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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,1

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Ludwig bestätigt der bischöflichen Kirche von Cremona (Cremonensis ecclesia) auf Bitten des dortigen Bischofs Benedikt, der die Urkunden seines Urgroßvaters Karl (d. Gr.) (Dep.), seines Großvaters Ludwig (d. Fr.) (Dep.) und seines Vaters, Kaiser Lothars (I.) ( D Lo.I.58), vorgelegt hat, die von diesen gewährte Immunität mit Königsschutz für alle Besitzungen des Bistums (omnes res episcopatus sui, s. Marie videlicet et s. Stephani), darunter nach dem Vorgang seines Urgroßvaters (Dep.) und seines Vaters ( D Lo.I.58) den Ort Tecledus cum Brivisula et Cucullo sowie den Hafen Vulpariolus (der alte Hafen von Cremona am Po) mit den aufgeführten Zöllen und Abgaben, die zwischen der Stadt und der Addamündung zu entrichten sind (cum multorum [!] transitorio ..., cum molitura de molendinis et portoribus usque in caput Addue). Auf Bitten des Bischofs, der sich über langobardische und fremdländische Händler (ceterorum gentium homines) beschwert, die weder ripaticum (Ufergeld) noch palo (sic! lies palificturam) bezahlen, bekräftigt er ausdrücklich, daß die im Hafen von Cremona anlegenden und Handel treibenden Kaufleute (milites) genau wie jene aus Comacchio (sicut milites Comaclienses) - unter Androhung der Pfändung sicut lex docet - die üblichen Abgaben zu leisten haben, und zwar das debitum rei publice, quod est ripaticum, et palificturam sowie die Verpflegung für zwei Hafenbeamte (pastum ad duos riparios). Die über die Mündung der Adda hinausfahrenden und dort handeltreibenden Kaufleute (milites) sollen der Kirche von Cremona [das Passiergeld (transitorium)] zahlen. - Remigius subdiac. atque not. ad vicem Dructemiri. - M. - a. Lo. imp. in It. 32, in Fr. 12, a. Lu. imp. 1, Ind. 14. - "Si erga loca".

Überlieferung/Literatur

Kopien: Cremona, Bibl. Statale, Fondo Libreria civica, Cod. Aa.6.25: Codex Sicardianus, S. 8, beglaub. Kopie Anf. 13. Jh. (C). Neuzeitliche Kopien, alle aus C, verzeichnet Falconi, Le carte cremonesi I, S. 28. - Drucke: Ughelli, Italia sacra IV1, Sp. 788-790, zu 870 = IV2, Sp. 583-584, zu 855 = Zaccaria, Cremonensium episc. series, S. 63-65, zu 855; Zaccaria, Excursus litterarii, S. 66 = Sanclementi, Series episc. Cremonensium, S. 213-215 Nr. 5 = Cappelletti, Le chiese d'Italia XII, S. 137-139; CD Langob., Nr. 170 Sp. 289-291; Falconi, a.a.O., Nr. 10 S. 27-30; D Lu.II.1. - Regg.: B 627; Robolotti, Delle pergamene di Cremona, S. 542; Robolotti, Repertorio, Nr. 7 S. 2; Girondelli, Gerarchia di Cremona, S. XXVI; CD Cremonese I, ed. Astegiano, Nr. 6 S. 27; Torelli, Reg. Mantovano I, Nr. 4 S. 6f.; M1 1146 = M2 1181.

Kommentar

Der Ausstellort der ersten überlieferten Urkunde Ludwigs, immerhin ein Königshof, ist nicht mit Sicherheit zu identifizieren. Unter den von Mühlbacher vorgeschlagenen Orten, Carzano bei Siviano auf einer Insel im Lago d'Iseo (Prov. Brescia), und Corsiano (Prov. Asti), überzeugt schon deshalb keiner, weil Mühlbacher von der fälschlichen Lesung Carisiano ausgegangen war. Darmstädter, Reichsgut, S. 125, 291, schlägt Cossirano (Com. Trenzano, Prov. Brescia) vor und erwägt auch Corzano (Prov. Brescia). Das gut bekannte Caresana (Prov. Vercelli, vgl. dazu Darmstädter, a.a.O., S. 225f.) ist aus sprachlichen Gründen eher unwahrscheinlich. Das Itinerar trägt zur Identifizierung nichts bei. - Formal stellt M2 1181 eine Wiederholung und Erweiterung des D Lo.I.58 (= VU) dar, das seinerseits auf einer verlorenen Urkunde Karls d. Gr. fußt ( Lechner, Nr. 107). NUU sind D KdK. 403 (Reg. 499), D Kn. 12 (Reg. 547) und D Ka.III.90 (Reg. 724). Hinzuzuziehen sind auch drei Placita von 841, 851/52 und 910 (letzteres = D Be.I.73; die übrigen Manaresi, Placiti I, Nr. VII u. Nr. 56; vgl. Reg. 82); vgl. auch noch D Lu.II. M2 1184 (Reg. 85). Die Existenz der im Text erwähnten Urkunde Ludwigs d. Fr. ist zweifelhaft ( Lechner, Nr. 109; vgl. insbesondere Bachtin, Kaiserurkunden, S. 43f.). Kehr, Vorbemerkung zu D Kn. 12, vermutet, daß Ludwig noch eine weitere, nicht erhaltene allgemeine Bestätigungsurkunde für Cremona ausgestellt hat, die zur Herstellung des D Kn. 12 herangezogen wurde. - Der in Vertretung des Dructemir rekognoszierende Remigius stammt wie jener aus der Kanzlei Lothars I.; beide zusammen haben in den ersten Jahren der selbständigen Regierung Ludwigs dessen Urkundenwesen im Sinne fränkischer Kanzleitraditionen maßgeblich bestimmt; vgl. Schieffer, DD Lo.I., S. 21-24, 29-31; Fleckenstein I, S. 128; Zielinski, Regesta Karolorum, S. 300. Bereits die VU hatte Remigius rekognosziert. Die verbreitete Arenga begegnet schon in den Form. imp. n. 6 u. 11 (Form., S. 291 u. 294); vgl. Hausmann/Gawlik, Nr. 2753. Zu den wirtschaftsgeschichtlichen Aspekten des im letzten Teil nur lückenhaft überlieferten Stücks, das schon von Bachtin, a.a.O., ausführlich besprochen wurde (vgl. auch Schieffer, Vorbemerkung zu D Lo.I.58; Kehr, Vorbemerkung zu D Ka.III.90; Bertolini, in: Dizion. biogr. degli italiani 8, S. 297f.), vgl. Hartmann, Analekten, S. 74-90, bes. S. 80f. Gerade die Lücken lassen sich nur sinngemäß ergänzen, da der Schlußpassus in den VUU und NUU bis auf D KdK.403 (Reg. 499) fehlt, dort aber stark verkürzt ist. - Namentlich erwähnt werden die Kaufleute aus Comacchio, die auch sonst regelmäßig als milites bezeichnet werden, noch in M2 1184 (Reg. 85); s. auch noch das zit. Placitum Manaresi I, Nr. 56, S. 195 Z. 27f. Allgemein zur Ambivalenz des Terminus "miles" in der italienischen Stadtgeschichte s. auch Fasoli/Manselli/Tabacco, Struttura sociale, S. 294-303, bes. S. 295f.; Keller, Entstehung, bes. S. 183-190 (zu Cremona ebd. S. 185, 200). - Der Hafen Vulpariolus ist mit dem Stadthafen von Cremona identisch; vgl. auch D Lo.I.116. Die übrigen im Text genannten Orte, die unweit von Cremona zu suchen sind, sind abgegangen; vgl. Darmstädter, Reichsgut, S. 145f.; Astegiano, CD Cremonese II, S. 237ff., bes. S. 238. - Zu Bischof Benedikt von Cremona (ca. 851-881), der aus der Hofkapelle Ludwigs stammte, Kanoniker in Cremona und zudem Neffe seines Vorgängers dort war (vgl. Reg. 4), vgl. Savio, Vescovi II/2.2, S. 21f.; Bertolini, a.a.O., S. 297-299. Er fand auch Aufnahme ins Verbrüderungsbuch von S. Salvatore in Brescia (ed. Valentini, S. 33, fol. 20). Noch Karl d. Kahle und Karlmann (vgl. oben) haben für ihn geurkundet. - Allgemein zu Cremona im früheren Mittelalter s. Robolotti, a.a.O.; Robolotti, Storia di Cremona; Gualazzini, Il "populus" di Cremona. Vgl. Regg. 85 u. 168.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,1 n. 75, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0851-01-10_1_0_1_3_1_4286_75
(Abgerufen am 24.03.2017).