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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,1

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Der Kleriker Magenolfus heiratet Hingena, eine Nichte der Kaiserin (Angilberga), und errichtet in Pontecorvo (Prov. Frosinone), wo sich der Gastalde von Aquino zuvor ein Kastell erbaut hatte, ein grundherrschaftliches und lehnsrechtliches Regiment nach norditalischem Vorbild (rurem populum et indisciplinatum, quem invenit, docuit more palatii esse prudentissimum; et qui prius non noverant nisi caepe et alei, nunc ab eis censum principales exquiruntur solidi, etiam et in hostili armati proficiscuntur exercitu).

Überlieferung/Literatur

Chron. s. Bened. Casin. cc. 13-14, ed. Waitz, S. 475f. - Vgl. M2 1216r.

Kommentar

Die ungefähre Einordnung zu 860 ergibt sich aus dem Zusammenhang der Erzählung. - Die strategische Lage Pontecorvos im Tal des Lid unweit Montecassinos - erst wenige Jahre vorher hatte Ludwig im Zusammenspiel mit Wido I. von Spoleto seine Herrschaft bis ins obere Liri-Tal ausdehnen können (Reg. 175) - legt es nahe, daß der sonst nicht weiter nachweisbare Magenolfus - auch Hingena ist nicht näher zu identifizieren - in Absprache mit dem Kaiser und vielleicht auch mit Fürst Ademarius von Salerno, den Ludwig in der Auseinandersetzung mit den Gastalden von Capua unterstützte, vorgegangen ist. So weiß der Chronist noch zu berichten, daß Magenolfus nach seiner Heirat zunächst vorgehabt habe, nach Oberitalien zu gehen, um Ludwig um Überlassung eines Wohnsitzes zu bitten: pergebat Franciam, ut sibi ab imperatore glorioso petere, quo vivere loco seu et habitare posset. Auf der Reise dorthin sei er aber auf Anerbieten des Gastalden Rodoald, der von Capua abgefallen war, zurückgekehrt und habe sich in Pontecorvo niedergelassen, wo er bald die Alleinherrschaft an sich gerissen habe. Hlawitschka, Widonen, S. 56, vermutet, daß die Tätigkeit des Magenolfus vor allem gegen Lambert von Spoleto gerichtet war, der gerade erst wieder in die Huld des Kaisers aufgenommen worden war (Reg. 188). - Vgl. noch Hartmann III/1, S. 248; Gay, L'Italie méridionale, S. 70; Cilento, Origini, S. 32; Cilento, Struttura, S. 92-94; Hlawitschka, Franken, S. 306 Anm. 32.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,1 n. 194, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0860-00-00_2_0_1_3_1_4410_194
(Abgerufen am 22.03.2017).