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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,2,1

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Karl bestätigt der Kongregation Saint-Aubin zu Angers auf Bitten des an ihn herangetretenen Lambert, ihres Rektors, gemäß der von seinem Vater Ludwig (d. Fr.) auf Bitten des Bischofs Ebroin gewährten Urkunde (Dep.) bestimmte Villen zu ihrem Nießbrauch, nämlich Méron (Mairomnus), Trèves (Clementiniacus), Sabiacus, Papirus / Papirius, Monnet (Multonacus), Monasteriolus, den unterhalb des Klosters gelegenen Weinberg, die Fischrechte (im Fluß Maine) von Chanzé (porta Canciancensi) bis zur Insel Ile des Gillettes (Virelista) sowie aus der Villa Gétigné (Iustiniaco) jährlich 100 Modia Salz, beschränkt die Zahl der Brüder auf 45, gewährt ihnen das Recht, ihre innerhalb der Klausur errichteten Häuser (mansiones necnon diversa edificia) Verwandten oder Klienten (propinquis vel clientibus) zu hinterlassen, und erteilt seine Zustimmung zur Schenkung der Villa Lierru (Ladriacum) mit Zubehör, darunter der Villa Bressigny (Prisciniaco), die Lambert dem Kloster gemacht hatte.

Überlieferung/Literatur

Deperditum?, erwähnt in der Urkunde des Lambert für Saint-Aubin von 845-846 (ed. Giry, Étude critique, Nr. IV B S. 218-222).

Kommentar

Die außer von Lambert selbst von sechs Bischöfen und vier weiteren Personen unterzeichnete Urkunde Lamberts ist auf die Zeit nach seiner Versöhnung mit Karl im Herbst 845 (Reg. 504), aber vor dem Entzug der Grafschaft Anjou (Reg. 541) zu datieren; vgl. dazu auch Brunterc'h, Le duché, S. 71f. Anm. 254. Die darin erwähnte Urkunde Karls, die Lambert persönlich von Karl erlangte (adii presentiam domni nostri Caroli, S. 220), muß demnach in ebendieser Zeit ausgestellt worden sein, vielleicht unmittelbar nach der Versöhnung, vielleicht bei dem gemeinsamen Aufenthalt in Tours nach Weihnachten 845 (Reg. 512), jedenfalls aber vor dem Entzug der Grafschaft auf Verlangen Nominoës. Ob es sich aber tatsächlich um ein Deperditum handelt, ist nicht zweifelsfrei zu bestimmen, da eine nahezu gleichlautend formulierte Urkunde Karls für Saint-Aubin von 849 (D 116) existiert, deren Bezug zur Urkunde Lamberts unterschiedlich interpretiert wird: Während Giry, Étude critique, S. 207-210, einen großen zeitlichen Abstand zwischen Vortrag und Gewährung der Bitte, also der Ausstellung von D 116, annimmt, glaubt Tessier, Vorbemerkung zu D 116, die Lambert-Urkunde gehe dem Diplom zwar um Jahre voraus, gebe sich aber den Anschein, als sei sie nach der königlichen Bestätigung ausgestellt, und nehme so eine Verfälschung der Tatsachen vor. Levillain, Recueil des actes de Pépin Ier et de Pépin II rois d'Aquitaine, Introduction, S. LXXXVIIIf., nimmt dagegen an, das Königsdiplom sei 846 unmittelbar nach der Bitte Lamberts geschrieben, ihm jedoch unvollzogen ausgehändigt worden; 849 habe er es erneut präsentiert, und erst dann sei es mit Unterschriften und Siegel versehen und datiert worden. Im Text von D 116 erscheint allerdings weder das Recht der Brüder, über die von ihnen errichteten Gebäude innerhalb der Klausur für die Zeit nach ihrem Tode zu verfügen, noch wird erwähnt, daß die Villa Ladriacum einer Schenkung Lamberts entstammte. Daher ist mit Brunterc'h wohl von zwei Diplomen Karls auszugehen, einem Deperditum, das Karl nach der Versöhnung mit Lambert auf dessen Bitte gewährte, und einem zweiten (D 116), das er nach der erneuten Einsetzung Lamberts in die Grafschaft Anjou im Jahre 849 ausstellte. -- Die Quellenlage für Saint-Aubin ist kompliziert: Eine Urkunde Pippins für das Kloster, erwähnt im authentischen Teil des Textes von D Kar. 58, ist verloren (Lechner, Nr. 45); Karl d. Gr. gewährte wahrscheinlich Immunität (D Kar. 58, vgl. dazu Mühlbacher, Vorbemerkung); ebenfalls verloren ist die in der Urkunde Lamberts und in D 116 zitierte Urkunde Ludwigs d. Fr. (BM2 1008; Lechner, Nr. 47), eine Besitzbestätigung auf Fürsprache Bischof Ebroins von Poitiers, die wohl dem Jahr 839 zuzuweisen ist. -- Zu Angers allgemein siehe Reg. 404; zum im 6. Jh. gegründeten, außerhalb der Mauern von Angers liegenden Kloster Saint-Aubin vgl. Guillot, Le comte I, S. 129-138; Kaiser, Bischofsherrschaft, S. 434 m. Anm. 1764; Pietri, in: Topographie chrétienne V, S. 76f., Nr. 5 S. 69; vgl. auch Kienast, Die fränkische Vasallität, S. 363f., der das Stift geradezu als „Mittelpunkt der Grafschaft Anjou“ (S. 417 Anm. 1466) bezeichnet. Seit der Mitte des 9. Jh. steht es in engster Verbindung zu den Grafen von Angers; so auch Halphen, Le comté d'Anjou, S. 81f. Anm. 2; vgl. Kaiser, Bischofsherrschaft, S. 437 Anm. 1783. Zu Graf Lambert siehe Reg. 148. -- Die genannten Orte, die wortgleich auch in D 116 genannt werden, lassen sich nicht alle sicher identifizieren; es handelt sich um Méron, dép. Maine-et-Loire, arr. Saumur, con Montreuil-Bellay; Trèves, dép. Maine-et-Loire, arr. Saumur, con Gennes, cne Trèves-Cunault (dazu Giry, Étude critique, S. 198f.); Sabiacus ist wohl Les Ponts-de-Cé, dép. Maine-et-Loire, arr. Angers (so Tessier, Vorbemerkung zu D 116; dagegen schlägt Giry, Étude critique, S. 217, vor: Sazé, dép. Maine-et-Loire, arr. Saumur, con Gennes, cne Chemellier); zum nicht identifizierten Papirus / Papirius vgl. Giry, Étude critique, S. 205; Monnet, dép. Maine-et-Loire, arr. Angers, con und cne Beaufort-en-Vallée; Monasteriolus ist nicht identifiziert; Chanzé, dép. Maine-et-Loire, arr. Angers, con Les Ponts-de-Cé, cne Sainte-Gemmes-sur-Loire; bei der Ile des Gilettes handelt es sich um eine Insel in der Maine, dép. Maine-et-Loire, arr., con und cne Angers; Gétigné (?), dép. Loire-Atlantique, arr. Nantes, con Clisson; Lierru, dép. Maine-et-Loire, arr., con und cne Angers; Bressigny ist ein Vorort von Angers.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,2,1 n. 540, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0845-00-00_5_0_1_2_1_540_540
(Abgerufen am 19.01.2017).