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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,1

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Ludwig fordert die Bischöfe seines Reiches in einem commonitorium zur Beratung und Stellungnahme zu den Verhältnissen in seinem Reich auf (vobis hoc ad tractandum ac nobis renuntiandum committimus). Im einzelnen will er Näheres wissen (vehementer cupio scire) über den Lebenswandel der Bischöfe und Geistlichen, die Unterweisung des Volkes und die Predigt, die Anfertigung von Büchern, die Restaurierung der Kirchen, die Leitung der Pfarrkirchen und Xenodochien, den Zustand der Klöster und Kanonikergemeinschaften und schließlich über die minores causae wie die Amtsführung der Grafen und sonstigen weltlichen Amtsträger, insbesondere ihr Verhalten gegenüber der Geistlichkeit und dem Volk. - "De conversatione".

Überlieferung/Literatur

Kopien: Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Cod. Blankenburg 130 (früher 52), 3. Viertel 9. Jh., fol. 128v; Gotha, Forschungsbibliothek, Cod. I.84, Kopie Ende 10./Anf. 11. Jh., fol. 408v - Drucke: Capit. II, Nr. 209 S. 79f. ("Hludowici II. Commonitorium episcopis Papiae traditum"); auch Conc. III, S. 209f. (in Nr. 21), jeweils zu 845-850. - Regg.: Werminghoff, Verzeichnis, S. 616; De Clercq II, S. 132; M2 1179-1.

Kommentar

Mit Reg. 64 setzt eine Reihe von Schriftstücken ein, die von dem Versuch des jungen Herrschers zeugen, an die italische Kapitularienpraxis seiner Vorgänger anzuknüpfen. Das ohne Protokoll überlieferte Commonitorium (solche Memoranden sind auch sonst mehrfach überliefert; vgl. Reg. 73-II; Ganshof, Kapitularien, S. 25f.; Hartmann, Conc. III, S. 207) ist nur im Zusammenhang mit den folgenden Dokumenten (Regg. 65 u. 72) verständlich. Unklar ist die genaue Entstehungszeit aller drei Schriftstücke, die allgemein auf 845-850 datiert werden. Da Ludwig in dem folgenden Schreiben der Bischöfe (Reg. 65) noch als rex tituliert wird, in seinem darauf Bezug nehmenden Kapitular (Reg. 72) aber bereits im Besitz der imperialis auctoritas ist, müssen sich seine Aktivitäten - angefangen von der Aufforderung an die Bischöfe zur Abhaltung einer Synode bis hin zu seinem Kapitular, das bereits auf die Beratungsergebnisse verweist - über einen längeren Zeitraum um 849/50 erstreckt haben. Die zugrundeliegende Paveser Synode kann daher nicht mit einer weiteren gut bezeugten Paveser Synode im Herbst 850 identisch sein, auf der eigene Schriftstücke erlassen wurden (Reg. 73), sondern muß spätestens im Frühjahr 850, kurz vor Ludwigs Romzug, stattgefunden haben. Ludwig hätte sein darauf faßendes Kapitular aber erst nach seiner Kaiserkrönung publiziert (Reg. 72).

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,1 n. 64, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0850-00-00_1_0_1_3_1_4274_64
(Abgerufen am 27.05.2017).