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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,1

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Der von Ludwig als missus entsandte Königsvasall und Seneschall Eberhard (Everardus vasso et senescallo domni imperatoris) leitet unter Mitwirkung der iudices imperiales Rafredo und Rapaldo sowie des Apo gastaldius domni imperatoris ein Placitum in atrio eclesie sancte Eufemie in Como, in dem der Streit des Klosters S. Ambrogio in Mailand, vertreten durch den advocatus Iordanne und den Propst Petrone, wider mehrere Privatleute über Güter in den Orten Dugno und Gravadona (Dongo u. Gravedona, beide Prov. Como) nach Vorlage einer älteren Notitia iudicati im zweiten Termin zugunsten des Klosters entschieden wird. - Angilbertus not. - a. Lu. 16, Ind. 13. - Unterschriften des Eberhard und der beiden Pfalzrichter.

Überlieferung/Literatur

Placitum, ed. Manaresi, Placiti I, S. 246-248, Nr. 68; ed. Natale, Museo diplomatico I/2, Nr. 116 (mit Faksimile). - Reg.: Hübner, Nr. 768.

Kommentar

Die umfangreiche Königsbotentätigkeit im März/April 865 geht auf einen auf dem Treffen Anfang Februar in Pavia (Regg. 233-234) gefaßten Beschluß zurück; vgl. Manaresi, a.a.O., S. 247 Z. 1-7: Dum ad potestatem domni Ludovuici imperatoris missis directi fuissemus nos quidem Aistulfus archidiaconus capelle sacri palatii et Everardus vasso et senescallo domni imperatoris, una cum Rafredo, Rapaldo, Teutulfus iudicibus imperiales, qui cum ipsis ad ipsum missaticum aderant ... Zum Seneschall Eberhard, der auch 869/70 im Auftrag Ludwigs die Gesandtschaft nach Konstantinopel begleitet hat (Reg. 301), vgl. Hlawitschka, Franken, S. 179f. Der Gastalde Apo dürfte mit jenem Appo identisch sein, der 879 als Vasall und ministerialis Karls III. zugunsten von S. Ambrogio tätig wird; vgl. Reg. 595. Zur Tätigkeit der übrigen Mitglieder der Delegation vgl. Regg. 239-240. - Der als Mitglied der Delegation genannte Aistulfus archidiaconus capelle sacri palatii könnte mit dem Astulfus nobilissimus vir, der wenig später als Missus Ludwigs nach Rom gegangen ist (Reg. 242), identisch sein, vielleicht auch mit dem 856 Mai im Gefolge Ludwigs in Brescia bezeugten Aistulf sowie mit dem Bischof Aistulf von Verona, der 866 erstmals nachweisbar ist; vgl. Fischer, Adel u. Kirche, S. 71; Becher, San Salvatore, S. 352, 354. - Das vorgelegte Placitum (vgl. Manaresi, a.a.O., Placiti perduti, Nr. 7 S. 591) war von Erzbischof Angilbert II. von Mailand (824-860) und dem missus domni imperatoris Ursinianus geleitet worden. Dieser dürfte mit dem gleichnamigen notarius domni imperatoris identisch sein, der 830 März in Parma ein Placitum abgehalten hat: Manaresi, a.a.O., Nr. 40 S. 126-128 (vgl. auch ebd. S. 111 Z. 2, 113 Z. 20), wodurch sich ein ungefährer Anhaltspunkt für die Datierung des verlorenen Placitum ergibt. - S. Eufemia ist die spätere Kollegiatkirche S. Fedele in Como; vgl. Kehr, IP VI/1, S. 403f.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,1 n. 238, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0865-03-00_1_0_1_3_1_4454_238
(Abgerufen am 15.12.2017).