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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,1

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Derzog Lambert von Spoleto (Lampertus Witonis filius dux Spoletanus) dringt zur Zeit der Weihe des neuen Papstes Hadrian (II.) (14. Dezember) in Rom ein (sicut tirannus intravit). Es kommt dabei zu Plünderungen (satellitibus suis ad predandum distribuit), so daß der Papst nach dem Abzug Lamberts mehrere seiner Gefolgsleute exkommuniziert.

Überlieferung/Literatur

Vita Hadriani II., ed. Duchesne II, S. 177 (XX-XXI). - Reg.: M2 1239g.

Kommentar

Das Vorgehen Lamberts von Spoleto wird in der Forschung unterschiedlich bewertet. Strittig ist vor allem, ob er in direktem Auftrag des Kaisers gehandelt hat oder ob sein Vorgehen eher im Zusammenhang mit dem römischen Parteienstreit gesehen werden muß. Es gab offensichtlich in Rom eine frankophile Partei, die mit der Wahl Hadrians II. nicht einverstanden war und Lambert - vielleicht mit Wissen des Kaisers - in die Stadt gerufen hat. Dieser konnte dort umso leichter eingreifen, als ihm anscheinend schon damals die Wahrnehmung kaiserlicher Rechte in Rom durch Ludwig zugestanden worden war (vgl. Hlawitschka, Widonen, S. 49). - Die Schilderung der Ereignisse in der Vita Hadriani dürfte im einzelnen übertrieben sein. Nachweislich falsch ist die Angabe des Vitenschreibers, Lambert habe bereits damals wegen der Beschwerden der Römer sein Amt verloren. Da der Papst mit seinen kirchlichen Strafmaßnahmen nicht gegen Lambert selbst vorgegangen ist, scheint es in Rom weniger zu einer organisierten Repression als vielmehr zu einzelnen Übergriffen gekommen sein. Namentlich genannt werden unter den vom Papst exkommunizierten Gefolgsleuten Lamberts ein gewisser Austaldus (Aistaldus) vir Deo devotus belloque fortissimus, ferner Vualterius, Hilpianus, Odo und Theopertus. - Vgl. Dümmler II2, S. 223; III2, S. 20; Duchesne II, S. 186f. Anm. 18; Heimbucher, Papstwahlen, S. 184; Dopffel, Papstwechsel, S. 136f.; Schirmeyer, Kaiser Lambert, S. 15; Hofmeister, Markgrafen, S. 359; Hartmann III/1, S. 271; Fasoli, I re d'Italia, S. XXVIII; Grotz, Hadrian II, S. 126-128, 134; Hees, S. 93; Hlawitschka, Widonen, S. 48-50; Hlawitschka, Intentionen, S. 131.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,1 n. 284, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0867-12-00_1_0_1_3_1_4501_284
(Abgerufen am 29.03.2017).