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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I

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Kapitulare erlassen auf der mit päpstlicher bevollmächtigung und auf befehl des königs im 26. regierungsjahr versammelten synode aller bischöfe des reichs, welcher der könig selbst angewohnt: c. 1. verdammung der adoptianischen irrlehre der bischöfe Elipandus von Toledo und Felix von Urgel, 2. des zu Konstantinopel gefassten beschlusses über die bilderverehrung. 3. verfahren gegen Tassilo: abbitte desselben vor dem konzil für den gegen Pippin und Karl begangenen treubruch, verzichtleistung auf iedes anrecht und allen familienbesitz im herzogtum Baiern und auf alle künftigen ansprüche, empfehlung seiner kinder an die königliche gnade; verzeihung des königs; ausfertigung von drei gleichlautenden urkunden (breves) über diesen akt, von denen die eine in der pfalz aufbewahrt, die zweite Tassilo in das kloster (Lorsch) mitgegeben, die dritte in sacri palatii capella (also eine art staatsarchiv vgl. Sickel UL. 9) hinterlegt werden sollte. 4 preistarif für getreide nach dem neu eingeführten allgemeinen scheffel und für brod (erläutert von Soetbeer in Forschungen 6,73), für die annona publica d. regis (vgl. Waitz VG. 2. A. 4,6 n. 1), befehl an die königlichen lehensleute keinen ihrer hörigen hungers sterben zu lassen und erst den überschuss zu verkaufen. 5. allgemeine geltung der neuen denare bei busse (vgl. Soetbeer in Forschungen 4,291, Prou Les monnaies caroling., Paris 1896, p. X, XLII). 6. gerichtsbarkeit des bischofs über den klerus, mitwirkung des grafen, zweite instanz der metropolit mit den suffraganen, letzte der könig. 7. residenzpflicht der bischöfe und pfarrgeistlichen. 8. entscheidung des streites zwischen dem bischof Ursio von Vienne (Ursus, Adonis Chr.) und dem vogt des bischofs Elifant von Arles laut der verlesenen briefe der päpste Gregor u. a. in der weise, dass Vienne 4, Arles 9 suffragane haben solle (vgl. Hefele Conciliengesch. 2. A. 2,590), während betreffs Tarantaise (vgl. die angebl. bulle Leos III Jaffé Reg. 2. ed. no 2533), Embrun und Aix eine gesandtschaft an den papst geschickt wurde, um seine entscheidung einzuholen. 9. beschluss, dass bischof Petrus (von Verdun) von dem verdacht der verschwörung gegen das leben des königs (? iener Pippins 792) und des treubruchs sich durch einen eid reinigen solle, annahme des von ihm, als er unter den bischöfen keinen eideshelfer findet, angebotenen gottesgerichts durch einen seiner leute, und diesem zufolge aufnahme desselben in des königs gnade und wiedereinsetzung in seine würde (vgl. G. ep. Vird. c. 14 M. G. SS. 4,44 und Simson Karl d. Gr. 2,42 n. 4). 10). absetzung des nach eignem geständnis nicht einmal kanonisch zum diakon und priester geweihten bischofs Gaerbod (unbekannt; die identität mit Gervold, der 788 nach seiner erhebung zum abt von St. Wandrille das bistum Evreux resignirte G. abb. Font c. 16 M. G. SS. 2,291, ist unwahrscheinlich vgl. auch Gallia christ. 11,568), der keine zeugen für seine bischofsweihe aufzuweisen und doch vom metropoliten Magnard (Rouen) die episkopalien erhalten hatte. 11. fernhaltung der mönche von weltlichen geschäften (vgl. no 301 c. 30) und gerichtsverhandlungen. 12. reclusi nur mit billigung des bischofs und abts. 13-18. klösterliche disziplin (vgl. no 301 c. 6. 7, 15, 13, 16, die drei letzten verfügungen: unentgeltliche aufnahme ins kloster, wahl des abts auf befehl des königs, aber auch mit zustimmung des bischofs, verbot die mönche durch blenden und verstümmeln zu bestrafen, hier in weiterer ausführung). 19. verbot des wirtshausbesuches für geistliche (vgl. no 300 c. 14). 20. der bischof (no 300 c. 55: die priester) soll die canones und die regel kennen. 21. sonntagsfeier. 22. verbot der aufstellung von bischöfen in kleinen villen und dörfern, 23. der aufnahme und weihe fremder höriger ohne erlaubnis ihres herrn. 24. verbleiben der kleriker und mönche in ihrem stand (zu c. 21-24 vgl. no 300 c. 15, 19, 23, 27, 73). 25. leistung des zehnten, neunten und zinses von den kirchlichen lehensträgern secundum priorum capitularum d. regis (11o 219 c. 13), ablieferung des zehnten vom eigengut, da man im iahr der grossen hungersnot (793, nicht 779, wie man gewöhnlich annimmt vgl. den bericht der Ann. Mosell. 792 = 793) die erfahrung gemacht habe ebullire vacuas annonas a daemonibus devoratas (das sogenannte auffliegen des getreides). 26. instandhaltung der kirchen durch deren lehensträger (vgl. no 302 c. 2). 27. verbot des übertrittes von geistlichen in eine andre kirche und aufnahme derselben ohne empfehlungsbrief ihres bischofs (vgl. no 300 c. 24), 28. der absoluten weihen (ib. c. 25). 29. sorge des bischofs für unterricht zur gewinnung tüchtiger nachfolger. 30. vorgehen nach den kirchlichen satzungen bei streitsachen unter dem klerus (no 300 c. 28), bei ienen zwischen klerikern und laien gemeinsames vorgehen des bischofs und grafen. 31. verbot und auflösung der coniurationes et conspirationes (vgl. no 219 c. 16, 301 c. 26, Hartwig in Forschungen 1,143). 32. erhaltung der klöster (vgl. 11o 300 c. 31). 33. predigt des katholischen glaubens über die trinität (ib. c. 32), das gebet des herrn, das glaubensbekenntnis. 34. verhütung von habsucht (ib. c. 33) und begierlichkeit. 35. gastlichkeit (ib. c. 75). 36. unfähigkeit lasterhafter (vgl. ib. c. 35) als kläger gegen vornehme und ihre bischöfe aufzutreten. 37. kirchliche rekonziliation zur zeit der not (ib. c. 34). 38. verbot des verkehres der kleriker in der königlichen kapelle mit ungehorsamen priestern, damit sie nicht etwa dem bann verfallen. 39. verfahren gegen einen bei einem kriminalverbrechen ergriffenen priester. 40. erziehung der waisenmädchen (virgines deo sacratae, ib. c. 40) durch ehrbare frauen unter geistlicher aufsicht. 41. anwesenheit des bischofs bei seinem bischofssitz (ib. c. 41), entfernung von demselben in eignen geschäften auf höchstens 3 wochen, heimfall des von ihm als bischof erworbnen gutes an seine kirche, nicht an die verwandten. 42. verbot der verehrung neuer heiliger. 43. einhaltung des kirchlichen gebotes betreffs zerstörung der h. bäume und haine. 44. anerkennung der von beiden parteien gewählten schiedsrichter. 45. geltung der kirchlichen gepflogenheit betreffs der zeugen, ausschluss der kinder von der eidesleistung, sicut Guntbadingi faciunt. 46. beobachtung der kanonischen vorschrift über die zeit, wann iungfrauen den schleier nehmen dürfen, und ihrer beschäftigung bis zum 25. iahr (zu c. 42-46 vgl. no 300 c. 42, 65, 44, 64, 46). 47. anzeige der nicht nach ihrer regel lebenden äbtissinen durch den bischof beim könig, damit sie ihrer würde entsetzt werden. 48. Verwendung der opfergaben für die kirche und arme nach kirchlicher satzung. 49. empfang der priesterweihe nicht vor dem 30. iahr. 50. allgemeiner pax nach der messe. 51. verlesung der namen aus den dyptichen erst nach der opferung (zu c. 48-51 vgl. no 300 c. 47, 50, 53, 54). 52. niemand glaube, dass gott nur in 3 sprachen angebetet werden dürfe. 53. bischöfe und priester sollen die canones kennen (vgl. oben c. 20). 54. bewilligung die von freien erbauten kirchen zu vorgeben und zu verkaufen, nur dürfen sie nicht zerstört oder verunehrt werden. 55. vortrag des königs: er habe von papst Hadrian die bewilligung gehabt propter utilitates ecclesiasticas erzbischof Angilramn beständig am hof (in suo palatio) zu haben; er bitte die synode dasselbe für bischof Hildebold (von Köln) zu gestatten, wofür er bereits die päpstliche genehmigung habe; zustimmung der synode. 56. ersuchen des königs, die synode möge Alcuin ob seiner kirchlichen gelehrsamkeit in ihre gemeinschaft und gebete aufnehmen; zustimmung der synode. 'Coniungentibus deo favente.' Hs. s. IX olim s. Remigii Rem. (A), s. X (B) Paris bibl. nat. Alchwini Op. ed. Quercetanus 1889; Sirmond Conc. 2,194 aus A = Labbe Conc. ed. Coleti 9,101 = Harduin 4,904 = Hartzheim Conc. 1,323; Baluze Capit. 1,263 aus A. B ohne c. 1, 2, die kapitelzählung also um 2 niedriger als in M. G. = Bouquet 5,650 frg. nur c. 3-5, 55, 56 = Georgisch C. J. 585 = Mansi 13,909 c. 1, 2; 13b c. 3-56 = Haddan und Stubbs Councils 3,481 = Walter 2,115; M. G. LL. 1,71 aus A, B = Migne 97,191; *M. G. Capit. 1,73. - Die kompilation Baluze Capit. 1,379, von Sickel als K 142 eingereiht, kein echtes kapitulare, Mittheil. d. Instituts f. öst. GF. 1,608.

 

Verbesserungen und Zusätze:

jetzt auch gedr. MG. Conc. 2, 165.

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Empfohlene Zitierweise

RI I n. 325, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0794-00-00_1_0_1_1_0_880_325
(Abgerufen am 29.09.2016).