Familie (sog. Supponiden), hatte 869/70 als kaiserlicher Unterhändler am Konzil von Konstantinopel 869/70 teilgenommen; vgl. Reg. 301. - Der Hof Malliaco lag unweit von Felina; vgl. Malaguzzi/Valeri, I Supponidi, S. 9 Anm. 2. Berengar beruft sich 890 auf (verlorene) Urkunden Karlmanns und Karls III.; vgl. Lechner, Nr. 533-534.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,1 n. F306, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0870-04-03_1_0_1_3_1_4523_F306
(Abgerufen am 24.01.2017).