Regestendatenbank - 176.134 Regesten im Volltext

RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,1

Sie sehen den Datensatz 217 von insgesamt 813.

Ludwig zieht in das Reich seines verstorbenen Bruders Karl v. d. Provence († 863 Januar 24), um dessen Erbe anzutreten und sich von den dortigen Großen huldigen zu lassen (quos potuit ipsius regni primores sibi conciliavit: Ann. Bertin.). Als Lothar (II.) ebenfalls in die Provence zieht und ein Zusammenstoß droht, gelingt es dem Gefolge beider Herrscher, eine gütliche Vereinbarung zu erzielen (et mediantibus inter eos domesticis et amicis illorum placitum, quo simul redeant et de ipso regno apud se tractent, condicunt: Ann. Bertin.). Lothar erhält schließlich das rechtsrhonische Gebiet (zuzüglich der Erzbistümer Lyon und Vienne), Ludwig das linksrhonische Gebiet (Hludovicus ... accepit autem partem Transiurensis Burgundiae, simul et Provinciam; reliquam partem Lotharius rex sibi retinuit: Ado v. Vienne).

Überlieferung/Literatur

Ann. Bertin. a. 863, ed. Grat, S. 96; Ado v. Vienne, ed. Pertz, SS II, S. 322f. - Vgl. Johannes diac. Venetus, ed. Monticolo, S. 117; Francorum reg. hist., ed. Pertz, SS II, S. 324f. - Regg.: M2 1222b, c; 1298b. Vgl. M2 1338a.

Kommentar

Da Karl v.d. Provence und Lothar II. 858 einen Erbvertrag abgeschlossen hatten, mußte Ludwig schnell handeln, wollte er doch noch einen weiteren Anteil aus dem Erbe seines Vaters erhalten. Dabei kam ihm zustatten, daß sich Lothar Anfang 863 auf einem Feldzug gegen die Normannen befand ( M2 1298a zu März/April 863). Auch scheinen den Kaiser einige Große aus dem Reich Karls gerufen zu haben: isdem (scil. Ludwig II.) Francis interpellantibus illuc ire festinavit (Johannes diac., a.a.O.). - Unklar ist, wann genau es zur Reichsteilung gekommen ist. Nimmt man Hinkmars Bericht in den Ann. Bertin. wörtlich, so scheinen die Großen beider Herrscher zunächst nur eine vorläufige Vereinbarung vermittelt zu haben, während die endgültige Teilung einem weiteren Treffen vorbehalten bleiben sollte. Von einem solchen zweiten Treffen ist dann aber nirgendwo die Rede. Vielmehr läßt D Lo.II.19, das am 18. Mai 863 in Mantaille u. a. ob emolumentum animae ... dilecti fratris nostri Hludovici imperatoris gegeben wurde, darauf schließen, daß die Erbteilung bereits fest vereinbart war. Parisot, Lorraine, S. 224 Anm. 2, nimmt wegen dieser Urkunde an, daß das entscheidende Treffen Ende April/Anfang Mai in Mantaille stattfand. - Zu dem damals ausgehandelten Grenzverlauf, der noch im Vertrag von Meerssen 870 Bestand hatte, vgl. Parisot, a.a.O, S. 225; s. auch die Karte bei Hees, Anhang. - Parisot, a.a.O., S. 224 u. 260, vermutet, daß während des Treffens auch das an die ostfränkischen Bischöfe gerichtete Schreiben hochrangiger Prälaten aus allen drei Reichen zugunsten des abgesetzten Bischofs Rothad von Soissons (vgl. Reg. 223) abgefaßt wurde ( Mansi XV2, Sp. 645-648); namentlich genannt werden darin Gunther von Köln, Theutgaud von Trier, Hartwig von Besançon, Roland von Arles und Tado von Mailand. Zu einigen der hier genannten Bischöfen vgl. auch Reg. 236 (Kommentar). - Vgl. noch Dümmler II2, S. 49f.; Hartmann III/1, S. 251; Poupardin, Provence, S. 32-35; Manteyer, Provence, S. 80f.; Schneider, Brüdergemeine, S. 162; Schieffer, Vorbemerkung zu DD Lo.II.18-19; Hees, S. 5.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI I,3,1 n. 210, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0863-02-00_1_0_1_3_1_4426_210
(Abgerufen am 24.05.2017).