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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,2,1

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Karl läßt den Markgrafen Bernhard von Septimanien wegen Hochverrat in Aquitanien hinrichten.

Überlieferung/Literatur

Ann. Bertiniani, ad a. 844, ed. Grat, S. 45 (Bernardus comes marce Hispanicae, iam dudum grandia moliens summisque inhians, maiestatis reus Francorum iudicio, iussu Karoli in Aquitania capitalem sententiam subiit); ebd., ad a. 864, ed. Grat, S. 113; Ann. Fuldenses, ad a. 844, ed. Kurze, S. 34 (Karlus Bernhartum Barcenonensem ducem incautum et nihil ab eo mali suspicantem occidit); Ann. Xantenses, ad a. 844, ed. Simson, S. 13 (Bernhardus comes a Karolo est occisus).

Kommentar

Die Daten der Ergreifung Bernhards, seiner Verurteilung und Hinrichtung sind in den Quellen nicht sicher bezeugt und in der Forschung umstritten; die Datierungsversuche bewegen sich im allgemeinen zwischen Anfang Februar und Ende Juni 843; eine Ausnahme stellt Malbos, La capture, dar, die auf einen Autor des 17. Jh. gestützt auch den Sommer 843 in Betracht zieht. -- Die Ann. Bertiniani sprechen von einem Urteil der Franken und lassen daher einen Prozeß der Großen vermuten, erwähnen ausdrücklich aber auch den Befehl Karls zur Hinrichtung; Hinkmar von Reims betont in der Fortführung der Annalen später (zu 864) die Tatsache einer Hinrichtung nach einem Urteil mit nahezu gleichem Wortlaut (Francorum iuditio). Das hat viele Autoren an eine Reichsversammlung denken lassen; die Ereignisse könnten schon vor der Ankunft vor Toulouse stattgefunden haben (so Malbos, La capture; Nelson, The Annals of St-Bertin, S. 57 Anm. 1), etwa in Limoges (Reg. 404) (so Nelson, The reign of Charles the Bald, S. 5; Nelson, Charles the Bald, S. 139f.). Daß den Ann. Fuldenses zufolge Bernhard sich sicher fühlte und nicht mit Karls Vorgehen rechnete, spricht gegen die Annahme, Bernhard habe Toulouse während der Belagerung durch Karl befehligt (so Auzias, S. 187; Kienast, Die fränkische Vasallität, S. 322; Krah, Die Entstehung, S. 269), und auch gegen die Datierung des Prozesses und der Hinrichtung auf die Zeit zwischen dem 25.6. und 30.6. durch Krah, Die Entstehung, S. 269. Als Terminus ante quem läßt sich die Erwähnung des Grafen Sunifrid als marchio und damit als Nachfolger Bernhards als Markgraf von Sepimanien in D 40 sehen (Reg. 417); ausdrücklich als verstorben (quondam) bezeichnet wird Bernhard in D 47 vom 11. Juni und in D 54 vom 30. Juni. Späte Quellen berichten von einem Tod Bernhards in Saint-Sernin, so die einem gewissen Odo Aribertus zugeschriebene Narratio de morte Bernardi (in: Bouquet VII, S. 286f.); vgl. Wenck, Das fränkische Reich, S. 85f.; Dümmler, Geschichte I, S. 245 Anm. 3. Mit Dümmler, Geschichte I, S. 246f., ist darauf hinzuweisen, daß der Zustrom von geistlichen und weltlichen Würdenträgern aus Septimanien und der spanischen Mark in der Zeit von Mai bis Juni an Karls Hof Indiz dafür ist, daß Karl mit der Beseitigung Bernhards seine Oberhoheit über diese Gebiete hergestellt hatte. -- Die von Dümmler, Geschichte I, S. 246 Anm. 1, angeführte Nachricht in den Ann. Engolismenses (ad a. 844, ed. Pertz, S. 486) ist nicht auf Bernhard von Septimanien, sondern auf den Grafen Bernhard von Poitou zu beziehen (Reg. 422). -- Zu Bernhard von Septimanien siehe Reg. 7, zuletzt Reg. 221. -- Vgl. noch Dümmler, Geschichte I, S. 245-247; Calmette, De Bernardo, S. 92f. (Tod im Februar); Lot, in: Le Moyen Age 17 (1904), S. 148-154 (Tod im April); Calmette, La famille de saint Guilhem (1906), S. 163-165 (Tod 5.4.-19.5.); Lot / Halphen, S. 99f. m. Anm. 3; Auzias, S. 187f. (Tod im Mai, vor D 40); Wollasch, Eine adlige Familie, S. 167; Malbos, La capture; Brunner, Oppositionelle Gruppen, S. 126; Krah, Absetzungsverfahren, S. 90 Anm. 2 (Tod vor Juni 11, D 47); Martindale, Charles the Bald and the government, S. 119f.; Kienast, Die fränkische Vasallität, S. 322f. m. Anm. 1097.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,2,1 n. 415, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0844-05-19_1_0_1_2_1_415_415
(Abgerufen am 28.09.2016).