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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,1

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Ludwig teilt Erzbischof Ado (von Vienne) brieflich mit (Adoni venerabili archiepiscopo salutem), daß er auf Bitten seines Bruders Lothar (II.) (amantissimus et desiderantissimus frater noster Lotharius), der ihn in seinem beneventanischen Regnum (in Beneventanorum regno nostro) aufgesucht hat, dessen Kleriker Bernarius (cuidam suo clerico Bernario nomine) das Bistum Grenoble (episcopatum Gratianopolitanum) verliehen hat, und bittet ihn, Bernarius zu weihen, wenn dieser von Lothar zu ihm geschickt wird; der Kleriker werde nämlich zu seinen (Ludwigs) Getreuen zählen, da ja feststehe, daß all das Seinige auch seinem Bruder gehöre wie umgekehrt (credimus enim eundem clericum nobis fore fidelem, quippe cum omnia nostra fratris nostri sint et omnia ipsius nostra). - Empfangsvermerk: II. Idus Iul. acceptae. - "Amantissimus et".

Überlieferung/Literatur

Kopien: Paris, Bibl. Nationale, Cod. lat. 1452, 9. Jh., fol. 196v (B). - Drucke: Sirmond, Concilia Galliae III, S. 376 = Bouché, Hist. de Provence I, S. 733 = Gallia Christ II1, S. 604 = Bouquet, Recueil VII, S. 572; Epp. VI, S. 175-176 Nr. 23/1. - Regg.: Maassen, Bibliotheca latina I, S. 187; M1 1208 = M2 1242.

Kommentar

Lothar II. hatte seinen Bruder Ludwig etwa im Juni im Beneventanischen, wahrscheinlich in der Nähe von Venosa, erreicht; vgl. Regg. 294-295. Der Empfangsvermerk zum 14. Juli macht es wahrscheinlich, daß das Schreiben während des damaligen Treffens aufgesetzt und sofort einem Legaten mit auf den Weg nach Vienne gegeben wurde. Zur Handschrift vgl. Maassen, a.a.O., S. 184-187. In der gleichen Angelegenheit sind auch Schreiben Lothars II. und Karls d. Kahlen an Ado von Vienne (860-875) überliefert ( Epp. VI, S. 176 Nr. 23/II-III); vgl. auch Kremers, Ado, bes. S. 45-48, 71. - Grenoble lag in jenem Teil des Mittelreiches, der 863 an Ludwig gefallen war (Reg. 210). Im Zusammenhang mit den Bemühungen Ludwigs, seiner Herrschaft auch dort Geltung zu verschaffen, könnten auch die beiden bei Hugo von Flavigny erwähnten, in dieser Form allerdings nicht unverdächtigen Schreiben Hadrians II. stehen, in denen der Papst die Bischöfe und Großen Galliens und Burgunds auffordert, nur solche Bischöfe zu weihen bzw. weihen zu lassen, denen Ludwig das Bistum übertragen hat (Chronicon, SS VII, S. 354; vgl. künftig Herbers, Papstregesten). - Ein Kapellan Lothars II., der Berandus hieß (Überlieferung 17. Jh.), ist 862 im Auftrag seines Herrn am Hofe Karls d. Kahlen gewesen. Ein Notar Berlandus schrieb 867 das Diplom Lothars II. für das Kloster Prüm. Auf eine mögliche Identität mit dem Bernarius hier in Reg. 296 macht aufmerksam Prinz, Ehestreit, S. 256 Anm. 39; vgl. ebd. S. 263. - Das Schreiben ist wegen der Betonung der Brüdergemeine in dem zit. Passus auch inhaltlich bemerkenswert. Der Gedankengang findet seine Parallele auch im Schreiben des Kaisers an Basilius I. von Ostrom (Reg. 325), bes. c. 9. Beachtung verdient auch die Charakterisierung des beneventanischen Fürstentums als regnum nostrum; vgl. Hlawitschka, Widonen, S. 50. Regnum Beneventanum heißt es schon im Kapitular des Jahres 847 (Reg. 46, c. 11, ed. Hartmann, Conc. III, S. 137 Z. 22f.); vgl. Brühl, Deutschland, S. 316. - Vgl. Dümmler II2, S. 237, 242, 281; Poupardin, Provence, S. 35; Morrison, Two Kingdoms, S. 161f.; Schlesinger, Zur Erhebung Karls d. K., S. 179.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,1 n. 296, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0869-06-00_3_0_1_3_1_4513_296
(Abgerufen am 23.07.2017).