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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,2,1

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Karl überträgt (concedimus) seinem Getreuen Acbert (fidelis noster Acbertus) aus Königsgut (res iuris nostri) im Gau von Mâcon (in pago Madasconense) in der Villa Iguerande (Hiuranda) eine Manse mit der Kapelle Saint-André zu freiem Eigen (ad proprium). -- Ionas diac. ad vicem Hludowici. -- M. SR. NN (Werinus comes impetravit). SI D. -- a. r. 7, Ind. 9. -- „Regalis celsitudinis“ .

Originaldatierung:
(VI. Id. Nov., Rauciaco villa)

Überlieferung/Literatur

Or. Paris, BnF, Ms. lat. 11829, Nr. 2 (A) (ARTEM 1779). -- Kopie: Paris, BnF, Ms. lat. nouv. acq. 2262, Cartulaire C von Cluny, Nr. 132 fol. 59v, Abschrift 11. Jh. (C). -- Faks.: Lot / Lauer / Tessier, Diplomata Karolinorum III, Taf. XXI, Nr. 20; der Rekognition: Worm, Karolingische Rekognitionszeichen II, S. 167; der tironischen Noten: Tessier III, Introduction, S. 193 Abb. 90. -- Drucke: Bruel, Recueil I, Nr. 11 S. 13f., aus C, „867 environ“ ; Jusselin, Un diplôme original, S. 25f., aus A; D Ka. II. 90.

Kommentar

Die Indiktion ist um eine Einheit zu niedrig berechnet. -- Karl ist zuletzt sicher am 30. Oktober in Saint-Benoît-sur-Loire bezeugt (Reg. 535). Wenn er, wie Levillain, De quelques lettres, S. 207, vermutet, von dort die römische Straße von Orléans nach Sens erreichte und weiter auf römischen Straßen über Sens, Troyes und Reims zog, muß er noch am 30. 10. aufgebrochen sein und die 310 km lange Strecke in raschem Marsch (durchschnittlich 30 km pro Tag) bewältigt haben. Mit Levillain, ebd., S. 207-209, ist die Theorie von Lot, Actum et Datum, S. 201, abzulehnen, der eine Ausstellung von D 90 zu Roucy am 8. 11. für unvereinbar mit Karls Itinerar hielt und uneinheitliche Datierung annahm; die Schenkung sei am 8. 11. an unbekanntem Ort erfolgt und entspreche dem Datum, die Ausstellung aber in Roucy zwischen dem 1. und dem 25. 12. (Actum!). -- In Roucy (dép. Aisne, arr. Laon, con Neufchâtel-sur-Aisne), etwa 24 km nordwestlich Reims an der Aisne gelegen, hat Karl nur dieses eine Mal geurkundet; Flodoard, Historia IV c. 36, ed. Stratmann, S. 436f., berichtet von der Errichtung einer Befestigung in Roucy; darüber hinaus ist über den Ort nichts bekannt. -- Die Urkunde ist im Fonds von Cluny überliefert, da die Villa Iguerande im 10. Jh. an Cluny kam; vgl. dazu Bruel, Recueil I, Nr. 486 S. 470; Jusselin, Un diplôme original, S. 23. Zu den äußeren Merkmalen des Originals und den Dorsualvermerken des 10. und 10./11. Jh. vgl. Tessier, Vorbemerkung, Anm. 1, und Tessier III, Introduction, S. 19 Nr. 90: D 90 wurde ganz vom rekognoszierenden Notar Jonas mundiert, einschließlich des Eschatokolls, Signum- und Rekognitionszeilen jedoch in dunklerer Tinte als der Text und die Datierung nach der Rekognition. Die Wendung in villa Hiuranda mansum unum wurde ebenfalls in dunklerer Tinte nachträglich in eine im Text gelassene Lücke eingefügt. Die Auflösung der tironischen Noten im Rekognitionszeichen folgt Jusselin, Liste chronologique, S. 222, und Tessier; dazu auch Jusselin, Un diplôme original, S. 18f.; Ders., Mentions tironiennes, S. 22; der Name Werinus im impetrare-Vermerk ist nicht in tironischen Noten ausgeführt. Zum Notar Jonas siehe Reg. 139. Kanzleigeschichtlich interessant ist D 90 wegen der links unterhalb der Signumzeile in kleiner Schrift angebrachten Angabe des Empfängers; vgl. dazu Jusselin, Un diplôme original, S. 20f.; Abb. in Jusselin, Questions tironiennes, Abb. 1 S. 6 (demnach zu lesen Acberti sum), und Tessier III, Introduction, S. 193 Abb. 90. -- Die Arenga (Hausmann / Gawlik, Nr. 2195) wurde wie der ganze Text in Anlehnung an Form. imp. Nr. 27 formuliert. -- Der Empfänger Acbert ist weiter nicht bekannt; vgl. auch Kienast, Die fränkische Vasallität, S. 405 m. Anm. 1413. Bei der ihm übertragenen Villa handelt es sich um Iguerande, dép. Saône-et-Loire, arr. Charolles, con Semur-en-Brionnais. -- Der in den tironischen Noten genannte Werinus comes ist wohl Graf Warin, dessen Name auch in D 146 in dieser Form erscheint; zu ihm siehe Reg. 130. -- Vgl. noch Tessier II, Additions et corrections, S. 669 (Korrektur der Angaben zu Hs. C).

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Empfohlene Zitierweise

RI I,2,1 n. 539, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0846-11-08_1_0_1_2_1_539_539
(Abgerufen am 21.10.2017).