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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,2,1

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Karl erreicht die Stadt (Suessonicam peteret urbem, Nithard); (er verweilt dort und folgt der durch Mönche des Klosters Saint-Médard an ihn herangetragenen Bitte, am 27. August an der Translation der Gebeine der hl. Medardus und Sebastian -- sowie weiterer Heiliger? -- in die nahezu fertiggestellte neue Kirche des Klosters teilzunehmen?).

Überlieferung/Literatur

Nithard III, c. 2, ed. Lauer, S. 86/88; vgl. D Ka. II. † 462 (Reg. 243); Ann. S. Medardi Suessionis, ad a. 839, ed. Waitz, S. 520.

Kommentar

Ein Aufenthalt Karls Ende August in Soissons steht trotz der an dieser Stelle in Nithards Text vorgenommenen Interpolationen (dazu unten) außer Zweifel; Nithard erwähnt die Stadt sowohl im Zusammenhang mit dem in Épône beschlossenen Umritt durch die Francia (Reg. 239) als auch erneut als die nächste von Compiègne aus erreichte Station, und seine Nachricht wird bestätigt durch die Ann. S. Medardi Suessionis, die zum 27. August des Jahres 839 (das jedoch als das Todesjahr Ludwigs d. Fr. bezeichnet wird), von der Teilnahme Karls an der Translation berichten. Der Aufenthalt fügt sich zudem gut in Karls Itinerar; die Entfernung zwischen Compiègne und Soissons von etwa 38 km konnte in 1-2 Tagen zurückgelegt werden, so daß Karl am 23. oder 24. August in Soissons hätte eintreffen können. Ein Problem stellt das weitere Vorgehen dar: Um wie geplant am 1. September in Langres mit Ludwig d. Dt. zusammentreffen zu können (Reg. 227), hätte Karl sofort weiterziehen müssen und sich keinen Aufenthalt erlauben dürfen. Für die fast 260 km bis Langres hätten bei sehr schnellem Marsch von durchschnittlich täglich 40 km 6 1/2 Tage veranschlagt werden müssen, bei durchschnittlicher Marschgeschwindigkeit von 25 km pro Tag allerdings 10 Tage; vgl. zur mittelalterlichen Reisegeschwindigkeit Elze, Über die Leistungsfähigkeit, S. 4-6; Zielinski, Reisegeschwindigkeit, S. 42-44; Herbers, Der Konflikt Papst Nikolaus' I., S. 56f. Karl nahm also bei einem längerem Aufenthalt in Soissons ein verspätetes Eintreffen in Langres in Kauf; nicht ausgeschlossen ist auch, daß er die Nachricht, daß Ludwig nicht kommen konnte, nicht erst in Reims (Reg. 244), sondern bereits zuvor in Soissons erhielt. -- Unklar ist, ob Karl in der innerhalb der Stadtmauern von Soissons gelegenen älteren Pfalz Aufenthalt nahm oder in der Klosterpfalz von Saint-Médard, deren Bau für etwa die Zeit 817-841 vermutet wird. Zu Soissons, dép. Aisne, allgemein Vercauteren, Étude sur les civitates, S. 106-134; Kaiser, Untersuchungen, passim; Brühl, Palatium I, S. 34-42; Kaiser, Bischofsherrschaft, S. 590-598; Mattejiet, in: LexMA VII (1995), Sp. 2025f.; Hirschmann, Stadtplanung, S. 162-171; zum außerhalb der Mauern gelegenen, bedeutenden Kloster Saint-Médard darüberhinaus Krüger, Königsgrabkirchen, S. 125-133; Semmler, Episcopi potestas, S. 320-325; Defente (ed.), Saint-Médard; zur Pfalz in Saint-Médard Brühl, Palatium I, S. 40-42. -- Der Nithard-Text, überliefert nur in einer in Saint-Médard geschriebenen Handschrift aus dem Ende des 9. Jh. (Lauer, S. XIV), wurde an der fraglichen Stelle interpoliert; während Müller in seiner Edition (S. 30f.) den gesamten Passus verwarf, einschließlich der Nennung des Aufenthalts in Soissons, wies Lauer eine zweifache Interpolation nach, eine des 11. und eine zweite des 12. Jh., hält die Passage Cumque Suessonicam peteret urbem, monachi de Sancto Medardo occurrerunt illi, deprecantes ut corpora sanctorum Medardi, Sebastiani ... in basilicam ubi nunc quiescunt et iam tunc für ursprünglichen Bestandteil des im 10. Jh. zu Saint-Médard geschriebenen Textes und schließt auch die Nennung weiterer Namen (Gregorii, Tiburcii, Petri et Marcellini, Marii, Marthe, Audifax et Abacuc) nicht völlig aus; vgl. Lauer, S. 87-89 Anm. 4. Vgl. zur Sache noch Müller, Die Nithard-Interpolation; Tessier, Un diplôme inédit de Charles le Chauve pour Saint-Médard; Becker, Untersuchungen, S. 22-24, mit Abb. der Manuskriptseite S. 23. -- Vgl. Meyer von Knonau, Über Nithards vier Bücher, S. 32; Dümmler, Geschichte I, S. 168; Lot / Halphen, S. 41f. Anm. 5; Krah, Die Entstehung, S. 120.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,2,1 n. 242, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0841-08-23_2_0_1_2_1_242_242
(Abgerufen am 06.12.2016).