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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,1

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Ludwig verleiht dem Marienkloster (zu Pfäfers?) (monasterium quod est constructum in honore sanctae Dei genetricis Marie) auf Bitten des dortigen Abts Salamann, seines Vasallen (!) (Salamannus dilectus vassus noster, abba monasterii ...), nach dem Vorgang seines Vaters (Kaiser Lothar I.) ( D Lo.I.†44) Immunität mit Königsschutz (sub nostrae emunitatis defensione) und bekräftigt ausdrücklich, daß auch die Zinsleute (tributarii vel censuales) des Klosters, die sich mitsamt ihrem Besitz dem Kloster tradiert haben, unter den Königsschutz fallen. - Gebetswunsch pro nobis vel coniuge proleque nostra vel pro stabilitate totius imperii. - Pön emunitas, quam ceteris ecclesiis concessam habemus, 30 Pfund Silber. - Adalbertus canc. ad vicem Remigii. - M. SR. SI. - a. imp. 11, Ind. 10. - "Omnibus fidelibus".

Überlieferung/Literatur

Or. St. Gallen, Stiftsarchiv, Fonds Pfäfers (A). - Kopien: Ebd., A.1.A.15, Einzelkopie von 1309 April 17 (B); Pisa, Arch. Capitolare, perg. n. 767, Anf. 14. Jh. (mit dem Empfänger s. Galli und Ind. 8) (B1); ebd., Insert in Vidimus Heinrichs VII. von 1309 April 17 (mit s. Galli). - Faksimile: Bruckner, DD Karolinorum, Nr. 19 (mit Reg. Textbd., S. 9). - Drucke: Status eccl. et monast. S. Galli, Status ecclesiasticus S. Galli S. 19-20, aus A (zu 866) = Neugart, CD Alemanniae I, Nr. 408 S. 328-331 (zu 862); Muratori, Antiq. Ital. V, Sp. 961-962, aus B1 (mit Ind. 14); Ficker, Überreste, Nr. 3 S. 162-163, aus B1 (zu 860); Eichhorn, Episcopatus Curiensis, Nr. 13 S. 20; Wartmann, UB St. Gallen III, Nr. 1185 S. 364 (innerhalb der Ed. des Vidimus); Meyer-Marthaler/Perret, Bündner UB I, Nr. 70 S. 60-62, aus A; UB St. Gallen KantonUB Kanton St. Gallen I, Nr. 43 S. 48-50, aus A; D Lu.II.36. - Dt. Übers.: Zellweger, Appenzeller UB I, Nr. 25 S. 43-45, zu 911 (Ludwig d. Kind), aus dem Archiv des Fraumünsters in Zürich. - Regg.: B 656; Wegelin, Reg. Pfäfers, S. 2, Nr. 7; Hidber I, Nr. 592; M1 1188 = M2 1222.

Kommentar

Die Indiktion ist eine Einheit zu hoch berechnet, doch ist eine Datierung zu 860 März (vgl. Reg. 183) auszuschließen. - In dem zur Gänze von dem Rekognoszenten Adalbert geschriebenen Stück (vgl. M2 1183 = Reg. 191) stehen die beiden ersten Silben des Abtsnamens (Sala-) sowie abba monasterii auf Rasur, der Name des Klosters blieb uneingetragen. Da die Rasuren offensichtlich von der Hand Adalberts selbst stammen, ist eine Fälschungsabsicht auszuschließen; vgl. vor allem Jordan, Pfäfers, bes. S. 3-10 (mit einem Teilfaksimile). Warum Adalbert, der, wie sich an weiteren Indizien zeigen läßt, M2 1222 in mehreren Anläufen mundiert und dabei ziemlich nachlässig gearbeitet hat, den Namen des Klosters nicht eingetragen hat, ist unklar. Die Forschung nimmt an, daß M2 1222 an das Kloster Pfäfers ging, doch ist dies keineswegs gesichert. Die zur Begründung angeführte Abhängigkeit von der VU D Lo.I.†44 (diese ist in der überlieferten Form zwar eine Fälschung des 10. Jh., geht aber fraglos auf eine echte Vorlage zurück) ist nicht sehr weitreichend und ließe sich auch durch gemeinsame Formularbenutzung erklären. Auch ist ein Abt Salamann in Pfäfers gerade nicht bezeugt. Daß sich das Stück im Archiv von St. Gallen befindet, läßt auch andere Erklärungen zu. In St. Gallen jedenfalls hat man im 13. Jh. angenommen, daß mit Salamann Salomon III. von Konstanz gemeint sei, der gleichzeitig Abt von St. Gallen war. 1309 wurde das Stück - kaum in unredlicher Absicht - der kaiserlichen Kanzlei vorgelegt, die ein Vidimus angefertigt hat, in das zwei weitere Urkunden für St. Gallen aufgenommen wurden. - Wenn sich auch nicht mehr mit letzter Sicherheit klären läßt, für wen das Privileg bestimmt war, so steht doch fest, daß Adalbert ursprünglich in der auf Rasur stehenden Passage einen anderen Empfänger (vielleicht auch Petenten), einen [...]mannus dilectus vassus noster, aufgeführt hatte, der dann aber - wir wissen nicht warum - zugunsten des Abts Salamannus eliminiert worden ist. Nur so kann man sich nämlich die ganz ungewöhnliche Titulierung eines Abtes als vassus noster erklären. - Zum gut erhaltenen Siegel vgl. die Hinweise in Reg. M2 1207 (Reg. 152). - Zum nicht alltäglichen Immunitätsformular vgl. Jordan, a.a.O., S. 9f. Zur Pisaner Überlieferung s. Ficker, Überreste, S. 142ff. - Falls Ludwig tatsächlich für Pfäfers und damit für einen churrätischen Empfänger geurkundet hat - Churrätien lag seit dem Vertrag von Verdun im Reich Ludwigs von Ostfranken - so beleuchtet dies die aktuelle Interessenlage des Kaisers, der nach dem Erwerb der Alpenpässe um den Großen St. Bernhard um 859 von seinem Bruder Lothar II. (Reg. 179) nun auch das Augenmerk auf die Bündner Pässe richtete; vgl. Büttner, Pfäfers, S. 237f. Allgemein zur Frühgeschichte von Pfäfers vgl. neben Büttner noch Perret, Frühzeit.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,1 n. 200, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0861-03-06_1_0_1_3_1_4416_200
(Abgerufen am 29.03.2017).