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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,2,1

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Schlacht bei Angoulême: Während Karl die Stadt Toulouse belagert, greifen Pippin II. von Aquitanien und Wilhelm, Sohn des Bernhard von Septimanien, seine von Norden heranziehenden Nachschubtruppen an und schlagen sie im Gau von Angoulême (in pago Ecolisimo, Ann. Bertiniani) vernichtend; zu den Gefallenen zählen Abt Hugo (von Saint-Quentin und Saint-Bertin), Sohn Karls d. Gr., Abt Richbod (Richboto, Rihboto) (von Saint-Riquier), Enkel Karls d. Gr., und die Grafen Eckard und Hraban, Bannerträger (Rauanus, Ann. Bertiniani; Hraban quoque signifer, Ann. Fuldenses), gefangengenommen werden Bischof Ebroin von Poitiers, Bischof Ragenar von Amiens, Abt Lupus (von Ferrières), zwei Söhne des Grafen Eckard, ein weiterer Eckard, die Grafen Guntard und Richwin (Richuinus), Engilwin und viele andere.

Überlieferung/Literatur

Ann. Bertiniani, ad a. 844, ed. Grat, S. 46f.; Ann. Fuldenses, ad a. 844, ed. Kurze, S. 34f. (zu Juni 7); Ann. Xantenses, ad a. 844, ed. Simson, S. 13; Ann. Laubacenses, ad a. 844, ed. Pertz, S. 15 (zu 846); Folcwin, Gesta abbatum Sithiensium, ed. Holder-Egger, S. 618 Z. 12f.; Lupus, Epp., ed. Dümmler, Nr. 91 S. 80f.; ed. Levillain, Nr. 35 S. 154.

Kommentar

Das Tagesdatum XVIII. Kal. Iul. nennen Folcwin und die Ann. Laubacenses, letztere auch den Wochentag Samstag; die Ann. Fuldenses geben den 7. Juni (VII. Id. Iun.) an. Der Ort der Schlacht ist über die Angaben der Ann. Bertiniani hinaus unbekannt; die Stadt Angoulême liegt rund 250 km (Luftlinie) von Toulouse entfernt und gehörte zu Aquitanien. -- Zu Wilhelm, Sohn Bernhards, siehe Regg. 221f. -- Die ausführlichste Liste der Gefallenen und Gefangenen liefern die Ann. Bertiniani; zu allen Genannten vgl. Grat, a.a.O., S. 46 Anm. 4, S. 47 Anm. 1-10. Die Identität Abt Hugos ist klar, jedoch war er nicht Abt von Lobbes, wie Grat schreibt; siehe zu ihm Reg. 117, zuletzt Reg. 346. Das Epitaph auf Hugo (MGH Poetae lat. II, S. 139f.) beschreibt, wie Pippin II. den nackten Leichnam seines Onkels Hugo auf dem Schlachtfeld findet und beweint. -- Grat hält Abt Richbod für einen Bruder Nithards; vgl. jedoch Werner, Die Nachkommen, Nr. 19 S. 448; vgl. Reg. 363. Graf Eckard war wohl Graf von Amiens, so Grat in der Folge von Grierson, L'origine, S. 84-86; vgl. auch Kaiser, Bischofsherrschaft, S. 601. Einer seiner beiden hier genannten Söhne ist namentlich unbekannt, der zweite hieß ebenfalls Eckard und war wohl auch Graf von Amiens; so Grierson, ebd., S. 85, und Grat. Der weitere als gefangen genannte Eckard war Graf von Autun, später auch Chalon und Mâcon; zu ihm auch Levillain, Les Nibelungen historiques, S. 337-408; zum Problem der Grafen von Autun Bouchard, Genealogy; zu Eckard ebd., S. 142-143. Der Bannerträger Graf Hraban ist vielleicht der schon früher erwähnte Getreue Karls (Reg. 253), der Kirchengut aus Reimser Besitz erhalten hatte (Regg. 375, 382). Zu Bischof Ebroin von Poitiers siehe Reg. 96, zuletzt Reg. 267; zu Bischof Ragenar von Amiens (834-849) vgl. Duchesne, Fastes III, S. 129f. Lupus von Ferrières wurde auf Vermittlung des Grafen von Angoulême Turpion bald wieder freigelassen und konnte am 5. Juli in sein Kloster zurückkehren, wie er selbst in einem Brief an Abt Markward von Prüm wohl wenig später berichtet (Ep. 35; vgl. auch Epp. 34, 45); vgl. zu ihm Reg. 131, zuletzt Reg. 400. Graf Guntard ist sonst nicht bekannt. Richwin ist wohl der Getreue Karls, der die Beschlüsse von Coulaines an Ludwig d. Dt. überbracht und Reimser Kirchengut erhalten hatte (Regg. 372, 397). Engilwin ist vielleicht identisch mit dem Getreuen Karls Ingelwin, der 840-847 mehrfach Schenkungen erhielt (DD 95, 96); in ihm sieht Grierson, a.a.O., einen Grafen von Amiens, so auch Kaiser, Bischofsherrschaft, S. 601, Grat dagegen einen Grafen von Vendeuil. -- Vielleicht zählte auch Nithard zu den Gefallenen der Schlacht; vgl. dazu Nelson, Public Histories, S. 291-293 (gegen den Ansatz von Nithards Tod zu 845 Mai 15, mit der älteren Lit.); zustimmend Krah, Die Entstehung, S. 176-180. Zur Identifizierung des 1989 in Saint-Riquier ergrabenen, eine Schädelverletzung aufweisenden Skeletts mit Nithards Überresten vgl. Bernard, A Saint-Riquier; Guy, Anthropologie; Treffort, Nithard, S. 415. -- Vgl. noch Dümmler, Geschichte I, S. 247f.; Lot / Halphen, S. 112-117; Levillain, L'archichapelain Ebroin, S. 190f.; Auzias, S. 209-212; Nelson, Charles the Bald, S. 141; Smith, Province and empire, S. 95; Scharff, Die Kämpfe, S. 203.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,2,1 n. 429, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0844-06-14_1_0_1_2_1_429_429
(Abgerufen am 06.12.2016).