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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,1

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(I) Ludwig nimmt an der Versammlung teil, auf der Erzbischof Drogo von Metz zusammen mit zahlreichen Bischöfen und Grafen in Anwesenheit des neu gewählten Papstes Sergius (II.) und seiner römischen Anhänger über dessen strittige Erhebung berät. Es gelingt Sergius, (der die künftige Respektierung der kaiserlichen Rechte zusichert,) die Versammlung zu seiner Anerkennung zu bewegen. Als die Franken die Römer auffordern, Ludwig einen Treueid zu leisten, kann Sergius dies verhindern; stattdessen legen die Römer zusammen mit Sergius und Ludwig sowie allen anderen geistlichen und weltlichen Großen den geforderten Treueid auf Kaiser Lothar ab. (II) Die (noch von Papst Gregor IV.) abgesetzten Erzbischöfe Ebbo (von Reims) und Bartholomäus (von Narbonne), die Sergius um Wiedereinsetzung in ihre Kirchenämter gebeten haben, werden von ihm nur zur Laienkommunion zugelassen. (III) Sergius bestellt Drogo von Metz zu seinem Vikar für Gallien und Germanien.

Überlieferung/Literatur

(I-II) Vita Sergii II., ed. Duchesne II, S. 89f. (XIII-XVI). Vgl. Ann. Bertin. a. 844, ed. Grat, S. 46; Pseudo-Liutprand c. 104, PL 129, Sp. 1244D; Andreas Dandulus VIII, 4, ed. Pastorello, S. 152. - Regg.: J-E S. 327 f.; Reg. Chart. Pistoriensium I, Nr. 36 S. 32-34; Conc. III, Nr. 5 S. 24-26 (zum 15. Juni); M2 1115a. (III) Ann. Bertin. a. 844, ed. Grat, S. 46; vgl. den Brief des Sergius J-E 2586, Epp. V, S. 583f. Nr. 1; Gesta epp. Mett. c. 40, ed. Waitz, SS X, S. 541; s. noch die Grabinschrift Drogos (primasque cis Alpes) SS XXIV, S. 545, sowie das Schreiben Leos IV. an Kaiser Lothar J-E 2607, Epp. V, S. 590f. Nr. 12. - Regg.: J-E 2586. Vgl. Conc. III, S. 24; M2 1115a.

Kommentar

(I) Während die Vita Sergii die Versammlung im Anschluß an die Krönung Ludwigs am 15. Juni stattfinden läßt, legen die Ann. Bertin., denen zufolge die Franken zunächst ihren Auftrag (d.h. die Prüfung der Wahl des Sergius) erledigt hätten (peractoque negotio), eine andere Reihenfolge nahe, die auch deshalb vorzuziehen ist, weil die Beratungen mehrere Tage gedauert haben sollen (Vita: per dies singulos), es ist daher anzunehmen, daß sie bald nach dem feierlichen Empfang Ludwigs begannen. - Umstritten ist die Natur der Versammlung. Die Zahl der bischöflichen Teilnehmer (vgl. unten) läßt auf eine regelrechte Synode schließen, doch leugnet der Vitenschreiber gerade dies mit dem Hinweis, sie sei gegen den Willen des Papstes ohne Zustimmung und Einberufung des (zuständigen? - gemeint ist wohl der Papst selbst) Metropoliten zusammengetreten (contra hanc universalem et caput cunctarum ecclesiarum sine metropolitani concessione atque vocatione convenerant). - Unklar ist, ob Ludwig von Anfang an den Beratungen beigewohnt hat, sie vielleicht sogar geleitet hat; er wird aber zumindest von dem Zeitpunkt an teilgenommen haben, als die Franken die Römer zum Treueid auf ihn aufforderten. - Die Verhandlungen über die Erhebung des Sergius müssen hart geführt worden sein, wie nicht nur der Vita, sondern auch Pseudo-Liutprand zu entnehmen ist. Wenn Sergius schließlich bestätigt wurde, so kann dies im Sinne des von den Ann. Bertin. ganz klar formulierten Auftrags (vgl. Reg. 21) nur bedeuten, daß Sergius und die ihn stützende römische Partei entsprechende Garantien für künftige Papstwahlen gegeben haben. Dies bestätigt indirekt auch die Vita Leonis IV., ed. Duchesne II, S. 107 (VIII); danach sollten künftige Papstwahlen nur noch auf Befehl (iussio) des Kaisers und in Gegenwart seiner Boten vorgenommen werden. - Nicht zu entscheiden ist, ob Ludwig als König des Regnum Italiae den Treueid der Römer auf seine Person gefordert und inwieweit er hier im Auftrag seines Vaters gehandelt hat. - Als Teilnehmer der Versammlung werden in der Vita (neben den genannten westfränkischen Bischöfen) nur ober- und mittelitalische Bischöfe genannt, im einzelnen die Erzbischöfe Georg von Ravenna und Angilbert II. von Mailand, die Bischöfe Josef von Ivrea, Agino (Hagano) von Bergamo (Aginus episcopus Vergomensis), Amalrich von Como, Nortcaud von Vercelli, Sigifrid von Reggio nell'Emilia, Toringar von Concordia, Odelbert von Acqui, Ambrosius von Lucca, Johannes (III.) von Pisa, Petrus von Volterra, Gausprand von Pistoia, Cantio von Siena, Lupus von Chieti, Sisimund von Teramo, Picco von Ascoli, Fratellus von Camerino, Gisus von Fermo, Racipert von Nocera, Amadeus von Penne und Donatus von Fiesole. Anwesend waren danach auch die Grafen Boso, Adalgisus (I. von Parma), Johannes (von Seprio), Vuldo, Bernard von Verona, Wifrid (I. von Piacenza) und der Pfalzgraf Maurinus. Zu den Bischöfen vgl. Hartmann, Conc. III, a.a.O.; zu den Grafen s. Hlawitschka, Franken, passim, bes. S. 212; Delogu, Strutture, S. 138. Graf Johannes von Seprio hatte noch im April im Auftrag des Mailänder Erzbischofs Angilbert, der bei dieser Gelegenheit als missus domni imperatoris bezeichnet wird, ein Placitum in Mailand geleitet: Reg. 20. - Vgl. Bayet, Elections, S. 81f.; Dümmler I2, S. 251; Heimbucher, Papstwahlen, S. 154ff.; Eiten, S. 143-145; Hartmann III/1, S. 198f.; Eichmann, Eide, S. 164; Hauck, Kirchengeschichte II3, S. 526-528; Bognetti, in: Storia di Milano II, S. 737-740; Delogu, Strutture, S. 141f.; Zimmermann, Papstabsetzungen, S. 41f.; Hees, S. 34; Drabek, Verträge, S. 48f.; Bertelli, Castelseprio, S. 869; Hartmann, Synoden, S. 234; s. noch die Conc. III, S. 24, angeführte Lit. (II) Zu den Hintergründen der Absetzung der Erzbischöfe von Reims und Narbonne, die auf der Synode von Diedenhofen 835 erfolgt war, vgl. M2 1115a; Mc Keon, Ebbo of Reims, bes. S. 443. (III) Daß die Ernennung Drogos zum apostolischen Vikar, die der päpstliche Vitenschreiber überhaupt nicht erwähnt, damals in Rom erfolgte, geht aus den Ann. Bertin. klar hervor. Politisch blieb diese Maßnahme, die dem Interesse Lothars dienen sollte, ohne nachhaltigen Erfolg; vgl. M2 1115a; Lesne, Hierarchie épiscopale, S. 251-258; Heydenreich, S. 116f.; Pfister, Drogon, S. 117ff.; Fliche, Primatie des Gaules, S. 330; Fuhrmann, Patriarchate II, S. 9f.; Fuhrmann, Pseudo-Isidor II, S. 242 Anm. 14; im größeren Zusammenhang Klebel, Vikariat, S. 65f. Allgemein zu Drogo, dem einflußreichen Oheim Ludwigs, vgl. Oexle, Arnulf, S. 345-351.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,1 n. 26, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0844-06-00_1_0_1_3_1_4236_26
(Abgerufen am 18.01.2017).