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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I

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Reichsteilung zwischen des kaisers söhnen Pippin, Ludwig nnd Karl, die nach des vaters tod in kraft treten soll: c. 1. nachfolge eines der söhne derselben, den das volk erwähle, im teilreich, wenn einer von ihnen früher stürbe, im fall kinderlosen absterbens teilung des betreffenden reichs unter die überlebenden brüder (vgl. no 416 c. 5,4). 2-13 = no 416 c. 6-16, 20, nur bei c. 4 der zusatz: verbot für die brüder bei lebzeiten des vaters den treueid von leuten des kaisers oder eines andren herrn anzunehmen und sie dadurch von ihrer vasallenpflicht abzuziehen, bei c. 13: vorbehalt für den kaiser ienem der 3 söhne, welcher durch grösseren gehorsam, guten willen und sittlichkeit gott und dem kaiser mehr zu gefallen bestrebt sei, auf kosten des bruders, der dies bestreben nicht zeige (vgl. dazu Dümmler Ostfränk. Reich 2. A. 1,63), nach verdienst reich und macht zu mehren, in c. 11 die entsprechenden änderungen: von seinem urgrossvater Karl, grossvater Pippin u. s. w.) 14. vergrösserung (quicquid addiderimus) der teilreiche: zu Aquitanien das ganze (land) zwischen Loire und Seine und ienseits der Seine 28 (die zahl verderbt) gaue, nämlich die von Châlons, Meaux, Amiens und Pontieu bis zum meer; zu Baiern ganz Thüringen, Ripuarien (um Köln), Atoarien (Geldern), Sachsen, Friesland, (die gaue) Ardennen, Hasbania, Brabant, Flandern, Mempiscus, Melantois, Hennegau, Osterbant, Artois, Thérouanne, Boulogne, Quentowic, Cambray, Vermandois; zu Alamannien ganz Burgund mit ausnahme des anteils Pippins, ganz Provence und Gothien und von Mittelfrancien (die gaue) Voëvre, Voncq (Ungensis, an der Aisne bei Attigny, Longnon Atlas hist. text 119), Castrensis (nö. an der Maas), Porcien, Reims, Laon, Mosel, Trier. Notum fieri volumus. Hs. s. X (A). Pithoeus SS. 330 ex vetustiss. membrana = Duchesne SS. 2,327 = Vorburg Hist. 11,311 = Goldast Const. 2,19 = Le Cointe 8,362 = Recueil des Traitez 1,6 = Lünig RA. 4,15 = Baluze Capit. 1,685 emend. ex vet. scheda d'Hérouval = Dumont 1,8 = Bouquet 6,411 = Heumann Comment. 1,463 = Mansi 15,461 app. = Walter 2,397 = M. G. LL. 1,356 = Fauriel Hist. de la Gaule mérid. 4,452 = Migne 97,641; *M. G. Capit. 2,21 vgl. 540 aus A. Von den älteren forschem zu 837, 835, von Pertz zum Nimweger reichstag 830, seit Widekind (literaturangaben bei Simson Ludwig d. Fr. 2,93 n. 2 vgl. Dümmler Ostfränk. Reich 2. A. 1,62 n. 2) gewöhnlich zu 831 febr. (dafür auch mit eingehender begründung Sickel. Reg. 338 L 280) eingereiht. Dagegen vertritt Simson 1,387; 2,93 die einreihung zu 834. Seine begründung scheint mir nicht überzeugend; sie erweist doch nur, dass dieser termin nicht minder innere wahrscheinlichkeit beanspruchen könnte, wenn für ihn ein bestimmtes zeugnis vorläge. Dieses liegt aber nicht für 834, sondern für die frühere zeit vor, das zeugnis Nithards I, 3 (vgl. no 876b), der erzählt, dass der kaiser seinen söhnen Pippin und Ludwig eine vergrösserung ihrer reiche durch den mönch Guntbald versprechen liess, wenn sie zu seiner restitution mitwirkten, und dass diese vergrösserung auch ins werk gesetzt wurde (quamquam eis regna, sicut promissum fuerat, aucta fuissent). Dieses zeugnis tritt zu bestimmt und noch dazu in wechselbeziehung auf, als dass es durch eine 'vermutung' Simsons 2,97 n. 1, diese angabe stehe an unrichtiger stelle und sei eigentlich zu 834 zu ziehen, beseitigt werden könnte. Dem iahr 831 steht aber auch die volle innere wahrscheinlichkeit zur seite: Lothar hatte, wie der höfische annalist sagt, das sanfte gemüt des vaters erregt, er ist seiner mitregentschaft entsetzt und auf Italien beschränkt mit der weisung sich in reichssachen nicht mehr einzumengen, Judiths einfluss beherrscht die lage, die rache der zu tiefst beleidigten frau fordert ihre opfer. Ludwig und Pippin mussten entschädigt und gewonnen werden; in einer urk. für Alamannien no 883 tritt Karl ietzt in den vordergrund. Als bald darauf die amnestie erlassen wurde, war durch diese schwenkung der politik die sachlage allerdings eine ganz veränderte. Davon musste auch in erster linie diese 'reichsteilung', welche in der vorliegenden gestalt mehr als ein entwurf oder ein proiekt war, die aber in dieser form nicht, wenigstens nicht für längere zeit, zur ausführung gelangte, betroffen werden. Damit findet auch das verhalten Pippins zu ende dieses iahres, die erhebung Ludwigs 832 volle erklärung. Gegen die echtheit des aktenstückes scheinen mir keine bestimmten bedenken vorzuliegen (dafür auch Marks im Programm des Realprogym. in Viersen 1888 s. 26). Ob dasselbe noch während des reichstages, ob etwa nach diesem (Pippin urkundet noch am 25. febr. in Achen B. 2073) erlassen wurde, ist nicht festzustellen.

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Empfohlene Zitierweise

RI I n. 882, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0831-00-00_1_0_1_1_0_1912_882
(Abgerufen am 24.09.2016).