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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I

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Ankunft mense nov. circa transitum s. Martini (nov. 11), einberufung einer allgemeinen reichsversammlung, Regino vgl. Ann. Hildesheim.: Karolus veniens in Triburias et, cum placitum haberet, post festivitatem s. Martini conspiratione facta adversus eum orientales Franci reliquerunt eum. Der kaiser macht einen vergeblichen versuch bewaffneten widerstand gegen Arnolf, der mit bedeutenden baierischen und slavischen streitkräften (windischen, Dümmler Ostfränk. Reich 2. A. 3,288 n. 1) heranzieht und 'ihm lästig wird', zu organisiren (nitens bellum contra Arnolfum regem instaurare, sed non proficit, Ann. Fuld. V): er bietet seine getreuen auf (suorum undique opperiens adventum, Ann. Fuld. IV), doch selbst die von ihm besonders begünstigten Alamannen (quibus maxime negotium sui regni habebat commissum, Ann. Fuld. V) fallen ietzt eingeschüchtert von ihm ab, seine hofleute verlassen ihn eiligst (Ann. Fuld. V vgl. Regino: optimates regni ... ad praedictum virum [Arnolfum] certatim transeunt, ita ut in triduo vix aliquis remaneret, qui ei [Karolo] saltem officia humanitatis impenderet), alle fränkischen grossen leisten dem (in Frankfurt) zum könig gewählten Arnolf (Ann. Fuld. V, Ann. Hildesheim. M. G. SS. 3,50), die huldigung, die, welche zögern, werden ihrer lehen verlustig erklärt (Ann. Fuld. IV). Von allen verlassen (dum se undique a suis desertum sentiret, Ann. Fuld. V; nihil imperatori nisi vilissimas ad serviendum reliquit personas, Ann. Fuld. IV vgl. Regino), selbst dem mangel preisgegeben, so dass erzbischof Liutbert ihm den nötigen lebensbedarf beistellen musste (Regino), völlig ratlos und gebrochen (nescius, quid suae causae consilium possit fieri, Ann. Fuld. V; effectus egenus et desperatis rebus, Regino), überschickt er Arnolf durch Liutbert von Mainz eine reliquie vom h. kreuz, auf welche iener ihm den treueid geleistet hatte, und lässt ihn an diesen schwur erinnern, ein anblick, der Arnolf zu tränen gerührt haben soll (Ann. Fuld. IV). Der vollendeten tatsache gegenüber muss diese mahnung eine vergebliche sein. Nun versteht sich der depossidirte kaiser zur förmlichen tronentsagung (Karolus subicit se Arnulfo., Ann. Hildesh.): geschenke übermittelnd lässt er ihn 'endlich' um seine gnade und um wenige güter in Alamannien für seinen lebensbedarf bitten (Ann. Fuld. V; non de imperii dignitate, sed de victu cotidiano cogitans tantum alimentorum copiam ad subsidium vitae praesentis supplex exposcit, Regino) und empfiehlt ihm seinen ausserehelichen sohn Bernhard (Regino). Arnolf gewährt ihm die erbetenen güter (Ann. Fuld. V, Regino). Schwäbische Annalen sprechen von einer 'absetzung' Karls (Ann. Alam. cont. 888 = Sangall. mai.: Karolus imp. a regno depositus est; Ann. Aug.: K. imp. regno privatur, in erweiterter redaktion: K. imp. regno terrestri privatus, M. G. SS. 1,52, 68, 77 vgl. St. Galler Mittheil. 19,255, 276); von einer förmlichen absetzung Karls neben der wahl Arnolfs wird nichts berichtet, iener ausdruck ist daher wol mit 'enttronung' (eiecto eo de regno, Ann. Vedast.; K. est de regno eiectus, Ann. Weissenburg. M. G. SS. 3,51; e regno eiicitur, Ann. Aqu. 888 ib. 24,36; K. imp. vivus dimisit regnum, Ann. Wirciburg. 887 ib. 2,241) identisch zu nehmen; die missverständliche beziehung von depositio = todestag im Necrol. s. Germani, welche neuestens auch wieder in den Indices chronol. ad Muratori SS. ed. Cipolla et Manno, Turin 1885, p. 59 spukt, hat schon Dümmler Ostfränk. Reich 1. A. 2,290 n. 88 berichtigt. Der zeitpunkt des tronwechsels nach mitte nov. wird durch die in Arnolfs kanzlei anfangs eingehaltene epoche nov. 22-27 sicher gestellt vgl. auch die Ann. Anglosax. 887 M. G. SS. 13,106: Arnulfus sex hebdomadis, antequam obiit (Karolus), regno eum expulerat.

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Empfohlene Zitierweise

RI I n. 1765b, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0887-11-00_1_0_1_1_0_3945_1765b
(Abgerufen am 25.09.2016).