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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I

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Reichsversammlung. Hlotharius de Italia perveniens placitum illic habuit, Ann. Bert. Ad quem venientem tota se illa contulit factio imperatoris inimica, V. Hlud. c. 44 vgl. Nithard I, 3. Mit Pippin waren die grossen des reichs, der erzkaplan Hilduin, bischof Jesse von Amiens, die grafen Hug und Matfrid, abt Elisachar, Gotefrid n. a. erschienen, Thegan c. 36. Den ausführlichsten bericht gibt Pas chasius Radbertus in V. Walae II, 10 als augenzeuge: der kaiser habe dem volk gedankt und sich schuldig bekannt, quia et ego prior admisi et feci, qualia nullus ante me rex fecisse invenitur; er gibt die zusicherung: porro deinceps nihil tale, nihil sine vestro consilio me acturum ulterius profiteor; imperium namque, a me ut olim ordinatum est una vobiscum, ita, manere decerno et volo; feminae quoque huic (Judith), qunam abiudicastis, quia mea est in illa ultio, iuxta communes leges, sicut deposcitis, vitam concedo, ita tamen ut sub sacro velamine deinceps degat et poenitentiam gerat. Auch ohne die versicherung dieses berichterstatters: omnia retinere, quae dicta quaeve responsa sint, omnino nequeo wird man ienen wortlaut nicht als sicher verbürgt betrachten können, aber er scheint doch dem wesentlichen inhalt zu entsprechen. 833 wird Ludwig vorgeworfen, dass sein zu Compiègne abgelegtes schuldbekenntnis ein erheucheltes gewesen sei, Exauct. Hlud. M. G. Capit. 2,53; Lothar wird wieder als mitregent anerkannt, sein name wieder in den urk. genannt, no 875 vgl. Sickel UL. 269; dass man die bestätigung des verfahrens gegen die kaiserin erzwang, ist erklärlich, sehr fraglich dagegen, ob den grossen eine bestimmte einflussnahme auf die regierung oder vielmehr dieser partei nur ihre frühere machtstellung zugesichert worden sei. Über die gegner als 'mitschuldige' Bernards und Judiths ergeht das strafgericht: Lothar billigt das bereits geschehene, V. Hlud. c. 45 vgl. Ann. Bert. (consensu Hlotharii); Bernards bruder Heribert wird gegen den willen des alten kaisers geblendet, V. Hlud. c. 45, Ann. Bert., Nithard I, 3, V, Walae II, 10 (mit der weiteren nachricht: quia convictus et confessus est consensisse) und nach Italien in gewahrsam gebracht Nithard I, 3, dessen verwandter Odo der waffen beraubt und verbannt V. Hlud. c. 45; nach den Ann. Bert. werden noch andre getreue des kaisers in haft gegeben. Hatte Ludwig um diesen preis auch seinen tron gerettet (quibus ita pacifice in eadem concioue dispositis relevatur in throno et erigitur cum laudibus et subditur ei omnis populus in fide amplius fidelis V. Walae II, 10), so war ihm doch nur der name des kaisers geblieben (solo nomine imperator aestatem transegit, V. Hlud. c. 45; omnem potestatem regiam tulerunt, Ann. Bert. reddiderunt patrem quieti et aliquantulae honestati, Agobardi Lib. pro filiis I, 2; die späteren Hersfelder Ann. M. G. SS. 3,45 sprechen geradezu von seiner absetzung); die macht war auf Lothar übergegangen (Lodharius quidem eo tenore re publica adepta, Nithard I, 3), der seinen vater zwar rücksichtsvoll behandelt (nihil tunc temporis patri intulisse visus est dedecoris, V. Hlud. c. 45), aber denselben mit dem kleinen Karl nach Nithard I, 3 in freier haft hält und ihm mönche zur gesellschaft zuweist, welche ihn zum eintritt ins kloster überreden sollten. Nach dem anderweitig nicht verbürgten und parteiischen zeugnis Thegans c. 36 soll der Baiernkönig Ludwig die enttronung seines vaters verhindert haben vgl. Simson in Forschungen 10,341. Dagegen schreiben die Ann. Remenses 830 M. G. SS. 13,81 (Lud. imp. a Pipino, filio suo, apud Compendium male dehonestatur) Pippin alle schuld zu. Die reichsversammlung in Compiègne (noch erwähnt in Ann. Fuld.) fand wahrscheinlich im mai statt.

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Empfohlene Zitierweise

RI I n. 874b, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0830-00-00_2_0_1_1_0_1899_874b
(Abgerufen am 05.12.2016).