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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,1

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Ludwig, der von Kaiser Lothar (I.) nach Rom geschickt worden ist, wird von Papst Leo (IV.) zum (Mit-)Kaiser gesalbt (und gekrönt).

Überlieferung/Literatur

Ann. Bertin. a. 850, ed. Grat, S. 59. Vgl. Chron. Salern. c. 103, ed. Westerbergh, S. 104; Schreiben Nikolaus' I. ( J-E 2774) von 865, Epp. VI, S. 303-305 Nr. 34, bes. S. 305 (dazu Eichmann I, S. 92f.); Schreiben Hadrians II. ( J-E 2921) von 869, Epp. VI, S. 721f. Nr. 19, bes. S. 722. - Von einer Königskrönung spricht fälschlich Johannes diac. Venetus (unmittelbar im Anschluß an den Süditalienzug des Jahres 848), ed. Monticolo, S. 115. Vgl. Ann. Farf. a. 850, edd. Giorgi/Balzani, S. 14. - Regg.: J-E S. 331; M2 1142a u. 1179a.

Kommentar

Das genaue Krönungsdatum ist unbekannt. Den Datierungen der Diplome liegt eine Epoche zwischen dem 4. und dem 14. April zugrunde; vgl. M2 1211, 1216, 1248 u. 1263 (Regg. 158, 171, 319 u. 389); die Datierungspraxis in den "Privaturkunden" hat Mühlbacher ausgewertet; vgl. M2 1179a. Möglicherweise fand die Krönung am Ostersonntag, den 6. April, statt; vgl. Hees, S. 119 Anm. 199. - Daß Ludwig ungeachtet des unterschiedlichen Sprachgebrauchs der Quellen nicht nur gesalbt (so etwa die Ann. Bertin.), sondern auch gekrönt (so etwa das Chron. Salern.) und wahrscheinlich mit dem Schwert umgürtet wurde, betont Eichmann I, S. 48f. Die Ansicht von Henggeler, bes. S. 35-39, die scharf zwischen einer Salbung und einer Krönung unterscheidet und betont, Ludwig sei 850 nur gesalbt worden, eine Krönung habe erst 872 stattgefunden, ist nicht stichhaltig; vgl. schon Levillain, in: Le Moyen Age 45 (1935) S. 276-284; s. auch die grundsätzlichen Bemerkungen zum Sprachgebrauch der Quellen bei Brühl, Krönungsbrauch, S. 4, 31. - Die Gründe für das auffällige Schweigen der Papstvita können nur vermutet werden. Da Ludwig mit der Kaiserkrönung auch die Herrschaft über Rom und den Kirchenstaat beanspruchte, könnte es von päpstlicher Seite zu Widerständen gegen eine Neuauflage des dort nicht gern gesehenen Mitkaisertums gekommen sein. Die mehr oder weniger unter fränkischem Druck vorgenommene Krönung wäre dann vom Liber pontificalis bewußt verschwiegen worden; vgl. Schild, Liber pontificalis, S. 28; Hees, S. 51f. - Auf längere Sicht beruhte die historische Bedeutung dieser Krönung darauf, daß die Stellung des Papstes als der für die Kaiserkrönung entscheidenden Instanz aufgewertet wurde; ein weltlicher Erhebungsakt durch Lothar I. wird nicht erwähnt, er läßt sich allenfalls indirekt aus dem genannten Schreiben Hadrians II. von 869 erschließen, wo es heißt, daß Lothar I. seinen Sohn constituerat imperatorem (vgl. Reg. 300). - Vgl. Dümmler I2, S. 344f.; Hartmann III/1, S. 225; Bäseler, S. 16; Brezzi, Roma e l'impero medievale, S. 55f.; Ullmann, Growth2, S. 159f. (= Ullmann, Machtstellung, S. 237f.); Hees, S. 51-55; Ewig, Kirche im Abendland, S. 162; Wolfram, Intitulatio II, S. 60. - Daß Ludwig bei seinem Romzug von einer Gesandtschaft Lothars begleitet wurde, ist der Urkunde Leos IV. für die Kaiserin Irmingard von 850 April 28 zu entnehmen ( Brackmann, GP III/3, S. 31f. Nr. 2); dort werden als missi Lothars der Bischof Josef (von Ivrea), also der Erzkapellan Ludwigs, sowie der Kanzler Hilduin und der Presbyter Rolandus genannt (ed. Scheffer-Boichorst, Erstein, S. 362-368, bes. S. 365). Josef von Ivrea wird in den Flores Temporum des Hermann Gygas (ed. Meuschen, S. 86) auch als Überbringer der Reliquien genannt, die Leo IV. der Kaiserin für ihre Stiftung hat zukommen lassen; vgl. Brackmann, GP III/3, S. 31 Nr. 1 u. 2; Boshof, Traditio Romana, S. 62-65. Vgl. auch Reg. 66. - Von etwa August/September 850 datiert auch das Bruchstück eines Originalprivilegs Leos IV. aus Papyrus für die Kirche von Ravenna, in dem bereits nach Ludwig datiert wird: imperante domino nostro piissimo perpetuo augusto Hlothario a Deo coronato magno imperatore, anno tricesimo tertio et post consulatum eius anno tricesimo tertio, sed et Hludouuico nobo imperatore eius filio anno [...] (ed. Foerster, Urkundenlehre, S. 21, mit Faksimile auf Taf. VII = J-E 2606; Kehr, IP V, S. 39 Nr. 99).

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,1 n. 67, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0850-04-00_1_0_1_3_1_4278_67
(Abgerufen am 21.07.2017).