Springschool "Zwischen Rezeption und Remake – Das Mittelalter im 19. Jahrhundert" (19.-23.02.2024)

25.07.2023

Die Springschool »Zwischen Rezeption und Remake – Das Mittelalter im 19. Jahrhundert« des Mainzer Akademiezentrum Mittelalter und Frühe Neuzeit (AMZ) widmet sich dem Blick des 19. Jahrhunderts auf die Epoche des Mittelalters in seinen verschiedenen Facetten. Der Untergang des Reiches und der Zusammenbruch der alten Ordnung stürzten die Gesellschaft in eine tiefe Identitätskrise und führten schließlich auf breiter Ebene zur Rückbesinnung auf ein idealisiertes Zeitalter vergangener nationaler Größe. Man legte ein schier unerschöpfliches Reservoir an materiellen Zeugnissen des Mittelalters frei, das als wiederentdecktes Erbe viele Bereiche des kulturellen Lebens durchdrang. Zugleich bildete das 19. Jahrhundert ein modernes Geschichtsbewusstsein heraus und stellte die Grundlagen für die wissenschaftliche Erschließung einer bis dahin wenig erforschten Epoche bereit.

Dazu zählt etwa der Beginn der systematischen Erschließung mittelalterlicher Rechtsquellen ebenso wie die »Entdeckung« mittelhochdeutscher Literatur. Im Bereich der bildenden Kunst bleibt die Wertschätzung mittelalterlicher Werke das gesamte 19. Jahrhundert über prägend. Zahllose »Alterthümer« werden damals wiederentdeckt und in den Dienst eines idealisierten Mittelalterbildes gestellt. Eine wichtige Rolle nimmt hierbei auch die Auseinandersetzung mit den historischen Vorbildern ein, die den Künstlern jener Epoche den Vorwurf des unschöpferischen Eklektizismus eingebracht hat. Die Instandsetzung schadhafter Kunstwerke im Geist des Historismus lässt die Grenzen zwischen Original und Neuschöpfung verschwimmen, womit letztlich auch die Fragen der Authentizität berührt werden.

Die Springschool findet vom 19. Februar 2024 - 23. Februar 2024 in Freiburg statt. Ihr Ziel ist es, die Teilnehmer*innen für das Mittelalterbild im 19. Jahrhundert zu sensibilisieren. Dafür sollen sie einerseits in aktuelle Forschungsdiskurse zu Mittelalterrezeption und Medievalism eingeführt und andererseits befähigt werden, an konkreten Objekten (Handschriften, Inschriften, Glasmalereien, Bauwerken) selbst auszudifferenzieren, was tatsächlich mittelalterlich ist und was »nur« ein modernes Remake. Die einzelnen Themenkomplexe werden von ausgewiesenen Expert*innen der beteiligten Akademie-Projekte (Regesta Imperii, Die deutschen Inschriften, Corpus Vitrearum Medii Aevi, Handschriftencensus), der Universität Freiburg sowie der Münsterbauhütte, dem Münsterfabrikfonds und dem Augustinermuseum vermittelt.

Bei der Springschool werden die thematischen Einheiten von einer Präsentation der Vorgehensweisen in den beteiligten Projekten eingeleitet, die anschließend von den Teilnehmer*innen an konkreten Beispielen eingeübt werden. Zum Programm gehören außerdem Exkursionen zu historischen Stätten in Freiburg und zur Hohkönigsburg im Elsass, um eine unmittelbare Begegnung mit den Objekten und den Austausch vor Ort zu ermöglichen.

Zielgruppe
Die Veranstaltung richtet sich an Master-Studierende und Doktorand*innen aus den historisch arbeitenden Kulturwissenschaften (Geschichte, Sprach- und Literaturwissenschaften, Kunstgeschichte, Rechtswissenschaft, Theologie, Philosophie etc.) mit einem Schwerpunkt auf Mittelalter und/oder Früher Neuzeit und Interesse an interdisziplinärem Arbeiten. Es stehen insgesamt 15 Plätze zur Verfügung. Eine Teilnahmegebühr wird nicht erhoben. Die Kosten für die Unterkunft werden übernommen, in begrenztem Umfang können auf besonderen Antrag Reisebeihilfen von 50 Prozent des tatsächlichen Aufwands (max. 100 Euro) gewährt werden.

Bewerbungen
Ein Motivationsschreiben von 1–2 Seiten und den Lebenslauf richten Sie bitte in einer zusammenhängenden PDF-Datei bis zum 15. Oktober 2023 an: infoatcvma-freiburg.de

Zum Flyer

 

Bild: Schlosskapelle Stegen, Glasgemälde (Quelle: Joergens.mi/Wikipedia)