Regestendatenbank - 174.566 Regesten im Volltext

RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,2,1

Sie sehen den Datensatz 435 von insgesamt 610.

Karl restituiert (reddimus vel restauramus) dem Kloster Psalmodi (monasterium sancte Dei genitricis Marie vel sancti Petri apostolorum principis ac sancti Pauli gencium doctoris quod est situm in insula que apellatur Psalmodia) im Gau von Nîmes (in pago ... Nemausensi) auf Bitten des an ihn herangetretenen dortigen Abtes Theobald (religiosus vir Theobaldus abba) zum Seelenheil seines Vaters bestimmte Besitztümer (colonicas) in den Gauen von Nîmes und Maguelone, die dem Bericht des Theobald zufolge dem Kloster bereits durch Karls Vater Ludwig (d. Fr.) auf Bitten des Abtes Theutmirus, Vorgänger des Theobald, restituiert worden sind (Dep.?), die jedoch von Graf Bernhard (contemptus superbiae Bernardus quondam comes) (von Septimanien) und dessen Leuten, die diese Besitzungen gewaltsam an sich gebracht hatten, nicht herausgegeben wurden, nämlich im Gau von Nîmes die colonica subtus Mariacum, verlassene Gebäude in der Stadt Nîmes selbst, einen ehemals von Franciscus, Bischof von Nîmes, dem Kloster geschenkten Weinberg sowie einen Hof mit Weinberg und Zubehör in der Villa Teillan (Telliano), im Gau von Maguelone (in pago ... Magdalonensi) die Kirche Saint-Étienne in der Villa Saussines (Solcinas) mit Zubehör, die colonica Amancianica, die auch Martinianica heißt, sowie die Hälfte des Gebiets der Villa Colonzecates, eingeschlossen die Hörigen (mancipia), die der Graf dem Kloster vorenthielt; er überträgt (conferrimus [et] delegamus) dem Kloster und den Brüdern außerdem zu seinem Seelenheil aus Königsgut (de fisco nostro) die colonica Grivoldanicus sowie zur Behebung ihrer Notlage (ad sublevandum ... eorum necessitatem) das Nutzungsrecht am in der Nähe des Klosters gelegenen Wald (silva) La Pinède (Pineta) mit zugehörigen Weiden und legt fest, daß niemand dafür vom Kloster Abgaben (censum) noch für die Fischerei im Meer, in den Flüssen und Seen Zoll (theloneum) verlangen darf. -- Aeneas not. ad vicem Hludovici. -- M (aus Kopie). -- a. r. 2, Ind. 7. -- „Si petitionibus“ .

Originaldatierung:
(II. Kal. Iul., in monasterio sancti Saturnini)

Überlieferung/Literatur

Kopien: Nîmes, Arch. dép. du Gard, H 114, Nachzeichnung 12. Jh. (B) (ARTEM 984); Nîmes, Arch. dép. du Gard, H 106, fol. 2v, Abschrift 1683 im Chartular von Psalmodi „Livre vert“ , wohl aus B (E); ebd., G 110720, notarielle Abschrift 1687, aus D (F); ebd., H 125, S. 58, Abschrift Ende 17. Jh., aus D (G); ebd., H 1152, Abschrift Ende 17. o. 18. Jh., aus B und D (H); Paris, BnF, Ms. lat. 17066, fol. 15r-16v, Abschrift 1745, mit Nachzeichnung des M (I). -- Drucke: Bouquet VIII, Nr. 45 S. 466f., aus I = Devic / Vaissète3 II, Preuves, Nr. 122 Sp. 251-253; D Ka. II. 54. -- Regg.: Bréquigny I, S. 214; B 1566.

Kommentar

Trotz der Angabe 2 statt richtig 5 für das Regierungsjahr ist die Urkunde zweifelsfrei dem Jahr 844 zuzuordnen, zu dem auch Indiktion, Tages- und Monatsdatum, Ausstellort und der Empfänger gut passen; Tessier, Vorbemerkung zu D 54, hält das Regierungsjahr für einen Lesefehler des Schreibers von B, der die Ziffer V des Originals als II interpretiert habe; so auch schon Lot / Halphen, S. 103 Anm. 1. -- Zur Ausstellung während der Belagerung von Toulouse siehe Reg. 409. -- Zur Überlieferung vgl. Tessier, Vorbemerkung, S. 151 Anm. 3 und S. 152 m. Anm. 1, 2: Die Nachzeichnung des 12. Jh. stand ursprünglich auf demselben Pergamentblatt wie eine Abschrift von BM2 599, oberhalb von dieser; die beiden Stücke wurden zu unbekanntem Zeitpunkt getrennt; so schon Lot / Halphen, a.a.O. Zum Chartular E (Stein, Bibliographie, Nr. 3113) Tessier, S. 152 Anm. 1. -- Die Arenga (Hausmann / Gawlik, Nr. 3374) ist sonst nicht belegt; zum Notar Aeneas siehe Reg. 343; er rekognoszierte zuletzt D 32 in Limoges. -- An älteren Urkunden für Psalmodi ist nur die Schutz- und Immunitätsurkunde Ludwigs d. Fr. für Abt Theodemir / Theutmirus (BM2 599) von 815 überliefert, in der dem Kloster auch das Recht der freien Abtswahl gewährt wird; D Kar. 303 ist eine Fälschung des 10./11. Jh. auf den Namen Karls d. Gr. Eine Restituierung von Besitz durch Ludwig d. Fr., wie der Text von D 54 nahelegt, ist nicht bekannt (Dep.?). Karl d. E. bestätigt dem Kloster 909, die Formulierungen der Urkunde Ludwigs teilweise wiederaufnehmend, Schutz und Immunität sowie das Recht der Abtswahl (D Ka. III. 61); er erwähnt dabei precepta seiner progenitores; eine Immunitätsbestätigung durch Karl d. K. ist aber nicht überliefert. -- Zum auf einer Insel inmitten der Lagunen der Camargue gelegenen Kloster Psalmodi, dép. Gard, arr. Nîmes, con Aigues-Mortes, cne Saint-Laurent-d'Aigouze, vgl. Les étangs à l'époque médiévale, S. 103-143; Saint-Jean, Monuments; Caille, in: LexMa VII (1995), Sp. 302: Ende 8. Jh. gegründet, zählte das Kloster 815 140 Mönche; es verkaufte 1240 an Kg. Ludwig d. Hl. das Gebiet, auf dem dieser Aigues-Mortes errichten ließ; im 16. Jh. wurde das Kloster völlig zerstört. Zu Graf Bernhard (von Septimanien) siehe Reg. 7. Einen Bischof von Nîmes Franciscus gibt es nicht; mit Tessier ist wohl ein Lesefehler des Schreibers von B anzunehmen. Es ist aber nicht bekannt, wer zwischen Christianus (ca. 808-835) und Isnardus (ca. 858-867) Bischof von Nîmes war. Zum Gau von Nîmes vgl. Engels, Schutzgedanke, Kartenanhang; Magnou-Nortier, La société laïque, Document 4 S. 571; zum Gau von Maguelone, dép. Hérault, arr. Montpellier, con Frontignan, Engels, ebd.; zu Stadt und Bistum Maguelone Kaiser, Bischofsherrschaft, S. 309-313; Février, in: Topographie chrétienne VII, S. 51f.; Hélas, in: LexMA VI (1993), Sp. 103f. -- Bei den sicher identifizierten Orten handelt es sich um Teillan: Le Grand-Teillan und Le Petit-Teillan, dép. Gard, arr. Nîmes, con Vauvert, cne Aimargues; Saussines, dép. Hérault, arr. Montpellier, con Lunel, und La Pinède, dép. Gard, arr. Nîmes, con und cne Aigues-Mortes; zu den übrigen vgl. Tessier, Anmerkungen zu D 54, S. 151 Anm. 1 und 2. -- Vgl. noch Tessier II, Additions et corrections, S. 668 (Druckfehler proficiat).

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI I,2,1 n. 435, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0844-06-30_1_0_1_2_1_435_435
(Abgerufen am 07.12.2016).