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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,2,1

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Karl plant die Neubesetzung des vakanten Bischofsstuhls von Autun mit seinem Kapellan und Verwandten (propinquus) Bernus und die Besetzung des Bischofsstuhls von Chalon (-sur-Saône) mit Godelsad, ebenfalls Angehöriger der Hofkapelle.

Überlieferung/Literatur

Schreiben des Erzbischofs Wenilo von Sens und des Grafen Gerhard an Erzbischof Amolo von Lyon: Lupus, Epp., ed. Dümmler, Nr. 81 S. 72-74, ed. Levillain, Nr. 26 S. 122-128, hier S. 124/126 und 128.

Kommentar

Daß Karl gleichzeitig die Neubesetzung beider Ämter durch Angehörige seiner Hofkapelle anstrebte, geht aus dem Schreiben Wenilos und Gerhards an Amolo zweifelsfrei hervor; unsicher ist der Zeitpunkt der Planungen: In Frage kommen die beiden Vakanzen im Bistum Autun in den Jahren 840-843 und 849-850, also entweder die Zeit nach dem Tod Modoins (zuletzt in D Lo. I. 50 von 840 Dezember 4 als lebend erwähnt) und vor dem Amtsantritt des Altheus (zuerst belegt 843 Juli 5, D 23), oder die Zeit nach dem Tod des Altheus (kurz vor 850) und vor dem Amtsantritt des Jonas (zwischen 850 Januar 1 und August 7, vgl. DD 124, 133); es muß jeweils ein Zeitraum zu Jahresbeginn gewesen sein, da die Weihe des Godelsad noch während der Fastenzeit angestrebt wurde. Die Amtsdaten der beiden Kandidaten können zur sicheren Eingrenzung nicht herangezogenen werden, da über Bernus nichts Näheres bekannt und Godelsad erst zu April 853 sicher belegt ist; seine Unterschrift bei der Synode von Germigny von September / Oktober 843 ist nachgetragen (MGH Conc. III, S. 1 und 7 m. Anm. 64); ebensowenig trägt der ebenfalls im Schreiben (S. 128) erwähnte Bischof von Langres Theutbald I. (842-856) zur näheren Datierung bei. Die neuere Forschung hat sich überwiegend für den Jahresbeginn 842 als Zeitpunkt der Geschehnisse entschieden (so Levillain, a.a.O., S. 122f. Anm. 2; Tessier, Vorbemerkung zu D 8; Fleckenstein, Die Hofkapelle I, S. 88 Anm. 307; Gerner, Lyon, S. 68f.; Brühl, Palatium I, S. 113f. m. Anm. 25; Kaiser, Bischofsherrschaft, S. 96, 377f.; Krah, Die Entstehung, S. 144f.); vgl. jedoch Louis, Girart, S. 46f. m. Anm. 1 (Überblick über die ältere Diskussion), der für 849 plädiert; Dümmler, a.a.O., S. 72, der zu 843-845 tendierte, und Lot / Halphen, S. 62 Anm. 4, S. 84f. Anm. 3, die unentschieden sind. -- Nicht recht klar ist, ob der Tod Modoins und die Vakanz des Bischofsamts die im Schreiben mehrfach hervorgehobene Notlage der Kirche von Autun (recens incommodum Augustidunensis ecclesiae et prolixa pertubatio; ruinas illius et spiritaliter et saeculariter; S. 124) hinreichend erklären, wie Levillain, a.a.O., S. 125 Anm. 2, und Krah, Die Entstehung, S. 144, annehmen. Vgl. zur Sache auch die folgenden Regg. -- Über Bernus ist nur bekannt, was das Schreiben Wenilos und Gerhards mitteilt, nämlich daß er, ein Verwandter Karls, unter Ludwig d. Fr. erzogen und bereits von ihm mit Aufgaben betraut worden war (a ... imperatore Hl[udovico] tenere educatus et claris ornatus honoribus, S. 126) und der Hofkapelle Karls angehörte (domnus noster nobis iussit suggerere non esse novicium aut temerarium, quod ex palatio honorabilioribus maxime ecclesiis procurat antistites, ebd.). Es ist unsicher, ob Bernus tatsächlich auf den Bischofsstuhl gelangte oder noch vor Übernahme des Amtes verstarb, wie Fleckenstein, Die Hofkapelle I, S. 88 Anm. 307, und Kaiser, Bischofsherrschaft, S. 96, 377, vermuten; vgl. zu ihm auch Depreux, Prosopographie, Nr. 47 S. 133; Krah, Die Entstehung, S. 145f. m. Anm. 337, sieht in ihm den Abt des Klosters Réome in der Diözese Langres und vermutet sogar, Karl habe Bernus als Nachfolger Amolos von Lyon vorgesehen. -- Zu Autun allgemein vgl. Chaume, Les origines I, S. 323 -- 327; Terret, in DHGE V (1931), Sp. 896 -- 925; Brühl, Palatium I, S. 111 -- 121; Richard, in LexMA I (1980), Sp. 1274-1276; Kaiser, Bischofsherrschaft, S. 375 -- 385; Pietri / Picard, in: Topographie chrétienne IV (1986), S. 37 -- 45. -- Im Unterschied zu Bernus wurde Godelsad, der ebenfalls Angehöriger der Hofkapelle Karls war (ex palatio suo, S. 128), nachweislich, wenn auch zu unbekanntem Zeitpunkt, Bischof von Chalon; er ist belegt bis 862. Zu Chalon-sur-Saône allgemein vgl. Brühl, Palatium I, S. 130-136; Kaiser, Bischofsherrschaft, S. 341-353. Vgl. zur Sache noch Weise, Königtum, S. 37-41; Schieffer, Bischofserhebungen, S. 68f.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,2,1 n. 273, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0841-12-00_2_0_1_2_1_273_273
(Abgerufen am 28.09.2016).