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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,2,1

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Karl billigt eine zuvor unter seinen geistlichen und weltlichen Großen getroffene Vereinbarung (convenientia), die den honor ecclesiae (cap. 1), den honor regis (cap. 2) und den honor fidelium (cap. 3) sichern und jeden Mißbrauch von Verwandtschaft, Hausgenossenschaft oder Freundschaft mit dem König zur Erringung eines Vorteils im Reich verhindern soll (cap. 4); er gesteht den Großen das Recht zur Kritik am König zu (cap. 5) und bestimmt die Einsetzung eines kirchlichen Sühneverfahrens zur Sicherung der Einhaltung des Vertrages (cap. 6). -- a. r. 4, Ind. 6. -- „Sancta ecclesia“ .

Originaldatierung:
(in villa quae dicitur Colonia)

Überlieferung/Literatur

MGH Conc. III, Nr. 3 S. 10-17. -- Regg.: Bréquigny I, S. 211; B 1543; Werminghoff, Verzeichnis, S. 611; D Ka. II. 29.

Kommentar

Zum Tagungsort Coulaines, zum Datum und zum Itinerar Karls siehe Reg. 395. -- Von der Reichsversammlung in Coulaines ist nur ein Schriftstück erhalten, „der Form nach ... ein vom König erlassenes capitulum, der Sache nach ein zweiseitiger Vertrag“ (Kienast, Die fränkische Vasallität, S. 321). Zu Überlieferung, Drucken, Literatur sowie umfassend zum Text Hartmann, in: MGH Conc. III, S. 10-13. Der Vertrag wurde von den Teilnehmern (einschließlich Karls; so Hinkmar, in: Migne PL 125, Sp. 1066A) unterzeichnet, die Unterschriften sind jedoch nicht überliefert; siehe zum Teilnehmerkreis Reg. 395. -- Als Verfasser wollten Lot / Halphen, S. 96, und Nelson, Charles the Bald, S. 138, Lupus von Ferrières namhaft machen; ablehnend Classen, Die Verträge, S. 21, und Hartmann, S. 10. Devisse, Hincmar II, S. 1095, schlug Hinkmar vor; ablehnend ebenfalls Hartmann, S. 10, 62: Es handelt sich vielleicht um denselben (unbekannten) Verfasser wie bei den Kapiteln von Meaux-Paris und Yütz. Erneut für Hinkmar votiert Nelson, The intellectual, S. 10-14. -- Zur Bedeutung von Coulaines allgemein und zur Nachwirkung grundlegend Classen, Die Verträge, der im Vertrag von Coulaines „gleichsam die Gründungsurkunde des westfränkischen Reiches“ (S. 26) sieht; die Kapitel setzten König, Geistlichkeit und Laienadel in eine rechtliche Wechselbeziehung, auf der das Gemeinwesen beruhe (S. 23): „Das Westfrankenreich beruht fortan nicht allein auf dem Königtum Karls, sondern daneben auf der Gesamtheit seiner Fideles, die ihm als Partner gegenüberstehen“ (S. 27). Schieffer, Die Karolinger, S. 145f., sieht in Coulaines die „gleichsam konstitutionelle“ Sicherung von Karls Herrschaft; Fried, Die Formierung, S. 63, spricht von einem „regelrechten Herrschaftsvertrag“ , in dem er einen „entscheidenden Schritt auf die Verselbständigung der Frankenreiche zu Gebieten eigenen Rechts“ und Anfang einer Reihe wichtiger „Verfassungsurkunden“ erkennt. -- Zur älteren Lit. vgl. Hartmann, S. 10f.; vgl. noch Dümmler, Geschichte I, S. 244f.; Hartmann, Die Synoden, S. 202f.; Schneider, Die Einheit des Frankenreiches, S. 21-24; Krah, Die Entstehung, S. 205-225; Guillot, Dans l'avant Xe siècle, S. 154-161; zur Wendung consilium et auxilium Devisse, Essai sur l'histoire d'une expression.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,2,1 n. 396, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0843-11-00_2_0_1_2_1_396_396
(Abgerufen am 22.11.2017).