Regestendatenbank - 176.134 Regesten im Volltext

RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,2,1

Sie sehen den Datensatz 512 von insgesamt 610.

Karl bestätigt der Kongregation Saint-Philibert (amabilissima congregatio sancti Filiberti) unter Abt Hilbod (venerabilis Hilbodus abba) auf Bitten des Grafen Vivian (venerabilis Vivianus comes) und zu seinem eigenen Seelenheil das Vivian einst urkundlich zu Eigen übertragene (D 77) Kloster Cunault (monasterium quod vocatur Cunaldus), wo der selige Maxentiolus begraben ist, das Vivian den Mönchen wegen der häufigen unvorhersehbaren Überfälle durch Normannen und Bretonen (propter persecutionem barbaricam scilicet Normannorum et Brittanorum frequentissimam atque inprovisam) als Zuflucht (ad habitationem) geschenkt hat, und ermahnt seine Nachfolger, sich an diese Bestimmung zu halten. -- Bonardiaro not. (i. e. Ionas diaconus) ad vicem Hludowici. -- M (aus Kopie). -- a. r. 6, Ind. 8. -- „Si liberalitatis “ .

Originaldatierung:
(VI. Kal. Ian., in monasterio sancti Martini)

Überlieferung/Literatur

Kopie: Berlin, Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, Ms. Phill. 1757, Bd. 4, fol. 31r (vorm. fol. 34r), Abschrift Chifflet 17. Jh., mit Nachzeichnung des M (E). -- Drucke: Chifflet, Histoire, Preuves, S. 202-204, aus E = Juénin, Nouvelle histoire, Preuves, S. 83f. = Bouquet VIII, Nr. 61 S. 483; D Ka. II. 81. -- Regg.: Bréquigny I, S. 218; B 1587; Poupardin, Monuments, Nr. 6 S. 109f.; Diplomatarium Danicum I/1, ed. Christensen / Nielsen, Nr. 37 S. 16.

Kommentar

Am selben Tag und Ort ausgestellt wie D 80 (Reg. 511); zur Datierung siehe dort. -- Eine mittelalterliche Überlieferung fehlt; die ungewöhnliche Invocatio (In nomine) und der offensichtliche Lesefehler bei der Rekognition veranlaßte Tessier zu der Vermutung, Chifflets Vorlage sei nicht das Original, sondern eine (formale) Fälschung gewesen, da Chifflet auf das verlorene Siegel in seiner Vorlage hinweist und es an der sachlichen Echtheit von D 81 kaum einen Zweifel gibt. Die Arenga (Hausmann / Gawlik, Nr. 3003) ist nach Form. imp. Nr. 28 stilisiert; die Mahnung an die Nachfolger Karls erscheint nahezu wortgleich in DD 62, 63 für Saint-Martin und ähnlich in DD 76, 137. -- Zum Notar Jonas siehe Reg. 139. -- Das 676 vom hl. Filibertus gegründete Kloster Saint-Philibert auf der Insel Noirmoutier (Noirmoutier-en-l'Ile, dép. Vendée, arr. Les Sables-d'Olonne) war wegen der Normannenangriffe seit ca. 819 zeitweilig, seit etwa 830 vollständig in das Kloster Déas (Saint-Philbert-de-Grand-Lieu, dép. Loire-Atlantique, arr. Nantes) umgezogen; vgl. BM2 687, 875; daß die Mönche auch an diesem weiter landeinwärts gelegenem Ort nicht sicher waren vor den Normannen, die sich im Küstengebiet niedergelassen hatten (vgl. Reg. 365), zeigt die vorliegende Urkunde. Die älteren Urkunden des Klosters sind bis auf D P. I. 6 von 826 sowie BM2 687, 875, 1000 verloren (Lechner, Nr. 117-120). Karl urkundete auch in der Folgezeit vielfach für die weiterhin auf der Flucht befindliche Gemeinschaft (DD 91, 159, 180, 344, 353), bis er ihr schließlich 875 Tournus als bleibende Zuflucht zuweisen konnte (D 378); vgl. Poupardin, Monuments, S. XXII-XL; Devailly, in: LexMA III (1986), Sp. 371f.; Ders., in: LexMA VI (1993), Sp. 1216. -- Hilbod war seit 824 oder 825 Abt des Klosters (Poupardin, Monuments, S. XXVII) und wird auch in BM2 1000 von 839 November 27 genannt. Vivian hatte das Kloster Cunault erst zwei Monate zuvor von Karl zu Eigen erhalten (Reg. 497); am Tag der Ausstellung von D 81 wurde in Tours (Turonis civitate) auch die Schenkungsurkunde Vivians ausgestellt (Juénin, Nouvelle histoire, Preuves, S. 82f.; Tessier, Vorbemerkung), die außer von Vivian selbst von Lambertus comes, Raino, Ragenaldus, Ragenaldus abba unterfertigt wurde, also von dem Grafen Lambert sowie von Rainald, Abt von Marmoutier, dem Bruder Vivians; die beiden anderen Genannten identifiziert Brunterc'h, Le duché, S. 70, mit den jüngeren Söhnen des 843 durch Lambert ermordeten Grafen Rainald von Nantes und Herbauge (Reg. 364). Zur Interpretation des gesamten Vorgangs als feierlichen Versöhnungsakt sowohl politischer wie familiärer Natur unter maßgeblicher Beteiligung des Königs vgl. Brunterc'h, Le duché, S. 69f. -- Zu Vivian siehe Reg. 356, zuletzt Reg. 511. Die Übergabe nahm auf Befehl Karls Rainald, der Bruder Vivians, am 6. Januar 846 in Cunault vor (Reg. 519); vgl. zu ihm Reg. 401. -- Zur Urkunde vgl. noch Lot / Halphen, S. 157 Anm. 2; Tessier II, Additions et corrections, S. 669 (Druckfehlerkorrektur); Felten, Äbte und Laienäbte, S. 50f.; Nelson, Charles the Bald, S. 147.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI I,2,1 n. 512, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0845-12-27_2_0_1_2_1_512_512
(Abgerufen am 24.03.2017).