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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I

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(curte r.) verleiht der kirche von Osnabrück auf bitte des bischofs Engilmar immunität mit königschutz gleich den übrigen kirchen in ganz Francien und Sachsen, markt, münze und zoll, und befreit auf die klage, dass der grösste teil der zehnten nostrorum antecessorum conspiramine unter die mönche von Korvey (Huxilienses) und die nonnen von Herford aufgeteilt worden sei, den bischof und seine leute von der heerbannpflicht, ausser wenn die Dänen die schiffe besteigen zur vernichtung des christentums in dessen bistum, und von iedwedem königlichen dienst. Aspertus canc. adv. Theotmari archicapp. Angebl. or. s. XI im besitz des bischofs von Osnabrück (A), ch. s. XV (B) im staatsarch. Osnabrück; Henseler Dissert. 112 ex or. = Sandhoff 2b,13 = Möser Osnabr. Gesch. 1b,15, Werke hg. von Abeken 8,14; Erhard Reg. Westf. C. d. 1,32 no 39 aus kopialbuch des domstifts; Wilmans Kaiserurk. 1,252 aus Erhard und Sandhoff; Philippi Osnabrücker UB. 1,42 aus B; *facsim. von A Jostes Die Osnabrücker Kaiser- und Königsurk. t. V mit textabdr. p. 11 (oktavausg. 32). Fälschung aus der zweiten hälfte des 11. iahrh. (unter bischof Benno II), angefertigt von demselben fälscher, der auch die andren fälschungen für Osnabrück lieferte (von den früheren Karolingern no 406, 408, 870, 1389); sämmtliche fälschungen auf den namen Arnolfs (no 1829, 1830, 1841, 1911) sind nachzeichnungen einer echten urk. Arnolfs von der hand des schreibers, der auch die mit der ersteren gleichzeitige urk. no 1831, dann 1844, 61 u. a. schrieb. Das siegel ist, wie schon die stellung der zweiten hälfte der auch in einzelnen buchstabenformen abweichenden umschrift (ARNOLFVS PIVS REX) ergibt, unecht; das echte siegel dieses typus tritt zuerst noch 889 (no 1839), dann erst wieder 892 (no 1882, 86 f.) auf; nach mitteilung Tangls findet sich noch ein abgefallenes, sehr beschädigtes siegel, dessen identität mit dem ersten porträtsiegel Arnolfs (in gebrauch seit 887, zuerst an no 1767) noch festzustellen ist, das früher an einer der beiden ietzt siegellosen fälschungen no 1830 oder 1911 befestigt war. Die echte no 1830 zu grunde liegende urk. Arnolfs war eine immunität, die in der bestätigung Ottos I 938 mai 18 (M. G. DD. 1,108, ietzt nach dem or. gedr. Jostes 12, oktavausg. 38 mit facsim. t. 9) wiederholt wird; echt belassen wurde das Protokoll, so dass das stück auch für das itinerar verwertbar bleibt, bis auf 2 einschiebungen, der text bis 'persolvere debent' und der nachsatz 'sed liceat-ordinare atque disponere'; die aus der kanzlei Ludwigs d. Fr. (Form. imp. 28 vgl. 27, M. G. Form. 306) stammende arenga für immunität, in der kanzlei Ludwigs d. D. noch häufig meist für schenkungen, unter seinen söhnen aber nur noch sehr selten gebraucht, ist in der kanzlei Arnolfs allerdings bereits ganz ausser gebrauch gesetzt (sie tritt nur noch in der Passauer fälschung no 1942 auf), aber sie erregt umso weniger bedenken, als sie auf ältere vorlage zurückweist; der in die ursprüngliche immunitätsformel eingeschachtelte und selbst das grammatikalische gefüge störende satz 'nec pontem restaurare-contradicente' mit verleihung von markt und münze ist einer der beiden gleichlautenden und rechtlich erweiternden bestätigungen der immunität Ottos I durch Heinrich 11 von 1002 oder 1023 (M. G. DD. 3,10, 625, beide or., facsim. Jostes t. 16,17) entnommen, die auch die einschiebungen der 'parafreda' und des 'vocatus' (verschrieben für advocatus) in die echte immunitätsformel beisteuerte und ebenso für die fälschungen auf den namen Karls d. Gr. (vgl. M. G. DD. Karol. 1,400) benützt ist. In dem satz über die zehnten ist die stelle 'ad Osnepruggensem ecclesiam-divisas' (selbstverständlich ohne das an sich unmögliche 'nostrorum antecessorom conspiramine') fast wörtlich mit einiger steigerung der Querimonia Egilmari, Erhard C. d. 1,36, Philippi Osnabrücker UB. 1,54, entlehnt. Den wirklichen sachverhalt betreffs der zehnten ergibt diese klageschrift des Osnabrücker bischofs an den papst: Egilmar hatte kurz vorher die ansprüche seines bistums auf die zehnten gegenüber Korvey und Herford persönlich vor Arnolf und 9 bischöfen, darunter Willibert von Köln (+ 889 sept. 11 vgl. Dümmler Ostfränk. Reich 2. A. 3,402 n. 3) verfochten, aber ohne ieden erfolg; die bischöfe verweigerten scientes voluntatem principis et quorundam comitum 'gerechtigkeit' und der könig selbst befahl niederschlagung der klage (iussus sum ab eo, si eius gratiam vellem habere propiciam eiusque potestati non contraire ut hec in decimis et reliquis huiuscemodi negociis querulosis omnia permitterem fore sicut inveni, meaque compulsa interpellatio cassata est). Nachweis der fälschung auch von Brandi in der Westdeutschen Zeitschr. 19,131 vgl. Ottenthal in Mittheil. des Instituts f. öst. GF. Erg. 6, 33, 37, 39. Stengel Die Immunitäts-Urk. der deutschen Könige vom 10.-12. Jahrh. (Berliner dissert. 1902) 44; die echtheit verteidigt von Wilmans 1,254, 333, 358, 521, wie auch Diekamp Westf. UB. Suppl. 49 no 317 (hier auch die weiteren literaturangaben) an derselben festhielt. Auch in Korvey griff man der zehnten wegen zur fälschung, no 1768.

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Empfohlene Zitierweise

RI I n. 1829, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0889-10-13_1_0_1_1_0_4043_1829
(Abgerufen am 10.12.2016).