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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,2,1

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Karl berichtet, daß einige in der Grafschaft Béziers auf königlichen Gütern lebende Hispanier (quidam Hispani in comitatu Biterrensi consistentes ac in nostrae proprietatis praediis commanentes), nämlich Ranemirus, der Priester Hansemundus, Aurifolio, Elias, der Priester Mirabilis und Cicila, während der Belagerung von Toulouse und des Aufenthalts im Kloster Saint-Sernin zu ihm kamen und berichteten, wie Ildericus, Petrus, Ermenisilus und andere ihrer Verwandten und Vorfahren in die Villen Aspirianus und Albinianus geflohen waren, diese fast wie Eigentum besessen hatten (eas iuste tenerent et quasi proprietario iure possiderent) und sie mit Erlaubnis (per licentiam seu concessionem) seines Großvaters Karl (d. Gr.) und seines Vaters Ludwig (d. Fr.) urbar gemacht hatten (ex deserti squalore habitabiles frugumque uberes proprio labore fecerunt); nach von Karl angeordneten Nachforschungen durch einige seiner Getreuen (fideles), nämlich Erzbischof Noto (von Arles), den Pfalzgrafen Hilmerad (Elmerado sacri palatii nostri comiti), den Markgrafen Sunifrid (Suniefrido ... marchioni), den Grafen Suniar (Suniario comiti) und andere (diversisque nobilibus nostris), bestätigt er den Genannten und ihren Nachkommen die Besitzungen (aprisionibus sive hereditatibus), nimmt sie in seinen Schutz (sub mundeburdo nostrae defensionis), bestimmt für den Fall, daß einer unter ihnen ohne Söhne oder Enkel stirbt, daß sein Besitz an seine nächsten Verwandten fallen soll, und gewährt ihnen das Recht, den Besitz unter sich zu tauschen und zu verkaufen. -- Deormarius (!) not. ad vicem Ludovici. -- Ohne Signumzeile. -- a. r. 4, Ind. 7. -- „Cum clamoribus“ .

Originaldatierung:
(XIV. Kal. Iun., in monasterio sancti Saturnini dum obsideretur Tolosa)

Überlieferung/Literatur

Kopien: Paris, BnF, Ms. lat. 11897, fol. 86r, Abschrift Ende 17. Jh., aus Druck bei Catel (E). -- Drucke: Catel, Mémoires, S. 559, „archifs de Sainct-Nazaire de Besiers“ ; Baluze, Capitularia II, 11677, Nr. 59 Sp. 1444f., „ex archivo ecclesiae Biterrensis“ = 21773, Nr. 59 Sp. 956f. = Mansi 18bis, Nr. 59 Sp. 1444f.; Le Cointe, Annales VIII, S. 717f.; Devic / Vaissète1 I, Preuves, Nr. 65 Sp. 84; Devic / Vaissète2 II, Preuves, Nr. 65 S. 634; Bouquet VIII, Nr. 35 S. 456f.; Devic / Vaissète3 II, Preuves, Nr. 110 Sp. 228f.; Monsalvatje, Colección I, Nr. 15 S. 105-107; D Ka. II. 40 = Abadal, Catalunya carolíngia II/2, Nr. 16 S. 335-337. -- Regg.: Georgisch I, Nr. 13/844 Sp. 103; Bréquigny I, S. 213; B 1556; Molinier, Catalogue des actes relatifs à l'évêché de Béziers, Nr. 1 Sp. 1416.

Kommentar

Die Angaben zu Indiktion und Regierungsjahr sind korrekt; zur Ausstellung während der Belagerung von Toulouse siehe Reg. 409. -- Eine mittelalterliche Überlieferung fehlt; die beiden frühesten Drucke gehen auf unterschiedliche Abschriften einer im Text bereits verstümmelten Kopie des Originals zurück. Trotz der schlechten Überlieferung bestehen an der Echtheit keine Zweifel; vgl. Tessier, Vorbemerkung zu D 40. -- Die nur unvollständig überlieferte Arenga (Hausmann / Gawlik, Nr. 319) ist sonst nicht belegt; eine Signierung wird in der Corroboratio nicht angekündigt. -- Zum Notar Deormarus (Deormarius im hier verderbten Text) siehe Reg. 329. -- Unklar ist, ob es sich bei den erwähnten Urkunden Karls d. Gr. und Ludwigs d. Fr. um Privilegien für die Vorfahren der in D 40 Genannten handelt (dann wären es Deperdita), oder ob auf die Kapitularien von 812, 815 und 816 (MGH Capit. I, Nr. 76, 132, 133) Bezug genommen wird. -- Die Empfänger gehören zu den Hispani genannten, in der Spanischen Mark und Septimanien angesiedelten Flüchtlingen vor den Arabern; zu ihnen und zu den aprisiones siehe Reg. 407. Zur Vergabe von Königsgut durch Karl d. Gr., Ludwig d. Fr. und Karl d. K. in Aquitanien allgemein vgl. Martindale, The Kingdom of Aquitaine; zur vorliegenden Urkunde besonders ebd., S. 182f. Nr. 29; zur Sache und zur Bedeutung der Wendung quasi proprietario iure vgl. Sorhagen, Die karolingischen Kolonisationsprivilegien, S. 78f.; Dorn, Die Landschenkungen, S. 166; Krah, Die Entstehung, S. 270f. -- Zu den fideles, die Nachforschungen erhoben hatten: Bei Erzbischof Noto muß es sich um den schon seit 824 bezeugten Erzbischof von Arles handeln; vgl. Duchesne, Fastes I, S. 253; zurückzuweisen ist der Vorschlag von Salrach, El procés II, S. 18, dem zufolge Noto von Reims (der Abt von Saint-Remi, nicht Erzbischof war) oder ein Bischof von Narbonne gemeint seien. Auch Lot / Halphen, S. 106, bezeichnen Noto irrtümlich als Erzbischof von Narbonne; Erzbischof von Narbonne war jedoch Berarius; siehe Reg. 430. -- Pfalzgraf Hilmerad fällt im August 851 im Kampf gegen die Bretonen bei Redon; weiter ist über ihn nichts bekannt. -- Zu Sunifrid, als Markgraf Nachfolger Bernhards von Septimanien, siehe Reg. 352. -- Graf Suniar gehört wie Sunifrid zur Familie der Grafen von Carcassonne und ist, wie Valls Taberner, Un diplôme, nachweisen kann, Graf von Empúries-Roussillon; zu ihm Rovira, Història II, S. 488f., 492f.; Abadal, Els primers comtes, S. 20-24; zu seiner Familie ebd., S. 13-26, und Stammtafel S. 25; Salrach, El procés II, S. 18. -- Bei den den Hispani bestätigten Villen handelt sich wohl um Aspiran, dép. Hérault, arr. Lodève, con Clermont-l'Hérault (Tessier III, S. 267, s. v. Aspiran), und Albinian, dép. Hérault, arr. Béziers, con Agde, cne Vias (Tessier III, S. 260, s. v. Albinianus; Tessier II, Additions et corrections, S. 668), oder Abeilhan, dép. Hérault, arr. Béziers, con Servian (Font-Réaulx, Vorbemerkung zu D Kn. II. 59); Molinier hatte Saint-Étienne-d'Albagnan (dép. Hérault, arr. Béziers, con Olargues) vorgeschlagen. Sie können nicht im Besitz der in D 40 genannten Empfänger geblieben sein, denn Karlmann vergibt sie 881 August 29 erneut (D Kn. II. 59). Zur weiteren Geschichte des Besitzes vgl. dort. -- Vgl. Lot / Halphen, S. 106 m. Anm. 1.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,2,1 n. 417, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0844-05-19_3_0_1_2_1_417_417
(Abgerufen am 25.09.2016).