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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,2,1

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Karl, der bei einem Gebetsaufenthalt im Kloster Corbie (venientes ad monasterium Corbeie, quod est constructum in pago Ambianensi super fluvium Somana, in honorem beati Petri principis apostolorum et sancti Stephani protomartyris, causa orationis) (Reg. 353) erfahren hat, daß die bislang dem Fiskus gehörende Brücke (pons ... qui aliquando ad ius publicum pertinebat) über die Somme (Somana) bei Daours (Durdis) für die Mönche von Nutzen wäre, überträgt zum Seelenheil seines Vaters Ludwig (d. Fr.) und zu seinem eigenen (pro anime piissimi genitoris nostri Hludovici elemosina sive pro nostra eterne remuneratione beatitudinis) dem Kloster diese Brücke mit dem zugehörigen Zoll (vectigal) zur freien Verfügung. -- Gebetswunsch pro nobis et coniuge nostra totiusque regni nobis a Deo collati pace et stabilitate. -- Ohne Signum- und Rekognitionszeilen. -- a. r. 3. -- „Regum semper“ .

Überlieferung/Literatur

Kopien: Paris, BnF, Ms. lat. 17758, Fragment des dem „Cartulaire noir“ von Corbie angefügten Chartulars, 12. Jh., fol. Bv Sp. 2 -- fol. Cr Sp. 1, „De ponte Durdis“ (C); Paris, BnF, Ms. franç. 9468, fol. 184r-v, Abschrift Du Cange 17. Jh. (E); Amiens, Arch. dép. de la Somme, 9 H 9, Einzelabschrift 17. Jh. (F); Paris, BnF, Ms. lat. 17142, fol. 131r-v, Abschrift Bonnefons 17. Jh. (G); Paris, Bibl. de l'Arsenal, Ms. 4103, fol. 31r-v, Abschrift 18. Jh. (H); Paris, BnF, Coll. de Picardie 53, fol. 14r-v, Abschrift Grenier 18. Jh. (I); Paris, BnF, Coll. de Picardie 233, fol. 28r-v, Abschrift Grenier 18. Jh. (K); Paris, BnF, Coll. Moreau 1, fol. 149r-v, Abschrift Grenier 18. Jh. (L). -- Drucke: Du Cange, Histoire de l'état de la ville d'Amiens, S. 23 Anm. (aus C); Bordier, Des droits de justice, S. 213 (Auszug aus I, K oder L, zu 842); Levillain, Examen critique, Nr. 26 S. 255f.; D Ka. II. 18.

Kommentar

Terminus post quem des sachlich echten, aber verderbt überlieferten D 18 ist der 13. oder 14. Dezember 842 (Reg. 341), da der Gebetswunsch die Gemahlin Karls berücksichtigt, Terminus ante quem, vertraut man der Angabe des Regierungsjahres 3, der 20. Juni 843. Innerhalb dieser Zeit fügt sich ein Aufenthalt in Corbie und Amiens am besten zu Ende Januar / Anfang Februar 843 in das Itinerar Karls, der auf dem Weg von Arras (D 17) nach Aquitanien war. Am 18. Februar ist der König in Vernantes bezeugt (D 19), von wo aus er über Tours nach Aquitanien zog; für die Monate März bis Mai ist sein Itinerar schlecht überliefert, so daß auch eine Ausstellung innerhalb dieses Zeitraums nicht völlig ausgeschlossen werden kann. Levillain, Examen critique, S. 121-123, plädiert für eine Einordnung zu Anfang Februar (er datiert allerdings das 844 Februar 8 in Limoges ausgestellte D 32 noch auf 843); dem schließen sich Lot / Halphen, S. 61 m. Anm. 7 (zu Ende Januar), und Tessier an. -- Zum Ausstellort Amiens vgl. Vercauteren, Étude sur les civitates, S. 289-317; Kaiser, Bischofsherrschaft, S. 598-607. -- Zur Überlieferung von Corbie allgemein vgl. Levillain, Examen critique, zum Chartular C (Stein, Bibliographie, Nr. 1053) ebd., S. 20-22, zur vorliegenden Urkunde ebd., S. 121-123, auch S. 334f. Der in C überlieferte Text geht höchstwahrscheinlich nicht auf das verlorene Original, sondern auf eine ebenfalls verlorene Vorlage zurück, die den Text des Diploms bereits paraphrasierend und kommentierend wiedergab; die neuzeitlichen Kopien gehen alle direkt oder indirekt auf C zurück, bis auf zwei, die vielleicht die verlorene Vorlage von C kopieren. Levillain und Tessier vertreten voneinander abweichende Meinungen, welche der Kopien sich statt auf C auf dessen verlorene Vorlage stützt (Levillain: H, Tessier: E); sie stellen zudem unterschiedliche Theorien zur Abhängigkeit der modernen Kopien untereinander auf. Da die Textvarianten jedoch sehr gering sind und sich auf Orthographie und Grammatik beschränken, braucht die Frage der Abhängigkeiten hier nicht behandelt zu werden. -- Die Mängel und Ungereimtheiten im Text der Urkunde, die Tessier nur unter Bedenken den echten Diplomen zuordnet, erklärt Levillain mit dieser Überlieferung: Die überlange, aus drei Teilen bestehende Arenga (Hausmann / Gawlik, Nr. 2280) ist singulär und nicht kanzleigemäß; die Rekognition fehlt, die Datierung ist unvollständig und inkorrekt. Mit Levillain ist trotz dieser Mängel für die sachliche Echtheit zu plädieren. Eine Signierung wird in der Corroboratio nicht angekündigt; zur Nachzeichnung des Siegels in C, Tessier zufolge Phantasieprodukt des späten 13. Jh., vgl. Chassel, Dessins, S. 163, 165 („vers 1230“ ). -- Karl hatte bereits kurz nach seinem Regierungsantritt für Corbie geurkundet (Dep., D 7); zum Empfänger allgemein siehe dort (Reg. 248). Wenig später urkundete Karl erneut für das Kloster (D 26). -- Zu den Brücken im mittelalterlichen Frankreich allgemein vgl. Boyer, Medieval French bridges, die jedoch die Sommebrücke bei dem etwa 5,5 km westlich von Corbie zwischen Corbie und Amiens gelegenen Ort Daours (dép. Somme, arr. Amiens, con Corbie) nicht erwähnt. Zu D 18 und zum Terminus vectigal vgl. Adam, Das Zollwesen, S. 39 Anm. 6, S. 37f.; vgl. auch ebd., S. 142. -- Vgl. noch Tessier III, Introduction, S. 208 m. Anm. 1; Szabó, Antikes Erbe, S. 135 m. Anm. 60; Stoclet, Immunes, S. 196f. Anm. 42.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,2,1 n. (†)355, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0842-12-13_3_0_1_2_1_355_355
(Abgerufen am 25.09.2016).