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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I

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Schreiben des papstes in sachen Theutbergas (ian. 24, 25): der papst verwirft Theutbergas 'bekenntnis' als erpresstes, er erklärt, dass Lothar, selbst wenn sie auf ihre ehelichen rechte verzichte, niemals Waldrada, welche nie seine rechtmässige gattin gewesen, ehelichen könne, und verbietet Theutberga nach Rom zu kommen, da sie Lothar nicht Waldrada, die vor allem in Rom sich zu stellen habe, überlassen dürfe und vorerst die vollste bürgschaft für ihre sicherheit auf der reise haben müsste; er tröstet sie über ihre unfruchtbarkeit und ihre leiden, die sie nicht zum selbstmord treiben dürfen, wie er glaube, dass Lothar nicht ihrem leben nachstellen werde, da solche freveltat nicht so sehr ihr als ihm und seinem reich verderben bringen würde, Ep. ad Theutb. Mansi 15,312; den lothringischen bischöfen tut er 'zum dritten mal' kund, dass Waldrada exkommunicirt sei, er fordert sie auf dies endlich ohne rücksicht auf die folgen oder den etwaigen verlust der lehen zu publiciren und Lothar an die erfüllung des seinem legaten (Arsenius, no 1307a) geleisteten eides zu mahnen, ib. 315; Karl d. K. gegenüber missbilligt er mit scharfem tadel dessen bündnis mit Lothar, das mit dessen früherer haltung in so grellem widerspruch stehe, berichtet über das erpresste schreiben Theutbergas und Lothars weitere pläne sie zu verderben (no 1313c), bittet ihn flehentlich Theutberga schutz und zuflucht zu gewähren und macht ihm mitteilung von seinem schreiben an die lothringischen bischöfe und an Lothar mit der aufforderung dieselben sicher an ihre adresse zu befördern, ib. 318. Lothar endlich schreibt er, dass er Theutbergas verzicht und anerbieten, weil durch misshandlung und todesangst erpresst, verwerfe, dass auch nach ihrem tod Waldrada nie seine gattin werden könne, er wiederholt, weshalb er nicht gestatten könne, dass Theutberga nach Rom komme, und mahnt ihn nochmal seine pflichten gegen sie zu erfüllen und ieden verkehr mit der exkommunicirten Waldrada abzubrechen, um nicht derselben strafe zu verfallen, ib. 321 (der schluss 'Porro excellentiam-dispergat' gehört zum schreiben an Karl), Jaffé Reg. pont. 2. ed. no 2870-73; die briefe an Karl und Lothar grossenteils aufgenommen von Regino 866 vgl. auch Ann. Fuld. Die briefe des papstes werden Karl von Egilo von Sens (vgl. no 1313a) am 20. mai in Samoussy überreicht, Ann. Bert. (Hincm.) ed. Waitz 86, Ep. Hincm. ad Nic. Mansi 15,772, Migne 126,76; Adventius von Metz erhält das päpstliche schreiben am 5. iuni, Ep. Adv. M. G. Ep. 6,233. Am 7. märz bittet der papst noch Ludwig d. D. seinen einfluss geltend zu machen, damit Lothar seiner gemahlin die schuldige liebe erweise und von dem vergeblichen versuch, dass sie sich ein verbrechen andichte, um sie los zu werden, abstehe, zugleich auch Engiltrud zur rückkehr zu ihrem mann zu bewegen oder nötigenfalls zu zwingen, Floss Papstwahl Urk. 34, Mansi 15,324, Jaffé 2. ed. no 2874. Wahrscheinlich dieser zeit gehört auch ein brief des bischofs Adventius von Metz (M. G. Ep. 6,232) an Hatto von Verdun an, dass ihm aus dem westfränkischen und ostfränkischen reich die nachricht zugekommen sei, Nicolaus habe in einem schreiben den unverrückbaren entschluss ausgesprochen, dass Lothar gebannt werden solle, wenn er Waldrada nicht bis 1. febr. entlassen haben würde. Würde die übereinstimmung des termins 1. febr. mit dem einberufungstermin einer von Karl d. K. für den 1. febr. 868 geplanten synode (no 1317a) dafür sprechen, dass iener brief gegen ende des iahres 867 geschrieben worden sei, so steht dem doch entgegen, dass die letzten erlässe Nicolaus I in sachen Theutbergas vom 30. und 31. okt. 867 datiren (no 1316a) und Nicolaus am 13. nov. starb, dass es kaum wahrscheinlich ist, dass Nicolaus einen so langen termin gegeben hätte. Setzt man den brief des Adventius in den beginn des iahres 867, so müsste das in demselben erwähnte päpstliche schreiben noch vor ienen vom 24. und 25. ian. erflossen sein. Über die zeitbestimmung auch Dümmler Ostfränk. Reich 2. A. 2,155 n. 3, Parisot Le royaume de Lorraine 264 n. 1. - Etwa um diese zeit (ausser 866 - 867 ist auch 864-865, die zeit vor ankunft des Arsenius, zulässig) ersucht Nicolaus auch Karl und Ludwig (das schreiben an diesen verloren) bei Lothar zu erwirken, dass dieser seiner schwester Hilletrud, der witwe des grafen Berengar, die ihr von ihrem vater k. Lothar I. urkundlich (deperd.) angewiesenen güter, welche ihr bruder den Normannen 'förmlich als lehen geschenkt' hatte, zurückgebe, da er sich nicht persönlich an Lothar wenden wolle, quia pro nefariis et illicitis negotiis ab illo abolendis, vobis plane auditis, excommunicatum habemus, Mansi 15,377, Jaffé 2. ed. no 2827. Der bann ist übrigens über Lothar nie förmlich ausgesprochen worden, wie spätere quellen (Ann. Lob. 870 M. G. SS. 13,233, Transl. s. Glodesindis ib. 24,507 n. u. a.) berichten, Dümmler Ostfränk. Reich 2. A. 2,172, Parisot Le royaume de Lorraine 323 n. 2.

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Empfohlene Zitierweise

RI I n. 1315a, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0867-00-00_1_0_1_1_0_2885_1315a
(Abgerufen am 01.10.2016).