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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I

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Capitula, quod d. Hlotharius imp. tempore Eugenii pape instituit ad limina b. Petri apostoli: c. 1. unverletzliche sicherheit aller, welche in den besonderen schutz des papstes oder kaisers aufgenommen wurden, bei todesstrafe, gehorsam gegen den papst und dessen beamte (duces ac iudices vgl. Giesebrecht Kaiserzeit 5. A. 1,871), erwähnung der witwen und waisen des Theodor (823 getödtet, no 778a), Floro (ein Florus superista 821 gesandter beim kaiser no 740d) und Sergius (vgl. Simson Ludwig d. Fr. 1,228 n. 6, diese stelle fehlt in B). 2. strenges verbot der bisher gewöhnlichen plünderungen bei lebzeiten oder nach dem tod des papstes, gesetzliche busse per dispositionem nostram (diese worte fehlen in B) für die bereits verübten (vgl. no 602a). 3. unbehinderte wahl des papstes nur durch die von altersher durch die kirchlichen satzungen berechtigten Römer, verbannung für die dawider handelnden. 4. bestellung zweier missi, eines päpstlichen und eines kaiserlichen, um ihm (Lothar) über die rechtspflege der päpstlichen beamten und die beobachtung dieser konstitution iährlich bericht zu erstatten; bei beschwerden über rechtsverweigerung zunächst bericht an den papst, der dieselben durch die missi beheben lässt, widrigenfalls anzeige an den kaiser durch den kaiserlichen missus, um durch delegation von königsboten abhilfe zu schaffen (der schluss abweichend in B vgl. V. Hlud. c. 38; Statutum etiam iuxta antiquum morem, ut ex latere imperatoris mitterentur, qui iudiciariam exercentes potestatem iusticiam omni populo tempore, quo visum foret imperatori, aequa lance penderent, Simson 1,226 n. 5). 5. freie wahl des persönlichen rechts für ieden Römer (statt: ut cunctus populus Romanus interrogetur in B: ut omnis senatus et pop. Rom.), verbindlichkeit des einmal gewählten (der schluss Illisque denuntietur - subiacebunt in B gekürzt). 6. rückgabe der widerrechtlich, auch angeblich mit erlaubnis des papstes, entrissenen kirchengüter und der widerrechtlich von den päpstlichen beamten eingezogenen und noch nicht zurückgestellten güter nach urteil der missi (in B geändert: rückgabe der entrissenen güter an die römische kirche). 7. abstellung der räubereien an den grenzen (inter confinia nostra), gesetzlicher ersatz der hüben und drüben verübten plünderungen und gewalttaten (der schluss fehlt in B). 8. berufung aller richterlichen beamten in Rom (in hac urbe Roma, A; dum Romae sumus, B), vor Lothar, damit dieser ihre zahl und namen erfahre und ihnen gerechte amtsführung einschärfe. 9. unbedingter gehorsam und ehrfurcht gegen den papst (huic pontifici, A; Romano pontifici, B) bei kaiserlicher ungnade. 'Constitutum habemus.' Hs. s. X-XII (A); Deusdedit Coll. can. I, 242-250: ex constitutionibus Hlotharii imp. (B). Aus B: Holsten Coll. Rom. 2,218 = Labbe Conc. ed. Coleti 9,649 = Harduin 4,1261 = Baluze Capit. 2,317 vgl. 319 = Le Cointe 7,697 = Goldast Const. 1,187 = Dumont 1,8 = Bouquet 6,410 = Eckhart Francia or. 2,189 = Mansi 14,479 = Walter 3,252 = Pinton Le donazioni barb. ai papi 225; Baronius 824 no 14 = Calles Ann. eccl. 3,167; *Deusdedit Coll. can. ed. Martinucci 169; M. G. LL. 1,239 aus A = Migne 97,459; C. d. Cav. 4b, 59 u. ö.; *M. G. Capit 1,328 = Altmann und Bernheim Ausgew. Urk. 72, 2. A. 86 = Mirbt Quellen z. Gesch. des Papsttums 39: mit ausnahme von c. 4 im Lib. Pap. Loth. 35-41, ältere zählung 34-40, Muratori SS. 1b, 140, M. G. LL. 4,545 u. ö.; von c. 3 an Sigonius 111 = Goldast Const. 4,13 = Lünig RA. 4,17 = Ideler Karl d. Gr. 2,336. Grossenteils wiederholt (nach c. 3 der zusatz: Insuper etiam, ut nullus missorum nostrorum cuiuscumque impeditionis argumentum componere in praefatam electionem audeat, prohibemus, den auch Bonitho Ad amicum III Jaffé Bibl. 2,615 gibt) in pactum Ottos I M. G. LL. 2b,165, DD. 1,326 no 235. Dieses spricht aber auch von einem förmlichen pactum et confirmatio ac promissionis firmitas Eugenii pontificis (vgl. Sickel Das Privilegium Otto I. f. die röm. Kirche 158) und stellt damit, wie bereits Ficker Forschungen 2,354 nachgewiesen, eine solche vereinbarung ausser frage; sie ist von Otto I wiederholt und garantirt kanonische wahl des papstes gegen die verpflichtung, dass der gewählte nicht geweiht werden dürfe, priusquam talem in praesentia missorum nostrorum .. seu universae generalitatis faciat promissionem pro omnium satisfactione atque futura conservatione, qualem d. Leo (III vgl. Ficker Forschungen 2,355 n. 3) sponte fecisse dinoscitur. Eine direkte bestätigung bietet der in Pauli cont. Rom. M. G. SS. Lang. 203 (aus Duchesne 2,207 auch Bouquet 6,410 n., Muratori SS. 1c, 184, M. G. LL. 1,240 = Migne 97,460, M. G. Capit. 1,324 n. ö. überlieferte eid der Römer: sie geloben, unbeschadet der dem papst geschwornen treue, Ludwig und Lothar treue, kanonische wahl des papstes, der nicht früher geweiht werden dürfe, priusquam tale sacramentum faciat in presentia missi d. imperatoris et populi cum iuramento, quale d. Eugenius papa sponte pro conservatione omnium factum habet per scriptum. Die echtheit dieses eides (vgl. Simson 1,230 D. 4) ist umsoweniger zweifelhaft, als allem anschein nach ein altes formular zu grunde liegt und die charakteristischen worte 'ab hac hora in futurum fidelis ero' auch noch unter Gregor VII die treueide einleiten, Greg. VII reg. ed. Jaffé I, 21a, VI, 17a VIII, 1ac, 26, Deusdedit Coll. Can. III, 155 (= Rozière Liber diurn. no 111), 157 (= Watterich V. pont. 1,234), 159. Das dem kaiser vorbehaltene bestätigungsrecht der wahl, das in der verpflichtung die weihe nicht vor eintreffen des kaiserlichen missus vorzunehmen (vgl. Simson 1,231 n. 2-4) zum ausdruck kommt, hatten früher die griechischen kaiser geübt, Liber diurn. ed. Rozière und ed. Sickel no 58,60. Lothars konstitution gehört nach den folgenden daten wahrscheinlich der ersten hälfte nov. an.

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Empfohlene Zitierweise

RI I n. 1021, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0824-00-00_2_0_1_1_0_2221_1021
(Abgerufen am 08.12.2016).