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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I

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(castrum super fluvium Walum, Thegan c. 37) Reichsversammlung; sie ist sehr zahlreich besucht (ex utraque parte, scilicet d, imperatoris et Hlotharii, multorum congregatus est exercitas, Ann. Bert; multitudo hominum ex omnibus regnis suis venit ad eum, Thegan c. 37), namentlich von den Deutschen (omnis Germania eo confluxit imperatori auxilio futura, V. Hlud. c. 45). Der kaiser, wol unter dem leitenden einfluss, der seine sache bisher so geschickt geführt hatte (vgl. die bemerkung in V. Walae; II, 10: ab; aemulis verae fidei et iustitiae instigabatur et adulabatur, quasi multa contra eum inhonesta, non pro fide facta fuissent, qui nisi se de bis vindicaret, bene regnare non posse), tritt mit ungewohnter entschiedenheit auf und sucht die gegenpartei durch entfernung der bedeutendsten männer der empörung weiter zu schwächen und zu sprengen (volens adhuc vires adversariorum tenuare, V. Hlud. c. 45 vgl. Thegan c. 37: venerunt adversarii eius et superaverat eos d. imperator et divisit eos): er zieht den abt Hilduin zur verantwortung, weshalb er gegen seinen befehl mit bewaffnetem gefolge erschienen sei, er verweist ihn vom hof mit dem befehl den winter mit wenigen leuten in einem lagerzelt bei Paderborn zuzubringen (vgl. Transl. s. Pusinae c. 4 M. G. SS. 2,682, Wilmans KU. 1,543; Hincmar folgt seinem abt freiwillig in die verbannung, Flodoard H. Rem. III, 1 M. G. SS. 13,475); er befiehlt abt Wala in sein kloster Corbie zurückzukehren und dort seinem klösterlichen beruf zu leben (vgl. Transl. s. Viti Jaffé Bibl. 1,13, V. Walae II, 10; auf Hilduin und Wala bezieht sich wol auch die angabe der Ann. Mett.: quosdam in exilium misit). Diese massregelung erbittert die partei aufs tiefste; sie versammelt sich in der nacht und kommt in Lothars wohnung mit der forderung entweder loszuschlagen oder auch gegen den willen Ludwigs anderswohin abzuziehen. Morgens lässt dieser Lothar entbieten, er möge nicht ihren gemeinsamen feinden trauen, sondern als sohn zu ihm kommen; trotz der abmahnungen geht Lothar zu seinem vater, der ihm nur freundliche vorwürfe macht. Unterdes steigt die erbitterung, tumult erhebt sich, die parteien stehen kampfbereit einander gegenüber. Da tritt der kaiser mit seinem sohn vor das volk und dieses lässt sich durch des kaisers rede beschwichtigen. V. Hlud. c. 45 vgl. V. Walae II, 11: qui boni erant, nimia decepti reverentia, noluerunt iniuriose contraire ad primum, ideo incurrerunt damnationis crimen et facta est ruina paene omnium una. Durch Lothars nachgibigkeit ist seine sache verloren, die herrschaft dem kaiser zurückgegeben (recuperato imperio, Ann. Bert.; plebs universa ditioni eius se subdidit, Nithard I, 3), der die gewonnenen vorteile sogleich ausnützt: er lässt die häupter der empörung (conspirationis principes, V. Hlud. c. 45; auctores illius facti, quorum fraus detecta et conspiratio patefacta est, Ann. Bert.) verhaften und übergibt sie seinen getreuen in gewahrsam (sub privata custodia, V. Hlud. c. 45; commendavit, Thegan c. 37), um sie auf dem nächsten nach Achen einberufenen reichstag aburteilen zu lassen (Ann. Bert.); Lothar muss einen treueid leisten, ut post hoc nunquam talia committere debuisset, bischof Jesse von Amiens (vgl. über ihn Simson Ludwig d. Fr. 1,363) wird nach dem urteil der bischöfe abgesetzt. Die reichsversammlung, geistliche wie laien, beschliessen ferner, ut coniux eius (Judith), quae iniuste et sine lege ac iudicio ei ablata fuerat, ad memoratum condictum placitum (zu Achen) reduceretur et, si quislibet aliquod crimen illi obicere vellet, aut se legibus defenderet aut iudicium Francorum subiret, Ann. Bert. (über die erklärung dieser stelle Simson 1,365 n. 7). Die von den Ann. Fuld. der erwähnung des Nimweger reichstages (conventu apud N. habito kann doch nur besagen: nach dem reichstag in N.) angefügte nachricht über die bestrafung 'aller' empörer (vgl. auch Ann. Mett.; atque honores eorum abstulit, ähnlich Ann. Tiel. 823 M. G. SS. 24,22) gehört wie die ohnehin durch 'postea' eingeleitete meldung der V. Hlud. c. 45 erst dem Achener reichstag an vgl. auch Simson 1,363 n. 1. Bei Thegan c. 37 noch die anderweitig nicht verbürgte nachricht: Ibi fuit aequivocus filius eius, qui in omnibus laboribus patris adiutor eius extitit; eine urk. des Baiernkönigs datirt von Regensburg 830 okt. 6, während der reichstag in Nimwegen nach den Ann. Bert. circa kal. oct. einberufen, nach den Ann. Mett. mense oct. gehalten wurde; wie schon Dümmler Ostfränk. Reich 2. A. 1,60 n. 1 annimmt, dürfte derselbe daher erst in die zweite hälfte des okt. zu setzen sein; Simson 1,361 n. 6 bezweifelt wegen der tendenz Thegans die zuverlässigkeit seiner angabe.

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Empfohlene Zitierweise

RI I n. 876c, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0830-10-00_1_0_1_1_0_1904_876c
(Abgerufen am 04.12.2016).