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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,2,1

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Karl bestätigt der Bischofskirche zu Girona (Gerundensis ecclesia) auf Bitten des dortigen Bischofs Gundemar (vir venerabilis Gundemarus episcopus) die vorgelegte Urkunde seines Vaters Ludwig (d. Fr.) (BM2 934) für den Bischof Wimer, der zufolge Ludwig die Kirche in seinen Schutz genommen und den von seinem (Karls) Großvater Kaiser Karl (d. Gr.) geschenkten Besitz (Dep.?) bestätigt hatte, nämlich im Gau von Empúries (in pago Empuritano) vier (genannte) Villen, die der Kirche durch den verstorbenen Grafen Bernhard (von Septimanien) (quondam Bernardus comes) entzogen worden waren, im Gau von Girona (in pago Gerundense) Besitz in drei (genannten) Villen, im Gau von Besalú (in pago Bisuldunense) neun (genannte) Villen und villares, außerdem ein Drittel des Weidegeldes (pascuarii) und des Zolls (telonei) der Kaufleute zu Lande und zu Wasser in den in der Diözese Girona gelegenen Grafschaften, nämlich Girona, Peralada, Empúries und Besalú; Karl überträgt (complacuit ... conferre seu legaliter delegare) der Kirche zudem auf Mahnung (ad admonitionem) Bischof Gundemars zu seinem Seelenheil (ob absolutionem peccatorum nostrorum) die Zelle Sant Climent (sancti Clementi) sowie die Villen Fonteta (Fons Edictus) und Abella (Apiliares, Apiolas) mit Zubehör und gewährt Schutz und Immunität mit Introitusverbot. -- Gebetswunsch pro nobis, coniuge proleque ac totius populi christiani salute. -- Deormarus not. ad vicem Ludovici. -- M (aus Kopie). SR (aus Kopie). -- a. r. 4, Ind. 7. -- „Petitiones denique“ .

Originaldatierung:
(III. Id. Iun., in monasterio sancti Saturnini dum obsideretur Tholosa)

Überlieferung/Literatur

Kopien: Girona, Arxiu Capitular, Pergaminos, Nr. 2 (olim Armario 3, Estante 23, Legajo 7), Abschrift 10. Jh., wohl aus dem Or. (B); Girona, Arxiu Diocesà, Cartoral de Carlemany, S. 4a-6a, Abschrift 13. Jh. (C1); Girona, Arxiu Capitular, Manuscritos, Nr. 7, Liber Viridis (Llibre Verd del Capítol de Girona), fol. 179r-180r, Abschrift 14. Jh. (C2a); ebd., fol. 181v-182v, Abschrift 14. Jh., ohne Eschatokoll (C2b); Paris, BnF, Coll. Baluze 116, fol. 154r-155r, Abschrift Plares (?) 17. Jh., wohl aus dem Or. (E); Paris, BnF, Coll. Baluze 238, fol. 94v-95v, Abschrift 17. Jh., aus E (F); Paris, BnF, Coll. Baluze 108, fol. 156r-157v, Abschrift 17. Jh., aus C1 (G); ebd., fol. 189r-190v, Abschrift 17. Jh., aus C2a (H); ebd., fol. 193r-194v, Abschrift 17. Jh., aus C2b (I); Paris, BnF, Ms. lat. 11897, fol. 90r-v, Abschrift Ende 17. Jh., aus Druck bei Baluze (K). -- Drucke: Baluze, Capitularia II, 11677, Nr. 64 Sp. 1449-1451, aus G = 21773, Nr. 64 Sp. 960f. = Mansi 18bis, Nr. 64 Sp. 1449-1451 = Bouquet VIII, Nr. 41 S. 462f. = Florez, España sagrada 43, Nr. 8 S. 379-382 (leicht gekürzt); D Ka. II. 47; Abadal, Catalunya carolíngia II/1, Nr. 3 S. 125-130; Marquès, Cartoral, Nr. 7 S. 66-69. -- Regg.: Georgisch I, Nr. 19/844 Sp. 104; Bréquigny I, S. 213; B 1561; Monsalvatje, Colección I, Nr. 16 S. 107, mit Textauszug; Botet, Cartoral, Nr. 7 S. 96.

Kommentar

Die Angaben zu Regierungsjahr und Indiktion sind korrekt; zur Ausstellung während der Belagerung von Toulouse siehe Reg. 409. -- Zur Überlieferung vgl. Tessier, Vorbemerkung zu D 47: Eine Gruppe der Kopien geht direkt (B, E) oder indirekt (C2a, F, I) auf das Original zurück, die andere direkt (C1, C2b) oder indirekt (G, H, die älteren Drucke) auf eine andere, unbekannte Quelle; Tessier hält es für möglich, daß die Urkunde in zwei leicht voneinander abweichenden Ausfertigungen vorlag, deren Text die Kopien jedoch nicht getreu wiedergeben. -- Der Text übernimmt, von Tessier durch Petitdruck gekennzeichnet, aus der Vorurkunde Ludwigs d. Fr. von 834 Dezember 2 (BM2 934) einige Wendungen der Pertinenzformel, die Bestimmungen zur Immunität, den Gebetswunsch und die Corroboratio, ist sonst jedoch von der Vorlage unabhängig. Die Arenga (Hausmann / Gawlik, Nr. 1509) findet sich wörtlich übereinstimmend in zwei Urkunden Pippins I. von Aquitanien (DD P. I. 22, 49 für Saint-Maur-des-Fossés und Solignac, vgl. dazu Levillain, Vorbemerkung zu D 49, S. 185-195), deren eine, D 22, ein Deperditum Ludwigs d. Fr. bestätigt; die Arenga in D 47 ist daher wohl einer unbekannten Urkunde Ludwigs d. Fr. entlehnt. -- Zum rekognoszierenden Notar Deormarus siehe Reg. 329. -- Ob ein Deperditum Karls d. Gr. (das bei Lechner fehlen würde) vorliegt, wie Bautier, Vorbemerkung zu D Kn. II. 58, und Engels, Schutzgedanke, S. 40 m. Anm. 57, annehmen, ist nicht sicher; BM2 934 und D 47 erwähnen zwar Schenkungen Karls d. Gr., jedoch nicht ausdrücklich eine Urkunde. Karl d. K. urkundet nur hier für die Kirche von Girona; D 47 wird bestätigt von Ludwig d. St. (Dep., wohl von 878: D Lu. II. 21); die Urkunden Karls und Ludwigs d. St. werden erneut bestätigt von Karlmann (D Kn. II. 58), Karl III. (D Kl. III. 148), Karl III., d. E. (DD Ka. III. 19, 120); Odo schließlich bestätigt in allgemeiner Form die Privilegien seiner Vorgänger (D O. 28). -- Zur Sache vgl. umfassend Engels, Schutzgedanke, S. 39-41; zum Zoll ebd., S. 43f., und Adam, Das Zollwesen, S. 154, 189, 210. Zu Girona, Spanien, vgl. Engels, in: LexMA IV (1989), Sp. 1351 f. (Lit.). Gundemar ist als Bischof von Girona 842-850 belegt (Gams, S. 32); vgl. noch Kienast, Die fränkische Vasallität, S. 387 m. Anm. 1347. Bischof Wimer oder Guimer wird nur in BM2 934 und D 47 genannt. Zu Bernhard von Septimanien, hier zuerst ausdrücklich als verstorben gekennzeichnet, siehe Reg. 7, zuletzt Reg. 415. Die Orte sind fast alle identifiziert und lokalisiert bei Abadal, Catalunya carolíngia II/2; vgl. auch Tessier II, Additions et corrections, S. 668; bei der Zelle sancti Clementi handelt es sich um Sant Climent de Peralta, Spanien, com. Baix Empordà, mun. Peratallada; bei Fons Edictus und Apiliares oder Apiolas um Fonteta und Abella, beide com. Baix Empordà. Zu den Gauen bzw. Grafschaften Empúries, Girona, Besalú und Peralada vgl. Engels, Schutzgedanke, Kartenanhang, Beilage I. -- Vgl. Lot / Halphen, S. 103 m. Anm. 4.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,2,1 n. 427, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0844-06-11_2_0_1_2_1_427_427
(Abgerufen am 02.12.2016).