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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,1

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Bischof Arsenius (von Orte), dessen Sohn Eleutherius aufsein Betreiben hin am 10. März in Rom die bereits mit einem anderen Mann verlobte Tochter des Papstes Hadrian (II.) entführt und geheiratet hat, begibt sich an den Hof Ludwigs nach Benevent, stirbt dort aber, nachdem er seinen mitgeführten Schatz noch der Kaiserin Angilberga übergeben hat. Als sich der Papst wegen der Entführung seiner Tochter an Ludwig wendet und die Entsendung von Missi erwirkt, die den Eleutherius nach den römischen Gesetzen aburteilen sollen, tötet dieser (in seiner Bedrängnis), angeblich auf Anstiftung seines Vetters (Hinkmar: frater) Anastasius (Bibliothecarius), das entführte Mädchen und seine Mutter Stephania, die Gemahlin des Papstes, ehe er selbst von den Boten des Kaisers getötet wird (a missis imperatoris occisus est).

Überlieferung/Literatur

Ann. Bertin. a. 868, ed. Grat, S. 144. - Regg.: J-E S. 370; M2 1239i.

Kommentar

Hadrian II. hat wegen dieser undurchsichtigen, von seinem Biographen mit Stillschweigen übergangenen Vorfälle Anastasius, seinen bisherigen Vertrauten, im Oktober 868 auf einer römischen Synode aus der Kirchengemeinschaft ausgeschlossen ( J-E 2912; Werminghoff, Verzeichnis, S. 640; Hartmann, Synoden, S. 296f.), allerdings bald darauf wieder - wohl weil sich die Anschuldigungen nicht beweisen ließen - rehabilitieren müssen; vgl. Lohrmann, Register, S. 239f. - Anastasius wird von Hinkmar frater des Eleutherius genannt, was aber nicht stimmen kann; vgl. Haller, Pseudo-Isidor, S. 10 Anm. 26. - Zu Arsenius, der sich noch unter Nikolaus I. - angeblich weil er sich von diesem zurückgesetzt fühlte - der kaiserlichen Partei angeschlossen hatte (vgl. den Brief des Anastasius an Ado von Vienne Epp. VII, S. 400f. Nr. 3), s. bereits Reg. 105 u.ö. - Vgl. Lapôtre, De Anastasio, S. 236ff.; Dümmler II2, S. 232f.; Hartmann III/1, S. 273f.; Hirschfeld, Gerichtswesen, S. 426; Perels, Anastasius, S. 233-236; Riesenberger, S. 149; Grotz, Hadrian II., S. 168-170; Hees, S. 93f.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,1 n. 287, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0868-03-00_1_0_1_3_1_4504_287
(Abgerufen am 29.07.2017).