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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,1

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Ludwig bestätigt der Kirche von Aquileia unter dem Patriarchen Theodemar (Theutmarus Aquileiensis sive Foroiulensis ecclesiae patriarcha) auf Verwendung des Grafen Eberhard (von Friaul), seines geliebten Compater (Eurardus illustris comes dilectusque compater noster) gemäß den vorgelegten Urkunden (antiquas auctoritates) für alle Zeiten die Patriarchats- und Metropolitanwürde über die Bistümer Istriens (in perpetuum sancimus, ut antistes Aquileiensis seu Foroiulensis omni tempore patriarchalem seu metropolitanensem dignitatem in ordinandis regendisque Istriae episcopis et ecclesiis ... possideat). Aus den vorgelegten Urkunden war hervorgegangen, daß die Stadt Aquileia bereits seit frühchristlicher Zeit (ab initio fide catholicae) Sitz eines Patriarchen war und diese Würde gegen die zeitweiligen Ansprüche der Kirche von Grado mit Hilfe der Päpste und seiner kaiserlichen Vorfahren (maiorum nostrorum auxilio) behauptet hatte. Schon zur Zeit Papst Eugens (II.) war der Streit auf Veranlassung seines Großvaters Ludwig (d. Fr.) und seines Vaters seligen Angedenkens, Kaiser Lothar (I.), auf dem Konzil von Mantua (827 Juni: Conc. II, Nr. 47) in Gegenwart päpstlicher Legaten zugunsten des Patriarchen Maxentius von Aquileia entschieden worden, was zur Zeit Papst Gregors (IV.) zugunsten desselben Patriarchen bestätigt worden war; dies hatte auch Lothar (I.) auf Verwendung des genannten Grafen Eberhard dem Patriarchen Andreas bestätigt (Dep. Lo.I.186). - Dructemirus archicanc. - a. Lu. aug. 5, Ind. 3. - "Si petitionibus".

Überlieferung/Literatur

Kopien: Venedig, Bibl. Marciana, Lat. CC.XIV, cod. 101 (2804), n. 3, Transsumpt von 1261 (B); Cividale, Arch. Comunale im Museo Archeol. Nazionale, perg. e docc. ser. 2a, busta 24, 15. Jh. (D); San Daniele del Friuli, Bibl. Civica Guarneriana, Ms. CXXXVII, fol. 15v, 16. Jh., aus D; Udine, Bibl. Comunale, Ms. 872: Giorgio Di Mels, Diplomi e Regesti, 17. Jh., fol. 13, aus D. Auch zahlreiche unselbständige Kopien 18. Jh.: Venedig, Bibl. Marciana, und San Daniele del Friuli, Bibl. Civica Guameriana, Raccolta Fontanini. Vgl. Kehr, IP VII/1, S. 17f. - Drucke: Ughelli, Italia sacra V2, Sp. 39-41, angebl. "in Codice Ms. apud erudit. virum Apostolum Zenum", mit Kal. Nov., a. Lu. 10, Ind. 5 = Lünig, Codex Italiae diplom. II, Sp. 1943-46; De Rossi, Monumenta eccl. Aquileiensis, Sp. 438-440 = Cappelletti, Le chiese d'Italia VIII, S. 131-133 = Nicoletti, Patriarcato, S. 75-77 = Kandler, CD Istriano I, zu 855 (alle mit Kal. Nov., a. Lu. 10, Ind. 5); Cessi, Documenti di Venezia II, Nr. 2 S. 1-4; D Lu. II. 17. - Regg.: B 644 (zu Nov. 11); Valentinelli, Regesten I, Nr. 48 u. 52 (zu 855 bzw. 869 Okt. 30); Leicht, I diplomi imperiali, Nr. 10 S. 32 (zu 855 Okt. 30); Cipolla, Fonti edite, Nr. 73 S. 51 (zu 854 Nov. 1); M1 1164 = M2 1200.

Kommentar

Die Datierungsangaben sind in der überlieferten Form offensichtlich verderbt. Das 5. Regierungsjahr Ludwigs nebst 3. Indiktion führte auf Oktober 854, doch kann das Stück frühestens ein Jahr später ausgestellt worden sein, da der im September 855 verstorbene Kaiser Lothar I. (Reg. 139) bereits als gloriosae memoriae bezeichnet wird (folglich wird er auch nicht mehr in der Datierung genannt; vgl. Regg. 148-149). Zusätzlich erschwert wird die Datierungsfrage durch einen schon in der kopialen Überlieferung auftauchenden Lesefehler, bei dem ein anno Xpo (= Christo) propitio fälschlich für anno X. gehalten und zu allem Überfluß das tatsächlich angegebene 5. Regierungsjahr fälschlich auf die Indiktion bezogen wurde (so noch im Druck Kandlers). - Nach Muratori, Rer. Ital. SS XVI, Sp. 87 (vgl. Pertz, in: Archiv 12, S. 673) hätte sich das Original einst im Besitz der Grafen Collalto befunden (vgl. ein kurzes Zitat ebd. Sp. 97). - Der von Cessi, a.a.O., S. 2, geäußerte Fälschungsverdacht ist nicht begründet; daß die Akten der genannten Synode von Mantua der Kanzlei Ludwigs vorlagen, ist nicht weiter auffällig. Schon die nicht erhaltene VU Lothars I. (Dep. Lo.I.186) wird auf den Akten gefußt haben; vgl. Mühlbacher. - Das Formular ist bis auf die wohl überlieferungsbedingt verderbte Invocatio kanzleigerecht, wobei die Corroboratio eigenwillig stilisiert wurde. Ludwig führt erstmals den nach dem Tod Lothars I. eingeführten neuen Titel Hludowicus gratia Dei imperator augustus; vgl. M2 1203b. Dructemir hat auch sonst mehrfach selbst rekognosziert; vgl. M2 1186 (Reg. 87) u.ö. - Zu Graf (Markgraf) Eberhard von Friaul, der um 835 die Tochter Ludwigs d. Fr., Gisela, geheiratet hatte und zu den engsten Vertrauten Lothars I. zählte, vgl. Hlawitschka, Franken, S. 169-172; Vianello, Unruochingi, passim; s. auch die Vorbemerkung zu D Lo.I.62 (Reg. 7) sowie Regg. 46 (Kommentar) u. 129. Wie die Bezeichnung compater wahrscheinlich macht, hat der Kaiser eines oder mehrere Kinder des Grafen aus der Taufe gehoben, wovon wir sonst keine Nachricht haben (zu der Patenschaft Ludwigs für einen Sohn des Dogen von Venedig vgl. Reg. 208). Zur politischen Bedeutung einer solchen compaternitas im allgemeinen vgl. Angenendt, Kaiserherrschaft, bes. S. 121 ff.; s. auch Hlawitschka, Zwentibold, S. 265. Eberhard hat auch an herausragender Stelle, zusammen mit den Angehörigen und Vertrauten Ludwigs, Aufnahme ins Verbrüderungsbuch von S. Salvatore zu Brescia gefunden; vgl. Becher, San Salvatore, S. 352f. - Zu den genannten Patriarchen s. Schieffer, Dep. Lo.I.186; speziell zu Theodemar von Aquileia s. schon Reg. 73. Zum langen Streit zwischen Grado und Aquileia s. Kehr, IP VII/1, S. 12f.; Kehr, Rom u. Venedig, S. 56ff.; Fuhrmann, Patriarchate II, S. 43ff. Auch Papst Sergius II. (844-847) war in dieser Angelegenheit tätig geworden: Kehr, IP VII/1, S. 26 Nr. 36; vgl. ebd. VII/2, S. 42f. Nr. 35. In jüngeren Chroniken aus Aquileia wird auch ein Entscheid Leos IV. erwähnt, von dem sonst nichts bekannt ist; vgl. Kehr, IP VII/1, S. 26 Nr. +37. Daß die Entscheidung zugunsten Aquileias nicht folgenlos war, zeigt sich anläßlich der römischen Synode von 861 (vgl. Reg. 201), auf der Bischof Nandegisus von Pola als Vertreter des Patriarchen von Aquileia teilgenommen hat: Fuhrmann, Nikolaus I., S. 356f. - Die Reihe der jüngeren Urkunden für Aquileia setzt mit D Kn. 22 (Reg. 563) ein; vgl. auch D Be.I.33.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,1 n. 143, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0855-10-30_1_0_1_3_1_4356_143
(Abgerufen am 08.12.2016).