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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,2,1

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Karl bestätigt dem Kloster Saint-André (monasterium sancti Andreae) am Fluß Tech (Tacidum) im Gau von Elne (in pago ... Helenensi) auf Bitten des an ihn herangetretenen dortigen Abtes Froysclus (religiosus vir Froysclus abbas) gemäß der vorgelegten Schutz- und Immunitätsurkunde seines Vaters Ludwig (d. Fr.) (BM2 914) für den Vorgänger des Froysclus, Sisegut, Schutz und Immunität mit Introitusverbot, eingeschlossen alle Zellen und Pertinenzien, darunter auch die Aprisionen, die urbar gemacht wurden (aprisionibus quas ex eremi vastitate traxerunt) oder künftig urbar gemacht werden sollten, sowie jeglicher bisher und in Zukunft durch Tausch, Kauf oder Schenkung erworbene Besitz; er schenkt dem Kloster außerdem auf Betreiben des Grafen Suniar (admonente Suniario dilecto nobis nostro comite) das Tal Saint-Martin sowie das villare Garrices mit Zubehör und verleiht dem Kloster gemäß der Regel des hl. Benedikt das Recht der freien Abtswahl. -- Gebetswunsch pro nobis coniuge proleque nostra seu stabilitate totius regni nostri. -- Ohne Eschatokoll. -- „Si servorum“ .

Überlieferung/Literatur

Kopien: Paris, BnF, Coll. Languedoc-Doat 2, „Inventaire d'une partie des copies des titres choisis dans le trésor des chartes de Sa Majesté de la cité de Carcassonne, envoyées à Paris le 29e juillet 1668“ , fol. 246r (Regest) (E). -- Drucke: Marca, Marca hispanica, Nr. 22 Sp. 784f., „circa an. 850, ex archivo regio Carcassonensi“ = Aguirre, Collectio III, S. 143f. = Bouquet VIII, Nr. 102 S. 515f.; Devic / Vaissète3 II, Preuves, Nr. 138 Sp. 284-286; Abadal, Catalunya carolíngia II/1, Nr. 2 S. 270-272; D Ka. II. 122. -- Reg.: Bréquigny I, S. 232; Monsalvatje, Colección I, Nr. 19 S. 108, zu 850.

Kommentar

Das ohne Eschatokoll und, vom Regest des 17. Jh. (E) abgesehen, nur im Druck überlieferte D 122 wurde von Tessier zunächst zu Ende 849 eingereiht, da er außer dem Terminus ante quem 869 Februar 23 (D 320, das D 122 bestätigt) keine näheren Datierungskriterien fand, Karl sich 849 in Aquitanien aufhielt und für Empfänger in der Region urkundete; vgl. Tessier, Vorbemerkung zu D 122. Abadal datierte unter Hinweis auf den seit 844 belegten Grafen Suniar, besonders aber wegen Formularähnlichkeiten zu DD 38 (Mai 14), 55 (Mai 12) und 286 (dessen Text jedoch von Abadal selbst lediglich rekonstruiert wird), sowie der Nennung Suniars in D 40 (Mai 19) auf die Zeit der Belagerung von Toulouse, genauer auf Mai. Dieser Datierung schloß sich Tessier später an (Tessier III, Introduction, S. 64f.) und hielt es mit Hinweis auf Formulargleichheit zwischen D 122 und dem vom nur 844 nachweisbaren Notar Archarius verantworteten D 38 sogar für möglich, die Redaktion von D 122 Archarius zuzuweisen. Siehe zu diesem Reg. 413. -- Zur Belagerung von Toulouse und Karls Aufenthalt im Kloster Saint-Sernin siehe Reg. 409. -- Die Arenga (Hausmann / Gawlik, Nr. 3673) ist sonst nicht belegt; Promulgatio, der Passus zur Abtswahl, Gebetswunsch und Corroboratio stimmen mit D 38 überein, zahlreiche andere Textpassagen zeigen Ähnlichkeiten. Die Immunitätsformel, insbesondere die Bestimmungen bezüglich der Aprisionen sowie Kauf, Tausch und Schenkung von Besitz, ähnelt derjenigen in D 55. In der Corroboratio wird Signierung ankündigt. Von der ebenfalls ohne Eschatokoll überlieferten Vorurkunde Ludwigs d. Fr. (BM2 914), die von Abadal, Catalunya carolíngia II/1, S. 267f., dem Juni 823 zugewiesen wird, ist D 122 dagegen stilistisch unabhängig; vgl. dazu Tessier, Vorbemerkung, S. 323 Anm. 3. Karl d. K. bestätigt dem Kloster seine Privilegien erneut 869 in D 320, das sich textlich stärker an BM2 914 als an D 122 orientiert. -- Zum südlich von Elne gelegenen Kloster Saint-André-de-Sorède (Sant Andreu de Sureda), dép. Pyrénées-Orientales, arr. Céret, con Argelès-sur-Mer, vgl. Abadal, a.a.O. S. 266; zu Graf Suniar (I. von Empúries-Roussillon) Reg. 417, zu den Aprisionen Reg. 407. -- Zum Tal Saint-Martin, von Tessier nicht näher identifiziert, vgl. Abadal, der es zunächst (Catalunya carolíngia II/1, S. 266) bei L'Albère, später (ebd. II/2, S. 469) in der Nähe von Saint-André-de-Sorède selbst vermutete. Das villare Garrices, in dem das Kloster bereits unter Ludwig d. Fr. über Besitz verfügte, wird von Tessier mit Les Garrigues, dép. Pyrénées-Orientales, arr. Céret, con Argelès-sur-Mer, cne Saint-Genis-des-Fontaines in der Nähe von Sorède identifiziert, von Salow, Sprachgeographische Untersuchungen, S. 255f. und Karte im Anhang, dagegen mit Garrius nördlich von Perpignan, zwischen Salses (dép. Pyrénées-Orientales, arr. Perpignan, con Rivesaltes) und Saint-Hilaire (heute die Ruine Garrieux?). -- Vgl. noch Tessier II, Additions et corrections, S. 669 (Hinweis auf Abadal).

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Empfohlene Zitierweise

RI I,2,1 n. 419, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0844-05-00_2_0_1_2_1_419_419
(Abgerufen am 06.12.2016).