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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,2,1

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Karl gewährt Agilmar, dem gewählten Erzbischof (von Vienne) (Agilmarus venerabilis vocatus archiepiscopus) auf dessen Bitte für sein von Vater- und Mutterseite in Aquitanien und Burgund ererbtes Eigengut (res suae proprietatis ... tam de paterna quamque materna hereditate in regno Aquitanico atque Burgundiae) und künftig dort zu erwerbendes Gut Schutz und Immunität (in nostra maneant tuitione atque immunitatis defensione) und untersagt jegliche Behinderung der auf diesen Gütern ansässigen Freien (ubicumque libera persona super eius proprium manere decreverit, ut inibi sub eius ordinatione quiete degat, nullam iniquam contrarietatem sib[i] ... administratoribus inferri formidans). -- Ohne Rekognition. -- M (aus Kopie). -- a. r. 3, Ind. 4. -- „Si petitionibus“ .

Originaldatierung:
(VIIII. Kal. Dec., in villa Theormsthein)

Überlieferung/Literatur

Kopien: Paris, BnF, Coll. Baluze 75, fol. 359r-360r, Abschrift Baluze 17. Jh., aus dem 1771 noch vorhandenen, später verlorenen Chartular des Domkapitels von Vienne aus dem 12. Jh., fol. 74r (E); ebd., Ms. lat. 5214, S. 57f. (= fol. 29r-v), Abschrift 17. Jh. aus derselben Quelle wie E (F); zwei Abschriften Ende 17. Jh. aus dem Druck bei Baluze verzeichnet Tessier. -- Drucke: Baluze, Capitularia II, 11677, Nr. 77 Sp. 1465, „ex chartulario ecclesiae Viennensis“ (zu 855, Karl von der Provence) = 21773, Nr. 77 Sp. 969f. = Mansi 18bis, Nr. 77 Sp. 1465 = Bouquet VIII, S. 675 (zu 856, Karl von Aquitanien); D Ka. II. 13. -- Regg.: Georgisch I, Nr. 16/855 Sp. 118 (zu Karl von der Provence); Bréquigny I, S. 245 (zu 856); Chevalier, Description analytique, Nr. 186 S. 42 (zu 856); Chevalier, Regeste Dauphinois, Nr. 704 S. 118 (zu 856).

Kommentar

Das von der älteren Forschung entweder Karl von der Provence oder Karl von Aquitanien, dem Sohn Karls d. K. (855-866), zugeschriebene und auf 855 bzw. 856 datierte D 13 wurde von Tessier, Hinweisen von Poupardin, Le royaume de Provence, S. 346f., und Levillain, Recueil des actes de Pépin Ier et de Pépin II, Introduction, S. II, folgend, überzeugend Karl d. K. und dem Jahr 842 zugewiesen; vgl. auch Schieffer, Vorbemerkung zu DD Lo. I. 81, 94: Karl von der Provence hätte nicht Besitzungen in regno Aquitanico in seinen Schutz nehmen können, Karl von Aquitanien nicht solche in Burgund; zudem wird, gewichtigstes Argument, Agilmar als vocatus archiepiscopus bezeichnet, was nur in den Jahren zwischen dem Tod seines Vorgängers Barnard (841/842 Januar 23) und Agilmars Einsetzung als Erzbischof möglich ist; er wird zuerst am 17. August 842, zuletzt im Jahre 844 so bezeichnet; vgl. Schieffer, Die Urkunden Lothars I., Einleitung, S. 19, und Ders., Vorbemerkung zu DD Lo. I. 81, 94. -- In Karls Itinerar des Jahres 842 fügt sich D 13 gut ein, wenn auch die Indiktion (4) auf 5 (bei Neujahrswende) bzw. 6 (bei Septemberwende) zu korrigieren ist; vgl. zu den schwankenden Kanzleigewohnheiten bei der Indiktionszählung Tessier III, Introduction, S. 121-123. Aus Worms kommend, wo er sich während des Koblenzer Treffens längere Zeit aufgehalten hatte, passierte Karl auf seinem Zug Richtung Diedenhofen das etwa 12 km von Worms entfernte und in einer halben Tagesreise zu erreichende Dirmstein (Rheinland-Pfalz, bei Frankenthal); zur Identifizierung des Ausstellortes villa Theormsthein vgl. bereits Levillain, a.a.O., S. II Anm. 5 (gegen die Identifizierung mit Diedenhofen durch Lot / Halphen, S. 60 Anm. 2). -- Die neuzeitliche Überlieferung geht ganz auf das 1771 noch vorhandene, später verlorene Chartular des Domkapitels von Vienne (Stein, Bibliographie, Nr. 4087) aus dem 12. Jh. zurück; vgl. dazu Répertoire des cartulaires I, Nr. 542 S. 313f. -- Die Arenga ist sonst nicht nachweisbar, anders als nach Hausmann / Gawlik, Nr. 3388, zu vermuten (bei der dort angeführten Urkunde Karls des Jg. handelt es sich um das von Bouquet fälschlich zu 856 als Urkunde Karls von Aquitanien ausgewiesene D 13); die Worte petitionibus venerabilium virorum (anstelle des üblichen und verbreiteten petitionibus fidelium nostrorum) und der Wunsch, non solum eorum fidelitatem sinceriorem efficimus, verum etiam reliquorum fidelium nostrorum devotionem promptiorem erga nos reddimus, spiegeln die besondere Situation, daß Karl hier nicht einem eigenen Getreuen, sondern dem Erzkanzler und Gefolgsmann Lothars I. ein Privileg erteilt. Ungewöhnlich und nicht kanzleigemäß formuliert ist Tessier zufolge die Bestimmung bezüglich der Freien auf Agilmars Gütern. D Lo. I. 81 von Oktober 843, das in ausführlicherer Fassung das Schutzprivileg für Agilmars Eigengut bestätigt, nimmt einige der Formulierungen aus D 13 wieder auf. -- Als „Geste“ , als politischen Akt nach dem Koblenzer Treffen, ist D 13 Tessier zufolge zu bewerten. Der Empfänger Agilmar stand von 835 bis 843 als Erzkanzler an der Spitze der Kanzlei Lothars I.; aus D 13 geht hervor, daß er einer in Aquitanien und Burgund begüterten Familie entstammte; vgl. zu ihm Poupardin, Le royaume de Provence, S. 346f.; Schieffer, Die Urkunden Lothars I., Einleitung S. 17-19; Fleckenstein, Hofkapelle I, S. 122, 124. -- Die Wendung in regno Aquitanico atque Burgundiae möchte Tessier wegen der Tatsache, daß 842 nicht vom regnum Burgundiae gesprochen werden könne, als Überlieferungsfehler zu in regno Aquitanico atque [in] Burgundia korrigieren. -- Vgl. noch Kaiser, Bischofsherrschaft, S. 106.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,2,1 n. 339, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0842-11-23_1_0_1_2_1_339_339
(Abgerufen am 10.12.2016).