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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,2,1

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Karl beauftragt Erzbischof Wenilo von Sens und den Grafen Gerhard, nach Autun zu ziehen, dort mit Erzbischof Amolo von Lyon ein foedus concordiae zu schließen, insbesondere seine Zustimmung zur Neubesetzung der Bischofsstühle von Autun mit Bernus und Chalon (-sur-Saône) mit Godelsad und die Weihe des Godelsad noch während der Fastenzeit zu erlangen, und ihm (Karl) danach möglichst rasch vom Ergebnis der Verhandlungen zu berichten.

Überlieferung/Literatur

Schreiben des Erzbischofs Wenilo von Sens und des Grafen Gerhard an Erzbischof Amolo von Lyon: Lupus, Epp., ed. Dümmler, Nr. 81 S. 72-74, ed. Levillain, Nr. 26 S. 122-128.

Kommentar

Zur zeitlichen Einordnung der Geschehnisse und zur Sache siehe Regg. 273f. Es scheint angesichts von Karls Itinerar nicht unwahrscheinlich, daß er beabsichtigt hatte, in Autun selbst mit Amolo zu verhandeln, da er zunächst von Châlons-en-Champagne aus weit nach Süden gezogen war (Regg. 275f.), dann aber eine scharfe Wendung vollzog und in nordöstlicher Richtung nach Toul weiterzog (Reg. 279); vgl. Levillain, a.a.O., S. 122 Anm. 2. Daß Karl Autun tatsächlich erreichte, wie Brühl, Palatium I, S. 113f. m. Anm. 25, und Krah, Die Entstehung, S. 145 (die ebd. auch noch einen Aufenthalt in Chalon-sur-Saône postuliert), angeben, läßt sich wohl ausschließen, da weder Nithard noch die Ann. Bertiniani, die beide von Karls Zug berichten, die bedeutende Stadt erwähnen (Nithard nennt als Stationen von Karls Zug Châlons-en-Champagne, Toul, Zabern, Straßburg, die Ann. Bertiniani Châlons-en-Champagne, Troyes, Auxois, Toul, Vogesen, Straßburg). -- Amolo leistete der Aufforderung Karls keine Folge, sondern sandte Boten nach Autun, die seine Abwesenheit entschuldigen sollten; Wenilo und Gerhard teilten ihm daher in einem vertraulichen Schreiben (multa et magna iussu domini nostri regis ex eius parte familiarissime vobis mandata revelassemus) die Botschaft mit, die Karl ihnen aufgetragen hatte (praecepit itaque ut eius vobis sermonibus diceremus). Für den Plan, Angehörige der Hofkapelle als Bischöfe einzusetzen, berief Karl sich auf das Vorbild Pippins (d. Jg.); vgl. dazu Werminghoff, Zu den fränkischen Reformsynoden, S. 222f. -- Zu Wenilo, Erzbischof von Sens (837/8-865) siehe Reg. 65; zur Identität des comes Gerhard vgl. Levillain, a.a.O., S. 123 Anm. 5: Es kann sich nicht um den gleichnamigen Grafen von Lyon und Vienne handeln, der 840 zu Lothar gewechselt war; Poupardin, Le royaume de Provence, S. 291-296, führt mindestens fünf Männer an, die im Zeitraum von 840-877 comes Girardus genannt werden. Hier handelt es sich wohl um den unter Nr. 5 S. 295f. erwähnten ehemaligen Getreuen Ludwigs d. Fr. -- Vgl. noch Lauer, in: Nithard III, c. 4, S. 101 Anm. 3; Gerner, Lyon, S. 69f.; Krah, Die Entstehung, S. 143f.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,2,1 n. 277, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0842-01-00_4_0_1_2_1_277_277
(Abgerufen am 25.09.2016).