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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,2,1

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Karl überträgt (concedimus et donamus) (der Abtei) Saint-Arnoul (Sancti Arnulfi) zu Metz, in dem sein Vater Ludwig (d. Fr.) begraben liegt und das seinem Onkel Erzbischof Drogo von Metz (honorabilis atque amabilis [pa]truu[s n]oster Drogo, venerabilis ... Metensium archiepiscopus) untersteht, zum Seelenheil seines Vaters und zur Feier eines jährlichen Gebetsgedenkens für seinen Vater, dessen Ausführung er Drogo aufträgt, seine Villa Rémilly (villam nostram ... Romeliacum) im Moselgau (in pago Moslense) mit allen Pertinenzien und weist die zur Villa gehörige, dem hl. Martin geweihte Kapelle mit allen Pertinenzien den Brüdern zur freien Verfügung (ad usus fratrum) zu. -- Gebetswunsch pro sepe memorato domno genitore nostro ac nobis. -- Ionas not. ad vicem Hludowici. -- M. SR. NN (Ionas notarius advicem Ludovici scripsi et subscripsi). SI D. -- a. r. 2, Ind. 4. -- „Magna pars“ .

Originaldatierung:
(VI. Kal. Mar., Wormatia)

Überlieferung/Literatur

Zweifelhaftes Or. (Nachzeichnung?) Metz, Arch. dép. de la Moselle, H 29 (A) (ARTEM *292). -- Kopien: Clervaux (Luxembourg), Abbaye Saint-Maurice, Ms. 7, sog. Petit Cartulaire, 13./14. Jh., fol. 22r-23r (C1); die Abschriften 15. Jh. olim Metz, Bibl. Municipale, Ms. 814, aus C1 (C2) und Ms. 1225, fol. XXIv , aus C1 (C3), 1944 zerstört; 3 Abschriften 17. und 18. Jh. aus A und 4 Abschriften 17. und 18. Jh. aus einem der Chartulare verzeichnet Tessier. -- Faks.: Lot / Lauer / Tessier, Diplomata Karolinorum III, Taf. IV Nr. 4; der Signumzeile und der Rekognition: Worm, Karolingische Rekognitionszeichen II, S. 169; der tironischen Noten: Jusselin, Notes tironiennes de quelques diplômes de Charles le Chauve, Nr. 1 S. 14; Tessier III, Introduction, Nr. 9 S. 193. -- Drucke: Meurisse, Histoire des évesques, S. 269-270 (zu 841) = Bouquet VIII, Nr. 4 S. 430 (zu 841); D Ka. II. 9. -- Übers.: Valladier, L'auguste basilique, S. 218f. -- Regg.: Bréquigny I, S. 204 (zu 841); B 1536; Wauters, Table chronologique, S. 211; Wolfram, Kritische Bemerkungen, Nr. 11 S. 47.

Kommentar

D 9 ist inhaltlich zweifellos echt, jedoch bereitet die Bewertung des (angeblichen) Originals Probleme. Ausstellort und Datum fügen sich gut in das Itinerar Karls, der Mitte Februar von Straßburg über Weißenburg nach Worms gezogen war (Regg. 286-288), auch wenn die Indiktion (4) um eine Einheit nach oben zu korrigieren ist, und die Urkunde bietet auch sonst keinerlei Anlaß zu Mißtrauen. Die formale Echtheit der ganz, einschließlich Rekognition und Datierung, von einer Hand mundierten Urkunde wurde von Tessier jedoch aufgrund einer Reihe von Unregelmäßigkeiten -- Hochformat (auch Exemplar A' von D Lo. I. 46 ist aber eine Charta transversa), Schrift, Gestaltung der ersten Zeile, fehlender Punkt unterhalb der Zwieselform im Monogramm, Rekognition -- bezweifelt; eine Beteiligung der Kanzlei schließt Tessier geradezu aus. Bereits Jusselin, a.a.O., S. 13, äußert die Ansicht, daß der Schreiber der Urkunde auch die Rekognition ausgeführt und die tironischen Noten des Notars Jonas nachgeahmt, jedoch nicht gewagt habe, den eindeutigen Terminus recognovi zu verwenden, sondern sich mit dem unverbindlicheren scripsi begnügte, und bezweifelte ebenfalls die Zugehörigkeit dieses Schreibers zu Karls Kanzlei. Tessier hält eine von einem Schreiber Drogos oder einem Kanoniker von Saint-Arnoul hergestellte Empfängerausfertigung, die der Kanzlei zur Besiegelung vorgelegt wurde, für denkbar; Worm, Karolingische Rekognitionszeichen I, S. 95, vermutet aufgrund einer Analyse der Rekognition eine Nachzeichnung einer von Jonas selbst ausgeführten Unterschrift, nimmt also nicht eine Empfängerausfertigung, sondern eine Nachzeichnung eines verlorenen Originals an, wofür im übrigen auch das Hochformat sprechen würde. Zu den äußeren Merkmalen vgl. noch Tessier III, Introduction, Nr. 9 S. 17, 134. -- Zur Überlieferung von Saint-Arnoul jetzt umfassend Müller, Am Schnittpunkt, 8-10, 209-213; die älteste Handschrift des sog. Petit Cartulaire (C1; Stein, Bibliographie, Nr. 2417) kannte Tessier nicht; die von ihm benutzten Abschriften C2 und C3 wurden 1944 zerstört (vgl. Catalogue générale des manuscrits, 53, S. 12). Die sehr ausführliche Arenga (Hausmann / Gawlik, Nr. 1294) ist sonst nicht belegt. Zum rekognoszierenden Notar Jonas siehe Reg. 139. -- Lothar I. hatte bereits im August 840 dem Arnulfskloster die Villa Rémilly (dép. Moselle, arr. Metz-Campagne, con Pange), von ihm als fiscus noster bezeichnet, geschenkt (D Lo. I. 46), ein Akt, der in D 9 mit keinem Wort erwähnt wird. Aus der Tatsache, daß Karl den Besitz jetzt villa nostra nennt, schließt Tessier, Vorbemerkung, daß Karl und Ludwig d. Dt. bei ihrem Bündnisschluß in Straßburg (Reg. 283) bereits Absprachen zur Gebietsaufteilung getroffen hatten. -- Zum Empfänger vgl. umfassend Müller, Am Schnittpunkt; zu Metz allgemein Oexle, Die Karolinger und die Stadt des heiligen Arnulf; Gauthier, in: Topographie chrétienne I (1986), S. 33-53; Brühl, Palatium II, S. 41-62; Hirschmann, Stadtplanung, S. 236-257. -- D 9 wird allgemein als Zeichen für den Parteiwechsel Erzbischof Drogos zu Karl gewertet; vgl. bereits Dümmler, Geschichte I, S. 173; zu Drogo siehe Reg. 17, zuletzt Reg. 210. -- Vgl. zur Sache Erlande-Brandenburg, Le roi est mort, S. 97; Ewig, Remarques, S. 226; Ders., Der Gebetsdienst, S. 58f.; Schieffer, Väter und Söhne, S. 163f. -- Vgl. noch BM2 1091b, 1370f; Lot / Halphen, S. 49 m. Anm. 2; Brühl, Königspfalz, S. 261; Krah, Die Entstehung, S. 148.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,2,1 n. 290, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0842-02-24_1_0_1_2_1_290_290
(Abgerufen am 03.12.2016).