Regestendatenbank - 174.566 Regesten im Volltext

RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I

Sie sehen den Datensatz 2150 von insgesamt 4511.

(urbem Vangionum, Ann. Bert., Nithard I, 7) Ankunft zur bestimmten zeit, empfang der besonders dahin berufenen getreuen, väterliche aufnahme Lothars, der aus Italien gekommen war. Ann. Bert. (Prud.) vgl. Ann. Fuld. Über die in den reichsannalen nicht berührten gründe dieser aussöhnung mit Lothar berichtet Nithard I, 6 (darnach V. Hlud. c. 59 vgl. Meyer v. Knonau Über Nithard 15 und no 951a): die kaiserin Judith und die grossen, 'welche nach des vaters willen für Karl gearbeitet hatten', fürchteten bei der nun auftretenden altersschwäche des kaisers, die in kurzem. ein völliges versiegen der kräfte drohte, dass der hass der brüder, wenn der kaiser ohne sicherstellung der zukunft stürbe, unversöhnlich sich gegen sie bis zu ihrer vernichtung wenden werde; sie hielten es daher für geraten, dass der vater einen der söhne als stütze nehme, damit im verein mit diesem Karl nach des vaters tod den andren, wenn sie keine friedliche verständigung wollten, mit erfolg widerstand leisten könne. In dieser zwangslage einigte man sich nach langen erwägungen zu dem beschluss sich mit Lothar zu verbünden, wenn er sich verlässlich erwiese, hatte er ia dem vater, der mutter und Karl geschworen den teil des reichs, den der vater wollte, diesem zu überlassen und ihn iederzeit gegen seine feinde zu schützen (no 773a). Sie schicken daher gesandte an Lothar nach Italien und versprechen ihm volle verzeihung für das geschehene und teilung des ganzen reichs, Baiern ausgenommen, zwischen ihm und Karl, wenn er diesem das vom vater zugedachte wahren wolle. Lothar lässt sich mit den seinen dazu bereit finden und die abmachung wird von beiden seiten beschworen. Die aussöhnung mit dem vater wird in Worms in szene gesetzt: Lothar fällt ihm zu füssen, bittet für die früheren übeltaten um verzeihung, welche der vater grossmütig gewährt unter der bedingung, dass er nie und nirgends etwas gegen seinen willen wider Karl oder das reich unternehmen werde. Nithard I, 7 vgl. V. Hlud. c. 60, Ann. Bert. (Prud.), Fuld. - In diese versöhnung werden auch Lothars anhänger einbezogen: einige derselben erhalten nicht nur ihre eigengüter, sondern auch die lehen zurück, Ann. Bert. (vgl. no 995, urk. Lothars II 865 märz 7; Agobard von Lyon und Bernard von Vienne hatten vielleicht damals ihre bistümer schon wieder erhalten, Adonis Chr. M. G. SS. 2,321 vgl. no 980). Ein mal schliesst die versöhnung, Nithard I, 7. Am nächsten tag werden die verhandlungen über die Lothar zugesicherte reichsteilung gepflogen; der vater stellt die teilung ihm anheim; teile Lothar, so habe Karl die wahl der teile, diese wahl dagegen Lothar, wenn sie die teilung vornehmen würden (vgl. Grimm Rechtsaltertümer 2. A. 480). Drei tage bemüht sich Lothar vergebens die teilung zu stande zu bringen; nach ablauf dieser frist sendet er Josippus und Richard an seinen vater mit der bitte, dass dieser die teilung vornehme und ihm die wahl überlassen bleibe, und mit der versicherung, dass nur die unkenntnis der länder diese ablehnung veranlasst habe. Nithard I, 7, darnach V. Hlud. c. 60. So nimmt der kaiser auf grundlage der 'beschreibung des reichs' die teilung desselben, Baiern ausgenommen, in 2 möglichst gleiche durch die Maas geschiedene hälften vor und überlässt Lothar die wahl; die eine hälfte umfasst Italien, einen teil Burgunds, nämlich das tal von Aosta, die grafschaften Wallis, Waadtland bis zum Genfer see (mare Rhodani), das land östlich und nördlich der Rhone bis zur grafschaft Lyon, die grafschaften Scudingus (über den pagus Scodingorum w. Châlon s. S. vgl. Finot in Bibl. de l'École des chartes 33,289, Longnon Atlas hist. text 134), Varasques, Portois, Saintois (nw. vom Genfer see vgl. Spruner-Menke Handatlas no 30), Chaumont, das Moselland (ducatus Mos.), die grafschaften Ardennen und Condroz, von da längs der Maas bis zum meer, Ripuarien (ducatus Rip.), das Wormsfeld, den Speiergau, die dukate Elsass und Alamannien, Chur, Austrasien (ducatus Austr.) mit Sualafeld, Nordgau und Hessen, Thüringen (ducatus Th.) und das reich Sachsen mit ihren marken, Friesland (ducatus Fr.) bis zur Maas, die grafschaften Hamaland, Batua, Teisterbant mit Duurstede; die andre hälfte: Burgund, nämlich die grafschaften Genf, Lyon, Châlon (s. Saone), Amaus und Hatuariorum (nö. Châlon, Spruner-Menke Handatlas no 30, 51, über le pays d'Attoar vgl. Garnier Chartes Bourguign. in Mém. prés. è l'acad. des inscript. II, 2,56, Longnon p. 96), Langres, Toul und längs der Maas bis zum meer, das land zwischen Maas. und Seine, zwischen Seine und Loire mit der brittanischen mark, Aquitanien, Wasconien und Septimanien mit den zugehörigen marken und die Provence. Ann. Bert. (Prud., daraus M. G. LL. 1,373 Migne 97,669, M. G. Capit. 2,58; über die grenzen der reichsteilung auch Gisi im Anz. f. Schweiz. Gesch. 1884 s. 236, 383). Lothar mit den seinen wählt und erhält die erstgenannte hälfte östlich der Maas; er gibt vor dem vater und 'allem volk' die feierliche erklärung ab, dass er mit der übertragung der andren westlichen hälfte an Karl, die diesem nun zugewiesen wird, einverstanden sei. Nithard I, 7 (darnach V. Hlud. c. 60 mit dem zusatz: et cunctus populus talibus factis applaudens omnia sibi placere dicebat), Ann. Bert. vgl. Adonis Chr. M. G. SS. 2,322. Der kaiser knüpft an die teilung die bedingung, dass sie, so lange er lebe, ihm getreulich gehorchen, nach seinem tod ihren anteil in besitz nehmen sollen, Ann. Bert.; er mahnt die brüder sich zu lieben und gegenseitig zu unterstützen, Nithard I, 7, darnach V. Hlud. c. 60. Nach Ann. Fuld. wird Lothar, dem auch die residenz Achen (sedes regni vgl. Simson 2,209 n. 3) zugefallen war, zugleich als ältestem sohn die kaiserwürde zuerkannt; dem iüngeren Ludwig wird, pro eo quod patrem offenderat, nur Baiern zugestanden, Ann. Fuld. vgl. V. Hlud. c. 60. Dümmler Ostfränk. Reich 2. A. 1,249 vermutet, dass auch Lothars sohn Ludwig (II) die nachfolge in Italien zugesichert wurde.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI I n. 993c, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0839-05-30_1_0_1_1_0_2148_993c
(Abgerufen am 02.12.2016).