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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,1

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Ludwig schenkt seiner Gemahlin Angilberga (Engilberga nobis amantissima coniux augusta) auf deren Bitte den Königshof Uuardistalla (Guastalla, Prov. Reggio nell' Emilia) mit dem zugehörigen Hof Luciaria (Luzzara, ebd.) sowie die Kapellen S. Pietro und S. Giorgio zu freiem Eigen. - Bullenankündigung. - Iohannes sacri palat. protonot. - M. SR. BP D. - a. imp. 15, Ind. 13. - "Dignum est".

Überlieferung/Literatur

Zweifelhaftes Or. Cremona, Arch. di Stato, perg. segr. n. 337 (A). - Kopien: Ebd., Einzelkopie 11. Jh.; ebd., perg. segr. n. 315, Transsumpt von 1193; ebd., Reg. A, 13. Jh., fol. 320 n. 367 u. fol. 319 n. 365; ebd., perg. segr. n. 158, 13. Jh.; Parma, Arch. Capitolare, perg. n. 976, 13. Jh.; Parma, Arch. di Stato, Diplomatico, Diplomi imperiali, Cass. 1, n. 6/3, notar. Kopie von 1359 März 6; Mantua, Arch. di Stato, Arch. Gonzaga, Ms. E.XLII.4 von 1450, fol. 11-12; Piacenza, Bibl. Comunale, Mss. Pallast. n. 3 (I. Cereda, Carte dell'Arch. Cremonese, sec. XIX), fol. 23r-v u. fol. 29v-30r. Weitere jüngere Kopien verzeichnet Falconi, Le carte cremonesi I, S. 42. - Drucke: Affò, Antichità della chiesa Guastallese, S. 5; Affò, Istoria di Guastalla I, Nr. 3 S. 298-299; CD Langob., Nr. 231 Sp. 386-387; Falconi, a.a.O., Nr. 16 S. 41-44; D Lu.II.†73. - Regg.: Robolotti, Repertorio, Nr. 93 S. 12; Astegiano, CD Cremonese II, Nr. 1 S. 59; Torelli, Reg. Mantovano I, Nr. 5 S. 7; M1 1192 = M2 1226.

Kommentar

Der Ausstellort Orco wird von Darmstädter, Reichsgut, S. 206ff., mit guten Gründen mit Corterreggio (Com. S. Giorgio Canavese, Prov. Ivrea) identifiziert, während Mühlbacher noch an Laorca bei Lecco am Comersee (Prov. Como) dachte. - Zum auffälligen Titel des Erzkanzlers Johannes (vgl. Reg. 217) vgl. Zielinski, Regesta Karolorum, S. 301 Anm. 87. - M2 1226 steht am Anfang einer ganzen Reihe von problematischen Schenkungsurkunden für die Kaiserin Angilberga; vgl. Zielinski, a.a.O., S. 305ff.; s. schon Reg. M2 1183 (Reg. 191). M2 1226 stimmt mit M2 1227 (Reg. 225) vom Folgetage bis auf die Nennung des Hofes Luzzara, der in M2 1227 fehlt, überein, was insofern verdächtig ist, als man - wenn es überhaupt zu einer Doppelausfertigung innerhalb von zwei Tagen gekommen sein sollte - eher die umgekehrte zeitliche Abfolge erwarten sollte. Der sich hier einstellende Fälschungsverdacht wird durch den Umstand weiter erhärtet, daß es noch vor der Mitte des 10. Jh. (und auch später noch) zum Streit zwischen S. Sisto und dem Bistum Reggio um Luzzara gekommen ist; vgl. D HuLo.43 (942 August 10); Astegiano, CD Cremonese II, S. 64-87 ("Documenti della lite con l'abate di S. Sisto di Piacenza per Guastalla e Luzzara 1193-1227"); Darmstädter, a.a.O., S. 139. Hinzu kommt schließlich noch, daß die Schrift des von einer einzigen Hand geschriebenen und gut erhaltenen Stucks im Vergleich mit dem Diplom vom Folgetage eines etwas jüngeren Eindruck macht. Für eine ursprüngliche Besiegelung sprechen nur die fünf kleinen Löcher in einer schmalen, einstmals doppelt gefaltenen Plica, an der vielleicht (wie in M2 1183 = Reg. 191, wo die Seidenschnur erhalten blieb) eine heute verlorene Bleibulle angehängt war. Diese heute verlorene Bleibulle könnte aber von M2 1227 stammen, wo die Plica anscheinend mitsamt der Bleibulle abgeschnitten wurde. - Insgesamt deutet der Befund daraufhin, daß die Kaiserin Angilberga zu einem späteren Zeitpunkt (wahrscheinlich erst nach dem Tode ihres Gemahls) eine Neufassung von M2 1227 hat anfertigen lassen, in der in fälschender Absicht der Hof Luzzara eingefügt worden ist. Auch das Kloster S. Sisto käme als Urheber eines Spuriums in Frage. Eine endgültige Klärung dieses gravierenden Fälschungsverdachts wird nur im Rahmen größerer besitzgeschichtlicher und diplomatischer Untersuchungen aller an Angilberga ergangenen Urkunden möglich sein; vgl. Zielinski, a.a.O., S. 305ff. Auch eine auf den Namen der Irmingard, der Tochter Ludwigs II. und Angilbergas, gefälschte Urkunde von angeblich 891, in der Guastalla und Luzzara bestätigt werden, ist in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen; vgl. Brühl, Karolingische Miszellen, S. 373-375. - Zur Geschichte des Königshofs Guastalla, zu dessen Pertinenz Luzzara vielleicht tatsächlich gehört hat, vgl. Darmstädter, a.a.O., S. 138ff.; Schneider, Burg u. Landgemeinde, S. 214f.; Vaccari, La territorialità2, S. 144; Castagnetti, L'organizzazione, S. 57ff.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,1 n. †224, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0864-11-02_1_0_1_3_1_4440_F224
(Abgerufen am 29.05.2017).