Regestendatenbank - 174.566 Regesten im Volltext

RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,2,1

Sie sehen den Datensatz 457 von insgesamt 610.

Karl bestätigt (concedimus et ... confirmamus) auf Bitten seines Getreuen Leuto (Leuto fidelis noster) die Schenkung, die dieser dem hl. Dionysius und den Mönchen in dessen Kloster (sancto Dionysio, pretiosissimo patrono nostro, monachisque in eiusdem sancto coenobio consistentes) gemacht hatte und die Güter betraf, die Leuto zuvor von Karl zu Eigen erhalten hatte (D 64 Dep.), nämlich die Villa Morancy (Maurinciagi curtis) in der Grafschaft Chambly (in comitatu Camliacense) am Fluß Oise (Isere) mit Zubehör, zwei villulas mit einer Kirche ebendort, außerdem an anderem Ort die Villa Crouy (Croiacum) sowie zwei Mansen im Gau von Beauvais (in pago Belvacense) in der Villa Trociacus. -- Ragemfridus not. ad vicem Hludowici. -- M. SR. NN (Ragemfridus notarius advicem Ludouuici recognovit) (A). SI D (A), SI (A'). -- a. r. 5, Ind. 7. -- „Cum ea quae“ .

Originaldatierung:
(XII. Kal. Febr., Compendio palatio regio)

Überlieferung/Literatur

Or. Paris, Arch. Nat., K 11, Nr. 2B (A) (ARTEM 2994); 2. Or. ebd., Nr. 2A (A') (ARTEM 2995). -- Kopien: Paris, Arch. Nat., LL 1157, Cartulaire blanc I, S. 725, Abschrift Ende 13. Jh., aus A, mit Nachzeichnung des M (C3); ebd., S. 697, Abschrift Ende 13. Jh., aus A', mit Nachzeichnung des M (C3a); Paris, BnF, Ms. lat. 5415, Cartulaire de Thou, S. 84f., Abschrift Ende 13. Jh., aus C3 (C4); ebd., S. 82f., Abschrift Ende 13. Jh., aus C3a (C4a); 2 Einzelabschriften 15. Jh., 3 Abschriften 17. Jh. aus C4, 2 Abschriften 18. Jh. aus C4 sowie einen Auszug des 18. o. 19. Jh. verzeichnet Tessier. -- Faks.: Lot / Lauer / Tessier, Diplomata Karolinorum III, Taf. XV Nr. 15 (A); Taf. XVI Nr. 15bis (A'); Guyotjeannin / Pycke / Tock, Diplomatique, Nr. 2 S. 122 (A); des Eingangschrismons: Tessier, Originaux et pseudo-originaux, Abb. 1 nach S. 48; der Rekognition in A: Worm, Karolingische Rekognitionszeichen II, S. 178; der tironischen Noten: Jusselin, Liste chronologique, S. 221 m. Abb. 8; Tessier III, S. 193 Abb. 65. -- Drucke: Doublet, Histoire, S. 776f., aus einer Abschrift des 15. Jh. = Bouquet VIII, Nr. 32 S. 454 (zu 844); Duchesne, Histoire généalogique de la maison de Montmorency, Preuves, S. 1f., aus C4; Félibien, Histoire, Pièces justificatives, Nr. 86 S. 64f., aus A' (zu 844); Tardif, Monuments historiques, Nr. 147 S. 97 (Auszug); D Ka. II. 65; Guyotjeannin / Pycke / Tock, Diplomatique, Nr. 2 S. 123 (A). -- Regg.: Bréquigny I, S. 212 (zu 844); B 1573; Sonzogni, Le chartrier, Nr. 190 S. 170.

Kommentar

Die Indiktion ist wie in DD 58-63 um eine Einheit zu niedrig berechnet, die Einordnung zu 845 trotzdem nicht zweifelhaft; vgl. Reg. 451; zudem ist Compiègne als Ausstellort im Januar / Februar 844 aus Itinerargründen ausgeschlossen, worauf schon Lot / Halphen, S. 131 Anm. 1, hinwiesen; trotzdem Datierung auf 844 durch Peters, Die Entwicklung, S. 73, 187. -- Die Strecke zwischen Tours (D 62), wo Karl am 5. Januar bezeugt ist, in das gut 300 km entfernte Compiègne konnte in 10-12 Tagen zurückgelegt werden; Karl hätte bei einer Route über Orléans und Paris weitgehend römische Straßen nutzen können. Zum Ausstellort siehe bereits Reg. 241, zuletzt Reg. 444. -- D 65 ist das erste unter insgesamt 27 erhaltenen Urkunden Karls d. K. für Saint-Denis; es liegen zudem 6 Fälschungen mit Saint-Denis als Empfänger sowie 7 im Archiv von Saint-Denis überlieferte Urkunden für andere Empfänger vor. Zu Saint-Denis allgemein Reg. 167, zum Kloster als Ausstellort der Urkunden Karls und zur Überlieferung von Saint-Denis allgemein siehe Reg. 267; die Datierung der Chartulare folgt Grosse, Remarques. -- Zu den äußeren Merkmalen der beiden Originale Tessier, Vorbemerkung zu D 65, S. 184f. Anm. 1 (zu A) und S. 185 Anm. 1 (zu A'); Tessier III, Introduction, Nr. 65 S. 18, S. 58f.: Während Tessier zunächst annahm, daß Text und Eschatokoll in A von verschiedenen Händen stammten (Vorbemerkung; so auch noch Guyotjeannin / Pycke / Tock, Diplomatique, S. 124), schrieb er später (Introduction) beides dem Notar Ragemfrid zu, dem er auch die Redaktion zuwies. Die diesbezüglich ursprünglich geäußerten Zweifel (Tessier, Originaux et pseudo-originaux, S. 44, 47) revidierte er ausdrücklich (Introduction, S. 58 Anm. 6). Die 2. Ausfertigung (A') stammt Tessier zufolge ganz von einer Hand, die er dem Kloster Saint-Denis zuweist; dieselbe Hand versah A mit Dorsualvermerken. Zu weiteren Dorsualvermerken in A und A', zeitgenössischen wie solchen des 12.-15. Jh., vgl. Tessier, Vorbemerkung. Die Besiegelung von A' erfolgte nach der Datierung. Die Auflösung der tironischen Noten im Rekognitionszeichen von A folgt Jusselin und Tessier; das Rekognitionszeichen in A' wird vom Siegel weitgehend verdeckt. Eine ausführliche Bescheibung und Interpretation der äußeren und inneren Merkmale bieten Guyotjeannin / Pycke / Tock, Diplomatique, S. 124f.; vgl. auch Worm, Karolingische Rekognitionszeichen I, S. 102f. -- Zu Ragemfrid, der selbst vielleicht Mönch in Saint-Denis war, siehe Reg. 328. -- Die Arenga (Hausmann / Gawlik, Nr. 336) ist sonst nicht belegt. Die im Text erwähnte Schenkung Karls an Leuto ist verloren (D 64 Dep.); DD 64 und 65 werden erwähnt in D 247. -- Der Empfänger Leuto ist weiter nicht bekannt; zu möglichen Hintergründen der Schenkung Peters, Die Entwicklung, S. 187. -- Bei den Orten handelt es sich um Morancy, dép. Oise, arr. Senlis, con Neuilly-en-Thelle, cne Boran-sur-Oise; Crouy-en-Thelle, dép. Oise, arr. Senlis, con Neuilly-en-Thelle. Die Villa Trociacus identifizierte Tessier im Kopfregest mit Trossy, dép. Oise, arr. Senlis, con Chantilly, cne Saint-Maximin, korrigierte sich später (Tessier III, S. 411 s.v. Trociacus) jedoch ausdrücklich und benannte stattdessen Torcy, dép. Oise, arr. Beauvais, con Songeons; an der älteren Identifizierung halten, ohne weitere Begründung und vielleicht versehentlich, fest: Peters, Die Entwicklung, S. 73 Anm. 287; Guyotjeannin / Pycke / Tock, Diplomatique, S. 124. Die Grafschaft Chambly (dép. Oise, arr. Senlis, con Neuilly-en-Thelle) wird später (DD 219, 232, 247, 252, 398) immer als pagus bezeichnet, der Gau von Beauvais selten (D 238) als comitatus. -- Zur Urkunde vgl. noch Tessier II, Additions et corrections, S. 669 (Druckfehler); Kienast, Die fränkische Vasallität, S. 403.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI I,2,1 n. 457, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0845-01-21_1_0_1_2_1_457_457
(Abgerufen am 09.12.2016).